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Harte Soundcollagen ohne Schlamm

Links: Tom Smith von der Band Editors, oben Trent Reznor (Nine Inch Nails).  Angelina Wegmann (1)/Manuel Lopez (1)/Marius Joe Pohl (1)

Links: Tom Smith von der Band Editors, oben Trent Reznor (Nine Inch Nails).  Angelina Wegmann (1)/Manuel Lopez (1)/Marius Joe Pohl (1)

Am Freitag waren die Bands Editors und Nine Inch Nails Headliner beim Open Air St. Gallen.

Von Daniel Ongaretto-Furxer

Lange hat das Open Air St. Gallen nicht mehr so gutes Wetter gesehen. Bei null Regen in Sicht wurde vergangenen Freitag beim Festival ausgelassen gefeiert und in der Sonne gebrutzelt, bis um halb vier die erste Band auf die Hauptbühne trat. Das Elektropop-Duo Sofi Tukker konnte schon einige Menschen vor der Bühne begeistern, die wohl dort weitergetanzt haben, wo sie am Vor­abend aufgehört hatten.

Bei einem Rundgang durchs Festivalgelände kam der Besucher unweigerlich beim kleinen Festivaldorf „La Plaza“ vorbei. Neben einer kleinen Bühne gab es allerlei schick eingerichtete Containerläden, wo die modischsten Teile der Saison feilgeboten wurden. Auch Beachsäcke konnten bemalt werden und wer seinen Körper verschönern wollte, konnte die abwaschbaren Tattoos ausprobieren. Diese chillige Ecke bot Country und Alternative-Musik und war eine kleine Oase abseits der zwei großen Bühnen.

Crimer bespielte als erster die Sternenbühne, die heuer deutlich vergrößerte Zeltbühne des Open Airs. Der Schweizer zeigte sein ganzes Potenzial seines 1980er-Jahre Retro-Sounds, nur die Diskokugel fehlte zum perfekten Glück. Glamour-Rock war angesagt, nur dass es halt nirgends glitzerte, außer in den Ohren. Was danach kam, enttäuschte leider auf der Sternenbühne: zu glatt, zu weich und zu poppig. Es kam zum Gipfeltreffen von Bonez MC & RAF Camora, einem österreichischen und einem deutschen Rapper. Spaß und gute Laune standen im Vordergrund, die die beiden über beide Ohren verbreiten konnten. Geschliffener Wohlfühlrock von Nothing But The Thieves überzeugte anschließend viele Rockerherzen.

Soundcollage. Aber, um ehrlich zu sein, es ging an diesem Tag nur um zwei Bands: Editors und Nine Inch Nails, die schon aufgrund ihrer Namen das andere Programm überstrahlten.

Den Anfang machte am Abend die Band Editors aus England. Kühler aber verspielter Brit-Rock klang da zu Beginn durch. Sänger Tom Smith tat sich mit seiner Baritonstimme als Geschichtenerzähler hervor, die Gitarren waren bei diesen Songs oft nur Beiwerk. Dann legten die Editors aber einen Gang zu und entfalteten ihr ganzes Indie-Rock-Potenzial. Jetzt wurde klar, wieso diese Band einst im Vorprogramm von R.E.M. spielen durfte. Das neue Studioalbum heißt zwar Violence, der Titel hat aber keinen direkten Einfluss auf die Aggressivität des Sounds. Auch in ihren härtesten Phasen wirkten sie immer sehr geordnet und kontrolliert.

Nine Inch Nails war als Headline ab 23.30 Uhr der erwartete schwergewichtige Kracher. Mit harten Industrialbeats und Heavy-Metal-Gitarren wurde ohne Kompromisse losgebrettert. Multiinstrumentalist und Sänger Trent Reznor bearbeitete mit seiner Stimme das Mikrofon ganz ordentlich, ohne jedoch auf Ambient-Teile zu verzichten, die extrem weich und melodisch daherkamen. Dieses Wechselspiel aus Ambiente Rock und bickelhartem Industrial verstand Nine Inch Nails aufs Beste.

Trent Reznor spielte zudem zur Verwirrung des Publikums verstörende Soundfragmente seines neuen Minialbums „Bad Witch“. Der Projektleiter wühlte sich durch atonale Töne, dann kehrte die Band wieder zur Soundstruktur zurück. Zur Untermalung gab es Stroboskop-Effekte ohne Ende, also nichts für zarte Augen. Vielleicht hatten sie nicht ihren allerbesten Tag erwischt oder es war pure Absicht, dass das ganze Konzert keinen richtigen roten Faden hatte. Ihr Superhit „Closer“ wurde bejubelt, ansonsten war es eher Soundcollage als Songs abspielen. Ob der Zuhörer danach näher bei Gott war oder nicht, ist schwer zu sagen.

<p class="caption">Links: Tom Smith von der Band Editors, oben Trent Reznor (Nine Inch Nails).  Angelina Wegmann (1)/Manuel Lopez (1)/Marius Joe Pohl (1)</p>

Links: Tom Smith von der Band Editors, oben Trent Reznor (Nine Inch Nails).  Angelina Wegmann (1)/Manuel Lopez (1)/Marius Joe Pohl (1)

<p class="caption">Links: Tom Smith von der Band Editors, oben Trent Reznor (Nine Inch Nails).  Angelina Wegmann (1)/Manuel Lopez (1)/Marius Joe Pohl (1)</p>

Links: Tom Smith von der Band Editors, oben Trent Reznor (Nine Inch Nails).  Angelina Wegmann (1)/Manuel Lopez (1)/Marius Joe Pohl (1)

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