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„Die Musik hat mich gerettet“

Am Freitag erscheint ihr neues Album „Golden“. Die australische Pop-Ikone Kylie Minogue über Musik als Therapie, Männer und ihren 50er. Von Steffen Rüth

Die Australierin ist seit 30 Jahren dank Hits wie „I Should Be So Lucky“, „Spinning Around“ oder „Can’t Get You Out of My Head“ aus der Popwelt nicht wegzudenken. Kylie Minogue hat sich auf ihrem vierzehnten, zum Teil in Nashville aufgenommenen Studioalbum „Golden“ dezent von Countrymusik beeinflussen lassen, trotzdem klingt es noch immer melodisch und poppig. Ihren lakonisch-warmherzigen Humor hat die 49-Jährige trotz Tiefschlägen wie Brustkrebs und gescheiterten Beziehungen nie eingebüßt.

Sie singen in Ihrem neuen Hit „Dancing“ Folgendes: „Wenn ich ausgehe, dann will ich tanzen gehen“. Stimmt das?

Kylie Minogue: Ja! Ich muss jedoch gestehen, allzu oft mache ich das nicht. In meinen Zwanzigern war das anders. Wenn ich heutzutage ausgehe, dann läuft das meistens nach dem Kylie-Schema ab. Wenn Musik, Stimmung und Leute passen, dann kann es bei mir spät werden. Feiern, vor allem, wenn ich mich spontan treiben lasse, gibt mir Energie und Kraft.

Ist das auch die tiefere Bedeutung, die in „Dancing“ steckt?

Ja. So plump es manchmal klingt: Wir machen uns alle zu viele Sorgen. Um unser Leben, den Beruf, die Beziehung, die nicht vorhandene Beziehung, ganz egal. Dabei können wir uns doch glücklich schätzen, überhaupt am Leben zu sein. Eine heiße Klubnacht erinnert uns daran, wie leicht das Leben sein kann. Tanzen ist ein ungemein starkes und wirkungsvolles Heilmittel. Für dich selbst, für deine Seele, für deinen gesamten Glückshaushalt.

Sie standen kurz vor Ihrer ersten Ehe. Geriet Ihr persönlicher Glückshaushalt nach der überraschenden Trennung von Ihrem Verlobten Joshua Sasse Anfang 2017 in Unordnung?

Das war ein Tiefschlag. Es war nicht nur mein Herz gebrochen, sondern mehr. Es fühlte sich an, als sei insgesamt etwas in mir kaputtgegangen.

Geht es im Song „A Lifetime to Repair“ um die Folgen dieser Trennung?

Richtig beobachtet (lacht). Den Song habe ich mit zwei Jungs zusammen geschrieben, ganz am Ende der Albumaufnahmen. An „A Lifetime to Repair“ merke ich, dass es mir da schon wieder besser ging. So einen selbstironischen Text hätte ich ein halbes Jahr vorher niemals zustande gebracht. Ich hätte das auch nicht singen können, ohne sofort zu weinen. Der Song ist schon clever, er balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Drama und Komik.

Hat Ihnen die Arbeit an „Golden“ eigentlich geholfen?

Ich würde noch weitergehen und behaupten: Die Musik hat mich gerettet. Sie gab mir einen Sinn, einen Fokus. Musik ist die Liebe, die immer da ist und auf die ich mich blind verlassen kann. Stand jetzt, ist sie die Liebe meines Lebens.

Geht es in Ihrer neuen Single „Stop Me from Falling“ nicht übers Frischverlieben?

Tut es, und zwar konkret ums Verlieben in diese eine Person, bei der du es nie im Leben für möglich gehalten hättest, dass sie vielleicht doch mehr ist als nur der gute, platonische Freund. Wir alle haben doch so jemanden, bei dem wir denken „Mist, vielleicht wäre er es ja gewesen“. Vielleicht wäre er es auch nicht gewesen, aber du hast es halt nicht ausprobiert.

Sie haben Ihr neues Album teilweise in Nashville aufgenommen. Warum haben Sie sich von Countrymusik inspirieren lassen?

Weil Country cool ist. Logischerweise habe ich kein echtes Countryalbum gemacht, das wäre nicht glaubwürdig. Ich mache nach wie vor Popmusik mit Dance-Einflüssen.

Spielen Sie im „Dancing“-Video eigentlich wirklich Gitarre oder tun Sie nur so?

Ertappt (lacht)! Ich tue nur so. Als ich jünger war, habe ich das zwar ein bisschen gelernt, aber ich bin nie drangeblieben. Es sieht ganz gut aus, oder? Wir hatten echt Spaß in Nashville.

Ist der Song „Golden“ eigentlich eine Anspielung auf Ihren 50. Geburtstag im Mai?

Oh Gott, nein! Das war fast ein gemeiner, auf jeden Fall zufälliger Streich des Universums, dass „Golden“ irgendetwas mit „50“ zu tun hat. Ich hatte diese eine Zeile, die ich unbedingt unterbringen wollte: We’re not young, we’re not old, we’re golden“. Also: Wir sind nicht alt, wir sind nicht jung, wir sind aus Gold. In meiner Branche wird furchtbar viel über das Alter geredet, ja geplappert, und speziell als Frau stehst du permanent unter Beobachtung. Ich glaube, ich habe früher mehr mit dem Älterwerden gehadert als jetzt. Wir sind, wer wir sind, an jedem Punkt unseres Lebens. Und ja, ich bin kein junger Mensch mehr, aber ich bin überhaupt nicht der Ansicht, dass ich deshalb keine Musik mehr machen sollte. Nein, ich darf weitermachen. Auch wenn mein Körper immer wieder mehr oder weniger subtile Signale sendet, dass er kurz davor ist, 50 zu werden.

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