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„Effi Briest“: Eine Ehe in der Zirkusmanege

Christian Heller sowie Nadine Rosemann und Britta Boehlke (v.l.). 

Christian Heller sowie Nadine Rosemann und Britta Boehlke (v.l.). 

Ronny Jakubaschk setzt „Effi Briest“ in eine surreale Manege – und erntet Applaus am Landestheater.

Von Lisa Kammann

Es ist ein etwas in die Jahre gekommener Stoff aus der Zeit der arrangierten Ehen, dem Regisseur Ronny Jakubaschk am Vorarlberger Landestheater einen modernen Anstrich verlieh: „Effi Briest“ fand sich bei der Premiere am vergangenen Freitag in der Zirkusmanege wieder. In einer reduzierten Figurenkonstellation und mit einer surrealistischen Bühnenkonzeption wird die Geschichte der jungen Frau nachgezeichnet, deren Erwartungen an das Leben der Realität nicht standhalten.

Nadine Rosemann ist als Effi Briest der Schwerpunkt dieser Inszenierung. Zu Beginn, mit 17 Jahren, ist sie noch kindlich, überschwänglich lebenslustig. Auf der Schaukel, beim Spielen im Garten ist sie die „Tochter der Luft“. Sie erwartet viel von der Ehe mit dem älteren Baron Geert von Innstetten. Die Mutter (Saskia von Winterfeld) hat das Bündnis arrangiert: Sie hatte wohl in grauer Vergangenheit ein Verhältnis zu dem Mann, dann aber doch den damals besser situierten Ritterschaftsrat von Briest (Gerhard Brössner) geheiratet. Nun soll Effi Briest vom Baron profitieren. Diese ist zuerst guter Dinge: Zärtlichkeit und Liebe erhofft sie sich genauso wie „Glanz, Ehre und Zerstreuung“ im vornehmen Haus.

Effi Briests Gemütsbewegungen wirken von Zeit zu Zeit etwas stark akzentuiert, doch so ist es eben mit der hochsensiblen jungen Frau: Sie ist zu Beginn glücklich, sehnsuchtsvoll in die Zukunft blickend und gleichzeitig kindlich-ängstlich. Die Emotionen bleiben nachvollziehbar, und so geht der Zuschauer mit Effi Briest mit: Zuerst der Einzug in das „Spukhaus“ in der kleinen norddeutschen Stadt. Einsamkeit, Langeweile und die Furcht vor einem chinesischen Schreckgespenst dominieren ihren Alltag unter den „guten Kessinern“.

Schnitt. Nach der Geburt der Tochter und einer Affäre mit einem Militärkollegen des Mannes, Major Crampas (Tilman Rose), geht es nach Berlin. Nun ist Effi Briest ganz oben in der Gesellschaft angekommen. Eine Perücke, der Frisur der Mutter ähnlich, deutet an, dass die Frau erwachsen geworden ist. Auch der sonst so distanzierte Ehemann scheint etwas aufzuweichen (passend steif und unterkühlt von ­Christian Heller gespielt).

Und dann der Schnitt: Das Hausmädchen Johanna (mit gekonntem bösen Blick von Britta Boehlke) findet bei Effi Briest Liebesbriefe von Major Crampas, die Affäre fliegt auf.

Albträume. Im Dialog des Barons mit dem stotternden Alonzo Gieshübler (Luzian Hirzel mit Glatze) wird das Dilemma ersichtlich: Selbst wenn der Baron Effie Briest verzeihen könnte – die Gesellschaft wird es nie. Der gehörnte Ehemann muss sich trennen, sich duellieren und der Mutter das Kind entziehen. Effi Briest lässt die Schmach über sich ergehen, gibt sich selbst die Schuld: die junge Frau, von der Gesellschaft gebrochen.

Die Zeiten von Duellen um der Ehre Willen und solch umfassenden gesellschaftlichen Zwängen sind eigentlich vorbei. Doch vielleicht braucht es diese Aktualität gar nicht, wenn durch den Kunstgriff von Jakubaschk „Effi Briest“ in einen speziellen Theater-Kosmos gehoben wird. Die Symbolik in Theodor Fontanes Roman nutzt der Regisseur, um die Geschichte in eine Art surreale Manege zu setzen, in der sich Effi Briests Fantasien und Albträume entfalten (in der „Creep Show“ im Spukhaus im kleinen Städtchen) und in welcher zahlreiche Andeutungen und symbolhafte Handlungen ihren Platz finden. Zum Ausdruck kommen soll Effi Briests Gedanken- und Gefühlswelt – ihr Leben als Revue, dessen Programm sie sich nicht aussuchen kann.

Trotz einer Länge von etwa zweieinhalb Stunden scheint sich das Publikum bis zum Ende gut zu unterhalten. Die Eltern Effi Briests sorgen für den einen oder anderen Lacher (für den Vater ist alles, was am ­besten unkommentiert bleibt, ein „weites Feld“), keine Szene dauert zu lange. Die Inszenierung erscheint im Gesamten nicht zu konstruiert, so meint auch Effie Briest: „Die Wirklichkeit kann mich nicht so quälen wie meine Fantasie“ – und wie der Gedanke, Schuld zu sein am eigenen Abstieg.

„Effi Briest“ von Theodor Fontane. Infos und Termine: www.landestheater.org.

<p class="caption">Nadine Rosemann als Effi Briest.  Anja Köhler (3)</p>

Nadine Rosemann als Effi Briest.  Anja Köhler (3)

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Nadine Rosemann als Effi Briest.  Anja Köhler (3)

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