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Nagano bei den Salzburger Festspielen

Nagano, wie er 2011 das Bayerische Staats­orches­ter dirigiert.Reuters (1)/Felix Broede (1)

Nagano, wie er 2011 das Bayerische Staats­orches­ter dirigiert.

Reuters (1)/
Felix Broede (1)

Interview. Kent Nagano wird seine Salzburger Festspielgeschichte mit dem Eröffnungskonzert sowie mit der Neuproduktion der „Bassariden“ fortschreiben.

Sie haben schon im Vorjahr das Eröffnungskonzert der Festspiele dirigiert – mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Heuer bringen Sie Ihr Orchestre symphonique de Montreal dafür nach Salzburg mit. Sind Sie jetzt fix auf das Eröffnungskonzert gebucht?

Kent Nagano: (lacht) Nein. Aber es ist ein großes Privileg, dafür zufällig zwei Jahre hintereinander gefragt zu werden. Das Eröffnungswerk ist Krzysztof Pendereckis „Lukaspassion“ – und Penderecki hat eine lange Beziehung mit diesem Orches­ter. Wir haben uns eine große Flüssigkeit in der Sprache dieses Komponisten erworben.

Für das Orchester wird es das Salzburger Debüt, Sie selbst blicken auf eine lange Festspielgeschichte zurück. Was ist die Kontinuität dieses Festivals durch all die Jahre und verschiedenen Intendanten?

Nagano: Die Salzburger Festspiele sind ein Original, sie sind eines der wichtigsten Musik­festivals, die wir haben. Teil ihrer Originalität ist, dass sie immer eng mit wichtigen Komponisten verbunden waren – und das ist auch heute so. Wir sehen jetzt, wie reich diese Tradition geworden ist: Beide Komponisten, deren Werke ich heuer dirigiere, waren eng mit dem Festival verbunden, beide Werke stammen aus den 1960ern – es ist sehr interessant, sie nun als Teil des Repertoires zurückzubringen. Da spürt man, welche profunde kulturelle Tiefe dieses Festival hat.

Montreal ist ein Ort, an dem sich die Alte und die Neue Welt auf sehr spezifische Weise treffen – drückt sich das auch in der Klangkultur des Orchesters aus?

Nagano: Ja, das habe ich dort von Anfang an wahrgenommen. Die Menschen in Quebec empfinden keine Grenze zwischen Europa und Nordamerika. In den USA hört man oft, dass der Atlantik immer größer wird, in Quebec fühlen wir uns Europa sehr nahe. Es sind die europäischen Sprachen, der Lebensstil, der Rhythmus auch im Sozialleben, der Humor, die gesellschaftlichen Strukturen: Im Orchester sorgt das für eine Kombination der großen Expressivität und Sensibilität Europas und der technischen Kapazität, die man oft mit nordamerikanischen Orchestern assoziiert.

Ihr Konzert markiert den Start der „Ouverture Spirituelle“. Welche Rolle nimmt das Spirituelle als Quelle der Musik für Sie persönlich ein?

Nagano: Ich komme aus einem sehr kleinen Dorf. Da spielte die Kirche eine wichtige Rolle in der sozialen Struktur. Mein Klavierlehrer war auch Orchesterleiter, Chef des Kirchenchores und Bandleader. Ich habe ihn also an sieben Tagen in der Woche gesehen – am Sonntag eben in der Kirche. Für mich hat das kaum einen Unterschied gemacht, Bach lebte überall, das war alles sehr fluide. Während der Predigten hatte ich immer Schwierigkeiten, wach zu bleiben. Und dann kam ich wieder scharf zu Bewusstsein und rückte auch inhaltlich viel näher, sobald die Musik anfing.

Mit den „Bassariden“ bespielen Sie heuer die Felsenreitschule. Ein guter Ort?

Nagano: Persönlich liebe ich die Felsenreitschule. Sie hat eine sehr spezielle Atmosphäre, und die kommt zu einem großen Teil von der Idee eines Festivals als Zäsur, wo das Repertoire außerhalb unseres täglichen Lebens platziert wird. Ein Felsen ist Natur, damit ist man konfrontiert, in einer sehr dramatischen Art und Weise. Ich denke, dass die Geschichte der Bassariden – und auch der Score – in ein ganz spezielles Licht getaucht werden in diesem Kontext.

Maria Scholl/apa

Zur Person

Kent Nagano, US-Amerikaner japanischer Herkunft, zählt zu den meistbeschäftigten Dirigenten unserer Zeit. Er war als Musikdirektor bereits an den Opernhäusern in Lyon, Los Angeles, München und aktuell Hamburg beschäftigt. Seit September 2006 ist er Music Director des Orchestre symphonique de Montreal und seit 2013 Artistic Advisor und Principal Guest Conductor der Göteborger Symfoniker. Mit der Spielzeit 2015/16 begann er seine Amtszeit als Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper sowie als Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Seit 2006 ist er Ehrendirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin.

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