Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Wien

Dichter Florjan Lipuš: In der Stille geformt zum Weltliteraten

Florjan Lipuš. APA

Florjan Lipuš. APA

Späte Würdigung eines ­Autors: Der Kärntner ­Slowene Florjan Lipuš erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2018.

Ach, wie habt ihr Worte es mir angetan! Es ist dieses rare, an Emotionen aller Art so reiche Gefühl, das sich bei der Lektüre der Werke von Florjan Lipuš stets auf Anhieb einstellt. Als sei dies die selbstverständlichste Sache der Welt. Der Schein trügt, die Sprache dieses Autors von Weltgeltung tut es nie. Der Dichter, geboren 1937 in der Nähe von Bad Eisenkappel in Kärnten, wuchs auf in einer Zeit der Sprachlosigkeit, der Weltverlorenheit. Gewalt und Grausamkeit des NS-Regimes gaben den Ton an.
Als Bub musste er miterleben, wie Gestapo-Leute seine Mutter verhafteten. Bald danach wurde sie im KZ Ravensbrück ermordet. Sein Vater musste in der Wehrmacht dienen.

Florjan Lipuš musste keine Reise ins Herz der Finsternis antreten, er lebte darin. Und es dauerte geraume Zeit, ehe er all die Fassungslosigkeit zu Papier bringen konnte, in einem unverwechselbaren Erzählstil, oft am Rande des Schweigens.
Aber die dörfliche Hermetik seiner Jugendjahre und seine Herkunft als Kärntner Slowene lieferten ihm reichlich Material, um lebendig zu machen, was wir allzu gerne verdrängen, um zu artikulieren, was viele in dieser Eindringlichkeit nicht hören oder gar lesen wollen. „Zwar flossen die Worte spärlich, aber sie flossen“, schreibt Lipuš in „Boštjans Flug“, diesem grandiosen Roman, der vom Überlebenskampf ebenso handelt wie von der großen Liebe.

Stille. Bis heute schreibt Lipuš in slowenischer Sprache, erst durch Peter Handkes Übersetzung seines frühen Hauptwerkes „Der Zögling Tjaž“ fand er 1981 gebührende Aufmerksamkeit. Immer wieder ist es eine Gesellschaft im gespenstischen Wetterleuchten, die sich in den Romanen von Lipuš offenbart, die ruhige Stimme des Erzählers bricht selbst über solchen Schrecken nicht.
Ein stiller und zurückgezogen lebender Dichter ist Florjan Lipuš geblieben, aber er formte aus der Erinnerung an das große Schweigen und Verschweigen Weltliteratur, die endlich gewürdigt wird. Durch den mit 30.000 Euro dotierten Österreichischen Staatspreis. Peter Handke sprach von einem „herrlichen Moment“. Und weiter: „Ich bin dankbar, dass man endlich eingesehen hat, dass in Österreich auch eine andere Sprache als Deutsch als Literatursprache eine Heimat hat.“
„Großen Dichtern wird man nur durch Stille gerecht“, schrieb Ingeborg Bachmann. Kleiner Nachsatz: Diesfalls auch durch stille, große Freude.

Werner Krause

<p class="caption">Buchtipp: Florjan Lipuš, Boštjans Flug. Suhrkamp, 2012. 167 Seiten, 22,70 Euro. </p>

Buchtipp: Florjan Lipuš, Boštjans Flug. Suhrkamp, 2012. 167 Seiten, 22,70 Euro. 

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.