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Ursprünglich Unbewusstes wird zur Form

Links: „Let’s dance“ (2014). Oben: Julie Hayward vor „Again and Again“ (2017).    Julie Hayward (1) / Lisa Kammann (1)

Links: „Let’s dance“ (2014). Oben: Julie Hayward vor „Again and Again“ (2017).    Julie Hayward (1) / Lisa Kammann (1)

Julie Haywards Skulpturen im Bildraum Bodensee weisen auf prekäre und bedrückende Zustände hin. Eine sehenswerte Schau.

Von Lisa Kammann

Sie wirken schwer, massiv, zäh, in ihrer Bewegung stillgelegt: die Skulpturen von Julie Hayward, die aktuell in Bregenz zu sehen sind. Mit vier Objekt-Arbeiten, einer Auswahl von Zeichnungen und zwei Fotografien aus dem Zeitraum 2014 bis 2018 wird im Bildraum Bodensee ein Einblick in das Schaffen der 1968 in Salzburg geborenen Künstlerin geboten. Wie der Titel der Schau „When things fall apart“ bereits andeutet, möchte Hayward mit diesen Arbeiten „einen skeptischen, wenn auch nicht vollkommen hoffnungslosen Blick auf prekäre Gegenwartsverhältnisse“ öffnen, wie Thomas Mießgang schreibt. Der Wiener Kulturpublizist und Autor hat sich bereits mehrmals mit dem Schaffen Haywards auseinandergesetzt.

Der Entstehungsprozess der Skulpturen beginnt im Unterbewussten, wie die Künstlerin bei der Ausstellungseröffnung erklärt. Der erste Arbeitsschritt ist die Zeichnung, wobei sich Hayward in einer Art Automatismus von der Hand führen lässt. Die Zeichnungen, welche die Künstlerin am meisten berühren, werden dann für eine Skulptur ausgewählt. Bis dahin wären die unbewussten Strömungen noch zu keinem bestimmten Thema ausformuliert. Es sei ein langer, intensiver Arbeitsprozess, bis ein Objekt mit einer konkreten Form entstanden ist, sagt Hayward, die in Wien lebt.

Bewegung. Ein wichtiger Schritt sei auch die Titelgebung der Werke. Die Skulptur hat für die Künstlerin eine konkrete Bedeutung, der englische Titel führe auch die Betrachter in eine gewisse Richtung. Die Materialität, die Oberfläche der Objekte lasse dann das Gegenüber diesen Hintergrund erfahren. Eine bestimmte Art der Anstrengung wird beim Betrachten der Skulptur „Again and Again“ erfahrbar: Wie zwei bleierne Füße breiten sich die Ausläufer auf dem Boden aus. Einen Schritt zu machen, der Schwerkraft zu trotzen, scheint diesem schwer wirkenden Objekt unmöglich zu sein. Mießgang bringt hier auch den Sisyphus-Mythos ins Spiel: Bei jedem neuerlichen Versuch einer Bewegung werde die Anstrengung immer größer.

Im Zusammenhang zu diesem Objekt stehen die skulpturalen Arbeiten „Miss Needy“ und „When things fall apart“: „Miss Needy“ weist im Titel auf eine bedürftige Existenz hin. Auf einer schwarzen Platte, die auf sechs Füßen steht, sind Gefäße auf einem Gerüst angeschraubt. Dabei wird die Frage der Funktionalität in den Raum gestellt: Hat „Miss Needy“ einen Zweck? Mit was sollen die Gefäße befüllt werden? Wie bei „When things fall apart“ – zwei kleinere Objekte – scheinen die Skulpturen in einem Bewegungsablauf festgefroren zu sein, merkt die Künstlerin an. Diese Arbeit besteht aus einem chaotisch zusammengesetzten Haufen schwarzer, puzzle-artiger Teile sowie einer Form, die an ein Gerät auf einem Kinderspielplatz erinnert.

Tanz. In einem Raum sind die Arbeit „Let’s dance“ und neun Zeichnungen zu sehen. Auch hier sind die schwer wirkenden Formen in ihrer Bewegung verhindert. Etwas scheint die Objekte nach oben zu ziehen, meint Hayward. Die schwarzen Elemente scheinen tanzen zu wollen, aber sie können nicht: Sie sind an Aluminium-Ringe verklammert, die sie festhalten. Wie festgeklebt verharren die Formen in ihrer Zwangslage: ein statischer Ringelreihen-Tanz. Die neun Zeichnungen verweisen auf den Entstehungsprozess der Skulpturen. Seit 2000 fertigt sie diese Studien im A4-Format an, merkt Hayward an. Die zwei Fotografien ohne Titel zeigen eine aufgelassene Wasserrettungsstation auf Mallorca, die die Künstlerin zufällig entdeckt hat. Sie ergänzen die Schau auch inhaltlich. Sie weisen auf die Formen hin, wie wir sie in der Welt wiederfinden: Laut Mießgang eine Inspirationsquelle für Hayward und zugleich „dialektisches Gegenüber“.

Bis 17. Mai im Bildraum Bodensee in Bregenz. bildraum.bildrecht.at

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Links: „Let’s dance“ (2014). Oben: Julie Hayward vor „Again and Again“ (2017).    Julie Hayward (1) / Lisa Kammann (1)

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