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Zeichnungen von Wacker und Hollenstein

Links: Ausschnitt einer Landschaftszeichnung von Stephanie Hollenstein. Oben: Rudolf Wackers Mutter, vom Sohn gezeichnet. Wolfgang ölz (2)

Links: Ausschnitt einer Landschaftszeichnung von Stephanie Hollenstein. Oben: Rudolf Wackers Mutter, vom Sohn gezeichnet.

 Wolfgang ölz (2)

Herbert Alber zeigt in seiner Galerie Arthouse eine Auswahl an Zeichnungen von Rudolf Wacker und Stephanie Hollenstein – ein Vorgeschmack auf die große Wacker-Schau im Sommer im vorarlberg museum.

Von Wolfgang Ölz

Rudolf Wacker (1893–1939) und Stephanie Hollenstein (1886–1944) verbindet eine ganze Menge. Sie gehören jener Künstlergeneration an, die 1914 voll Begeisterung im allgemeinen Vaterlandstaumel in den Ersten Weltkrieg zog, als ob es sich um ein Wochenendvergnügen handeln würde. Während Rudolf Wacker bereits 1915 in russische Kriegsgefangenschaft geriet und erst 1920 zurückkehren konnte, zog Stephanie Hollenstein als Stephan Hollenstein in den Krieg, wurde als Frau erkannt, ausgemustert und arbeitete dann als malende Kriegsberichterstatterin.

87 Werke Hollensteins aus dieser Zeit wurden vom heeresgeschichtlichen Museum in Wien angekauft. Für beide Künstler ist die Kunstrichtung des (Deutschen) Expressionismus von immenser Bedeutung. Während Wacker über die Bewunderung der Alten Meister dann zur Neuen Sachlichkeit fand, war Hollenstein zeitlebens mehr und oder weniger eine Vertreterin des Expressiven.

Die Zusammenschau der beiden Vorarlberger Künstlerpersönlichkeiten in der Bregenzer Galerie Arthouse macht durchaus Sinn. Beide schätzten sich gegenseitig zu Lebzeiten und stellten 1925 sogar gemeinsam aus, wie der Wacker-Experte Rudolf Sagmeister im Gespräch betont. Was die beiden allerdings trennt, ist ihre Einstellung zum hereinbrechenden Nationalsozialismus. Während Wacker als dezidierter NS-Gegner nach zwei Hausdurchsuchungen durch die Gestapo an einem daraus folgenden gesundheitlichen Zusammenbruch 1939 verstarb, war Hollenstein eine – wenn auch über weite Strecken naive – Befürworterin der Politik Hitlers. Während Wacker aus allen Kunstvereinigungen ausgeschlossen wurde, sich einen Dackel kaufte und im Wald Pilze suchen ging, stieg Hollenstein zu einer hohen Funktionärin des öffentlichen Kunstbetriebes der NS-Zeit auf.

Sagmeister gibt allerdings zu bedenken, dass der Wert der Kunst von Hollenstein keineswegs durch ihre politische Einstellung geschmälert werde. Schließlich sei ja auch ein Prinz Eugen ein massenmordender Kriegsherr gewesen, und trotzdem besuche man heute sein Schloss Belvedere und verehre ihn als „edlen Ritter“.

Entwicklung. Die gegenwärtige Ausstellung bei Herbert Alber bringt fünf hervorragende Zeichnungen von Hollenstein, die Häuser und Ufersituationen im Süden Europas zeigen – Arbeiten, die Kenner wie Laien sofort begeistern. Der Großteil der Verkaufsausstellung ist aber Wacker gewidmet. Die Entwicklung Wackers von Jugendstilanklängen über Expressionismus, Versuchen im Kubismus bis schließlich hin zur Neuen Sachlichkeit ist hier zwar nicht nachvollziehbar. Es sind vor allem Meisterwerke des Expressionismus, die aber schon Anklänge in Richtung Magischer Realismus der Neuen Sachlichkeit haben.

Herausragend ein Bleistift-Selbstbildnis mit Zigarette von 1921, das in Blick und Pinselführung an den von Wacker verehrten Oskar Kokoschka gemahnt. Außerdem zu haben ist eine Vorstudie für das berühmte Öl-Bildnis der Mutter des Künstlers. Zeitlebens war seine Mutter für Wacker so wichtig, dass er ihren Tod als das bedeutsamste Ereignis seines Lebens bezeichnete. Das verhalten expressive, ausdrucksstarke Bild hat bereits Anklänge an jenen neuen Realismus, der die Hauptwerke des Bregenzer Kunstschaffenden auszeichnet: von den berühmten nicht- bildwürdigen Bregenzer Hinterhöfen bis zu den Stillleben mit Puppen, Kasperl, Kaktus oder Christus.

Kriegserfahrung. Einige weitere Frauenporträts, etwa von seiner Frau Ilse Wacker-Moebius werden ergänzt von einem seiner bedeutsamen Akte. Die ganze sexuelle Energie und potenzierte Lust des jungen Wacker spricht aus dem käuflich erwerbbaren Akt, der 1922 in Weimar gemalt wurde, und den der Künstler 1926 in Goslar verschenkt hat. Besonders erwähnenswert sind auch die drei Zeichnungen bei Alber, die sich mit der Volkskultur befassen. Da ist zunächst das Bild eines Russen zu nennen, das in wenigen Strichen ohne Klischee das vermeintliche Feindbild in Szene setzt. Beachtenswert auch die Straße in Rumänien, die er zu einem Bildmotiv erhebt. So wie Gauguin in der Südsee und Picasso in den außereuropäischen Kulturen, fand Wacker das unverfälschte Menschsein bei seinen Aufenthalten in Rumänien, das ihn in seinen Tagebüchern zu Begeisterungsstürmen hinreißen lässt.

Zeitlebens war die Erfahrung des Krieges prägend für die Kunstauffassung Wackers. Jedes Stillleben bezieht sich im Grunde auf das Kriegserlebnis. Im Katalog, der im Sommer zur Schau im vorarlberg museum erscheint, weist Sagmeister nach, dass die ganze Gewalt und Grausamkeit des Krieges sich in den Details der Stillleben der Neuen Sachlichkeit wiederfindet. Aber auch der aufkeimende Nationalsozialismus, die Vergiftung des kulturellen Klimas in Vorarlberg, in Deutschland und in Österreich stellt der Künstler in seinen Bildern relativ leicht zu entschlüsseln dar. Dabei ist der Kasperl als Narr immer ein Pendant für Wacker, der ausgelacht wird. Im Extremfall ist der Künstler so wie die Figur des heiligen Sebastian einer, der für seine Überzeugung leidet, vergleichbar mit Christus selbst, der gemartert und ermordet wird – und trotzdem weiter liebt und nicht zu hassen beginnt, wie Sagmeister ausführt.

Wackers Zeichnungen beweisen die tiefe Verbindung, die der Künstler zu seinem ureigensten Kunstwillen hatte. In den sehr lesenswerten Tagebüchern, die Sagmeister herausgebracht hat, schreibt er am 14. Juni 1913: „Wer etwas werden will, der muss über sich lauschen und hören, was sein Eigenes will.“

<p class="caption">Links: Ausschnitt einer Landschaftszeichnung von Stephanie Hollenstein. Oben: Rudolf Wackers Mutter, vom Sohn gezeichnet.</p><p class="credit"> Wolfgang ölz (2)</p>

Links: Ausschnitt einer Landschaftszeichnung von Stephanie Hollenstein. Oben: Rudolf Wackers Mutter, vom Sohn gezeichnet.

 Wolfgang ölz (2)

Die Ausstellung

Rudolf Wacker – Stephanie
Hollenstein: Zeichnungen – Verkaufsausstellung. Bis 28. April in der Galerie Arthouse in Bregenz. Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 12 Uhr.

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