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Bachmannpreis Tag zwei mit Bov Bjerg und Lucy

Wettlesen in Klagenfurt.APA

Wettlesen in Klagenfurt.

APA

Morgen wird der Bachmannpreis verliehen. Am zweiten Tag war unter anderem eine Vater-Sohn-Geschichte zu hören.

Der deutsche Autor Bov Bjerg eröffnete mit seinem Text „Serpentinen“ den Nachmittag des zweiten Lesetages bei den 42. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt und darf sich für die Bachmannpreisverleihung am Sonntag durchaus Chancen ausrechnen. Nicht ganz so viele Fans fand zum Abschluss Anselm Neft, der ausgerechnet an seinem 45. Geburtstag las.

Raffiniert. „Um was geht es?“, lautet der leitmotivische Stehsatz von Bjergs Vater-Sohn-Geschichte, die gleichzeitig eine Road-Story ist, aber auch in die von Selbstmorden geprägte Familiengeschichte und in den Untergrund führt – von Fossilien ist ebenso die Rede wie von Tunnels und Höhlen. „‚Um was geht es?‘, fragte der Junge. Ich antwortete: ‚Es geht um die Serpentinen. Möglichst spät bremsen, runterschalten, in der Kurve Gas geben.‘“ Es ginge vor allem um die suizidäre Genealogie, die der Vater dem Sohn verheimliche, fand die Jury.

„Ein spektakulär unspektakulärer Text“, fand Insa Wilke, die den Text gerade deshalb spektakulär fand. „Das ist für mich ein radikal erzählter Text“, lobte Hildegard E. Keller. „Er hat eine Oberflächenkommunikation zwischen Vater und Sohn. Auf der anderen Seite hat er eine innere Kommentarfunktion. Da gibt es eine raffinierte Spannung. Sehr raffiniert!“ – „Die Wurzeln gehen tief, sie gehen in die Erdgeschichte, aber auch in die deutsche Nachkriegszeit“, fand Klaus Kastberger. „Es ist ein wahnsinnig konziser Faden, an dem sich dieser Text abarbeitet.“ Stefan Gmünder bekannte, der Text sei ihm „sehr nahe gegangen. Ein schöner Text!“ Auch Nora Gomringer fand das „einen ausgezeichneten Text“. Hubert Winkels gab zu: „Die ganze Geschichte ist gut und schnell erzählt. Das alles ist gut gemacht, aber mir ist es motivlich zu dicht.“

Schnaps. „Mach’s wie Miltos!“, riet der letzte Autor des gestrigen Tages, der Deutsche Anselm Neft, in seinem Text. Erzähler ist ein stark dem Alkohol zusprechender Obdachloser, der mit seinem Hund Lucy („Lucy ist nicht in erster Linie Hund. Sie ist in erster Linie Lucy.“) umherstreift und mit seiner Familie gebrochen hat. Aber: „Für einen Wandersmann ist zu wenig Platz. Es gibt schon genug Probleme. Und andere Gesetze gibt es auch. Die neue Regierung ist jetzt mehr fürs Volk und weniger für ihn.“ Lucy wird überfahren und der Outcast greift zum Schnaps: „Eine Gin-Gin-Situation.“

Hubert Winkels sah ein Stationendrama mit imaginären Schauplätzen und zeigte sich „verstimmt über die Massivität der Mittel, mit der mir das Mitleid abgepresst werden soll“. „Ich finde den Text sehr überfrachtet“, meinte Insa Wilke, während Klaus Kastberger fand, dass der Text ein lockereres Ambiente gut vertragen hätte: „Auf einer anderen Bühne würde der Text besser wirken.“ Heftig und durchaus divers wurde die Frage diskutiert, ob der titelgebende Miltos eine eingebildete oder eine reale Figur sei. Nora Gomringer, die Neft eingeladen hatte, fand gleich „zwei Hinweise darauf, dass Miltos kein Hirngespinst ist“. Und Hildegard F. Keller hatte mindestens zwei Fragen an Text und Autor: „Ist das jetzt ein Schizophrener? Hat er seine Familie umgebracht?“

Der Schauspieler, Regisseur und Autor Stephan Lohse erhielt am ersten Tag mit seinem Text „Lumumbaland“ viel Lob von der Jury. Heute komplettieren schließlich der Deutsche Jakob Nolte, sein Landsmann Stephan Groetzner und die in Solingen geborene und von den Veranstaltern als Türkin geführte Autorin Özlem Özgül Dündar das Feld der 14 Lesenden, das von Lennardt Loß abgeschlossen wird. Der Bachmannpreis wird am Sonntag verliehen.

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