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Große und kleine Geschichten von Feldkirch

Die Veduten-Sammlung im Gang des Palais Liechtenstein. Oben: ein wertvolles Highlight der Schau: Die Monstranz von Hieronymus Münzer. 

Die Veduten-Sammlung im Gang des Palais Liechtenstein. Oben: ein wertvolles Highlight der Schau: Die Monstranz von Hieronymus Münzer. 

In der Schau „Von Hugo bis dato“ ist Feldkirchs Stadtgeschichte spannend aufbereitet.

Von Lisa Kammann

Für die Ausstellung „Von Hugo bis dato“, die ein zentraler Programmpunkt im Jubiläumsjahr der Stadt Feldkirch darstellt, scheinen die Verantwortlichen weder Kosten noch Mühen gescheut zu haben. Im neu renovierten Palais Liechtenstein findet sich auf zwei Etagen in insgesamt 23 Räumen eine klug aufgebaute Ausstellung, die einen facettenreichen Blick auf Geschichte und Gegenwart der Stadt anbietet. Die Kosten der Schau belaufen sich auf 698.000 Euro – inklusive der Vermittlungsarbeit, wie bei der Präsentation bekannt gegeben wurde.

Verantwortlich für die große Schau zeichnen Projektleiter und Stadtbibliothekar Hans Gruber, Kurator Bruno Winkler und Grafiker und Gestalter Martin Caldonazzi, der das Raum- und Gestaltungskonzept für die Schau entwickelt hat. Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm für Erwachsene, für Familien, Jugendliche und Kinder sowie für Kindergärten und Schulen wurde von Heidi Kurz erarbeitet. Bei der Fülle an Ausstellungsstücken sowie den Informationen und Geschichten, die damit verknüpft sind, empfiehlt sich in der Tat eine Führung. Besucher, die genügend Zeit mitbringen, können hier einiges entdecken.

Spuren. Als eine „Erinnerungs­collage“ soll die Schau strukturiert sein, wie es Monika Wagner, Projektleiterin des 800-Jahr-Jubiläums der Stadt, beschreibt. Neben großen, wesentlichen historischen Ereignissen und Persönlichkeiten gibt die Schau auch persönlichen Geschichten weniger bekannter Menschen Raum. Geordnet ist die Ausstellung in vier Themen: Zeit, Grenzen, Humanismus und Bücher. Dargestellt sind diese Bereiche mit symbolischen Objekten am Beginn der Schau im ersten Obergeschoss. Zu sehen ist auch ein Palimpsest: ein Manuskript, das abgeschabt und neu beschrieben wurde, als Papier noch Mangelware war. So verhalte es sich auch mit der Stadt, meint Gruber: Gebäude und Menschen verschwinden aus dem Stadtbild, aber sie hinterlassen Spuren, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.

Ein wichtiges Objekt in der Schau ist das Dokument aus dem Jahr 1218, in welchem Feldkirch erstmals als Stadt bezeichnet wurde. Hugo I. hielt in dieser Urkunde die Schenkung einer Kirche an den Johanniterorden in der Stadt fest („in civitate sua Veltkilch“). Ein weiteres Highlight ist die Monstranz von Hieronymus Münzer, eine Leihgabe der Dompfarre. Das Glas in der Mitte des wertvollen Stücks sei original erhalten, wie Gruber informiert. Aber auch an die Zeit vor der Stadtbildung wurde gedacht: Auf ein großes Relief im ersten Obergeschoss wird die Landschaftsentwicklung des Gebietes ab der Frühzeit projiziert.

Der Bereich Humanismus und Bildung ist breit aufgestellt. Als sich in der Blütezeit der Neuzeit humanistisches Gedankengut über Italien in ganz Europa verbreitete, war Feldkirch ein bedeutender Standort. So wurde dort früh eine Lateinschule gegründet. Hieronymus Münzer (Mitte 15. bis Anfang 16. Jahrhundert) ist ein wichtiger Vertreter des Humanismus. Er verfasste unter anderem die erste gedruckte Deutschlandkarte, merkt Gruber an. Auch Georg Joachim Rheticus hat einen Platz in der Ausstellung. „Aber wenn ich von Rheticus zu erzählen beginne, stehen wir noch lange hier“, sagt Bruno Winkler dazu.

Hoffnung. Das Thema Nationalsozialismus wird mit einem individuellen Schicksal aufgearbeitet: Therese Zauser war eine Varieté-Tänzerin. Sie hatte wohl einen unbedachten Kommentar über das NS-Regime geäußert. Jedenfalls wurde sie in das KZ Ravensbrück interniert und ermordet. Ihre Reisekoffer, die in der Schau zu sehen sind, wurden unkommentiert an die Angehörigen retourniert, wie Winkler erzählt. Ausgestellt sind auch eine Wartebank und eine Uhr vom Bahnhof Feldkirch – in der Kriegszeit ein hoffnungsvoller Ort für viele Flüchtende, die über Feldkirch versuchten, in die Schweiz zu gelangen.

Ein Raum widmet sich der Bibliothek von Elmar Grabherr (geboren 1911): Erheiternd und kurios seien seine Theorien über das Wesen des Vorarlbergers, meint Winkler. Was es sonst noch zu sehen gibt, lässt sich nicht vollständig aufzählen: Veduten (Landschaftsdarstellungen) zeichnen das sich wandelnde Bild von der Stadt nach, ein Bereich widmet sich den einzelnen Teilen des Bezirks. Ein Raum hat eine spannungsreiche Zusammensetzung: neben der Verwaltungsgeschichte gibt es einen Auszug aus der Kultur- und Kunstgeschichte. Ein Detail: Die erste Punkband Österreichs hieß Chaos und stammt aus Feldkirch.

Eine gelungene, hochinteressante und vielfältige Schau. Das Plus: Bei einer Führung kann der Ausblick auf der Aussichtsplattform genossen werden.

„Von Hugo bis dato“. Bis 25. November. Täglich 10 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr. www.feldkirch800.at.

<p class="caption">Die Veduten-Sammlung im Gang des Palais Liechtenstein. Oben: ein wertvolles Highlight der Schau: Die Monstranz von Hieronymus Münzer. </p>

Die Veduten-Sammlung im Gang des Palais Liechtenstein. Oben: ein wertvolles Highlight der Schau: Die Monstranz von Hieronymus Münzer. 

<p class="caption">Bruno Winkler, Bürgermeister Wilfried Berchtold, Feldkirch800-Projektleiterin Monika Wagner, Hans Gruber und Martin Caldonazzi (v.l.). Links: Ein Fernrohr der Stella Matutina. </p><p class="caption">Klaus Hartinger (3)/alexander Ess (1)</p>

Bruno Winkler, Bürgermeister Wilfried Berchtold, Feldkirch800-Projektleiterin Monika Wagner, Hans Gruber und Martin Caldonazzi (v.l.). Links: Ein Fernrohr der Stella Matutina. 

Klaus Hartinger (3)/
alexander Ess (1)

<p class="caption">Bruno Winkler, Bürgermeister Wilfried Berchtold, Feldkirch800-Projektleiterin Monika Wagner, Hans Gruber und Martin Caldonazzi (v.l.). Links: Ein Fernrohr der Stella Matutina. </p><p class="caption">Klaus Hartinger (3)/alexander Ess (1)</p>

Bruno Winkler, Bürgermeister Wilfried Berchtold, Feldkirch800-Projektleiterin Monika Wagner, Hans Gruber und Martin Caldonazzi (v.l.). Links: Ein Fernrohr der Stella Matutina. 

Klaus Hartinger (3)/
alexander Ess (1)

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