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Voll im Beat der Zeit

Eine recht späte, aber höchst bedeutsame Entdeckung: Richard Fariña zeigt die Beat Generation in einem völlig neuen Licht.

Von Werner Krause

Am Anfang war einige Skepsis. Wenn ein Schlüsselwerk der US-Gegenwartsliteratur mehr als 50 Jahre auf seine Übersetzung warten muss, erscheint das einigermaßen verwunderlich. Stammt das Vorwort zu dem Roman, verfasst von einem hierzulande weitgehend unbekannten Autor, noch dazu von Thomas Pynchon, steigert das fast reflexartig das Misstrauen. Motto: Bitte nicht schon wieder Pynchon! Denn all die Mythenbildungen rund um das größte Phantom der Literaturszene haben ihr Limit längst erreicht. Es sei denn, das U-Boot taucht tatsächlich noch auf.

Aber Thomas hin, Pynchon her: Diesmal hat alles seine Richtigkeit. Mit „Been Down So Long It Looks Like Up To Me“ veröffentlichte Richard Fariña 1966 einen virtuosen und zynischen Zeitbefund, der noch den Werken der legendären Beat Generation zugeordnet werden kann, zugleich aber auch ein Abgesang ist.

Das mag auch mit der Entstehungsgeschichte des Romans zusammenhängen. Angesiedelt ist die Story im Jahr 1959, im Mittelpunkt steht Fariñas Alter Ego Gnossos Pappadopoulis. Ein Lebenskünstler auf dem langen Marsch zur Selbstfindung, reich an Umwegen, die ihn auch ins kriminelle Milieu führen. Gnossos ist Teilzeitstudent, Frauenheld mit Macho-Allüren, Drogenkonsument und Kämpfer gegen das Spießbürgertum in Personalunion. Vor allem aber liefert er ein Furioso an Pointen und schlagfertigen Dialogen. Vieles davon aber ist nur Maskerade, auch Selbstschutz eines ruhelosen Geistes, der auch im Schamanismus landet.

Mehrmals schrieb Fariña etliche Passagen um, stets unzufrieden, stets umringt von den damals dominierten Beat-Poeten, von Burroughs über Kerouac und Ginsberg bis zu Ken Kesey, denen er keineswegs nacheifern wollte. Zudem schwankte er oft zwischen seiner Passion als Dichter und jener als Musiker. Er war mit Mimi Baez, der Schwester von Joan Baez, verheiratet, er trat gemeinsam mit Bob Dylan auf, zwei Alben veröffentlichte er, die auch heute noch erhältlich sind.

Seinen Ruf als genialer Autor konnte Fariña nur kurz genießen. 1966 starb er, zwei Tage nach Erscheinen seines epochalen Werks, bei einem Motorradunfall. Was bleibt, ist ein Roman über die Jahre des Aufbegehrens, verfasst von einem Dichter, der nicht nur den Beat, sondern auch den dunklen Blues im Blut hatte.

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