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Walter Kölbl: Ode an die klare Form

Walter Kölbl im Dachgeschoss des Künstlerhauses. Kleines Bild oben: das Dachgewölbe der TU Wien. Roland Paulitsch (3)/Lisa Kammann(1)

Walter Kölbl im Dachgeschoss des Künstlerhauses. Kleines Bild oben: das Dachgewölbe der TU Wien. Roland Paulitsch (3)/Lisa Kammann(1)

Die Sommerschau im Palais Thurn & Taxis widmet sich dem Schaffen des Bildhauers Walter Kölbl.

Von Lisa Kammann

Seit 2012 stehen in den Sommerausstellungen im Palais Thurn & Taxis Vorarlberger Künstler im Mittelpunkt. Heuer bespielt der Bildhauer Walter Kölbl das Bregenzer Künstlerhaus. Kurator Walter Fink hat eine Retrospektive gestaltet, welche die verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers vereint. Eine solch umfassende Schau zu Kölbls Werk habe es in dieser Größenordnung noch nicht gegeben, wie Fink bei der Präsentation bemerkte. Nun sei es höchst an der Zeit, dem Werk des Künstlers Präsenz zu verleihen. Ein Katalog mit Fotografien von Gabriel Rüf vervollständigt dieses Projekt.

Kölbl, der dieses Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, hat neben seinen Werken als freischaffender Künstler auch mehrere öffentliche Aufträge übernommen. Auch diesen Arbeiten wird in der Schau Raum gegeben: Zu finden sind Modelle, die der Künstler eingereicht hatte. Daneben wurden Fotografien der realisierten Arbeiten platziert. Ein Projekt nahm jedoch nie Gestalt an: Zu sehen ist ein Modell in Besitz des Kunsthauses Bregenz, mit welchem Kölbl eine neue Gestaltung des Leutbühel entwarf. Nach der Jahrhundertflut 1999 hätten die Bregenzer Stadtvertreter dann doch eine andere Verkehrslösung gesucht, wie der Künstler und Stadtrat Michael Rauth erklärten.

Sehr wohl realisiert wurde die Gestaltung eines Dachgewölbes im Hauptgebäude der Technischen Universität Wien – hier war der Bildhauer ab 1980 auch als Lehrender tätig. Gesucht wurde eine Lösung für ein Gewölbe mit eindrücklichen Holzrippen, die der Tradition des französischen Renaissance-Architekten Philibert Delorme zuzuordnen sind, wie Kölbl erläuterte. Für die Lüftungsrohre, die sich in den offenen Rippen befinden, hat der Bildhauer eine raffinierte Holzabdeckung entworfen, die wie Jalousien funktionieren. Im Dachgeschoss des Palais sind zudem mehrere Modelle für Kirchenaltäre zu finden.

Präzision. Die Nähe des in Hard geborenen Künstlers zur Architektur ist offensichtlich. Architekt zu sein, sei ein Kindheitswunsch gewesen: Er habe sich mit acht Jahren eine Visitenkarte gebastelt, auf der „Walter Kölbl. Architekt“ zu lesen war, wie sich der Bildhauer erinnerte. Bei einer Lehre im Handwerksbetrieb des Onkels sei ihm jedoch bewusst geworden, dass ein Architekt seine Ideen nie selbst ­umsetzen könne. Kölbl wollte seine eigenen Ideen ausführen, und so kam er an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien.

Klare Formen und Farben, „gepaart mit einer ihm eigenen Exaktheit und äußersten Präzision“ zeichnen Kölbls Werke aus, wie Kulturjournalistin Rosa Maria Plattner schreibt. Der konstruktiv-konkrete Ansatz des Künstlers wird in dieser Schau offenbar. Es zeigt sich auch eine Vielfalt an Materialien. Zu sehen sind einige frühe Arbeiten aus Holz, wie „Permutation“ (1972): Geleimte Quader aus Birnenholz bilden ein dreidimensionales Raster: eines von vielen Beispielen, die das Spiel mit Mathematik und geometrischen Formen verdeutlichen. Diese Vorliebe für die mathematische Konstruktion realisiere sich bei Kölbl jedoch nicht ohne emotional-sinnliche Komponente, wie der Kurator betonte.

Zahlenspiel. Ebenfalls zu sehen ist unter anderem die „Bugatti Veyron“-Serie, die mit den Farb­reflexen von Autolack besticht. Am Vorplatz des Künstlerhauses fällt eine Stele aus Holz auf – ein Projekt, das Kölbl extra für die Schau neu aufgenommen hat. Wie Bauklötze türmen sich Holzquader aufeinander. Auf Nachfrage erklärte der Bildhauer das zugrundeliegende mathematische System: Das obere Element ist im Verhältnis zum unteren verschoben, der Sockel hat die Dimension einer Schachtel, in der die Holzklötze Platz hätten: eine konkrete Zahlenspielerei.

<p class="caption">Walter Kölbl im Dachgeschoss des Künstlerhauses. Kleines Bild oben: das Dachgewölbe der TU Wien. Roland Paulitsch (3)/Lisa Kammann(1)</p>

Walter Kölbl im Dachgeschoss des Künstlerhauses. Kleines Bild oben: das Dachgewölbe der TU Wien. Roland Paulitsch (3)/Lisa Kammann(1)

<p class="caption">Walter Kölbl im Dachgeschoss des Künstlerhauses. Kleines Bild oben: das Dachgewölbe der TU Wien. Roland Paulitsch (3)/Lisa Kammann(1)</p>

Walter Kölbl im Dachgeschoss des Künstlerhauses. Kleines Bild oben: das Dachgewölbe der TU Wien. Roland Paulitsch (3)/Lisa Kammann(1)

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Walter Kölbl im Dachgeschoss des Künstlerhauses. Kleines Bild oben: das Dachgewölbe der TU Wien. Roland Paulitsch (3)/Lisa Kammann(1)

Kölbl und die Schau

Walter Kölbl wurde 1948 in Hard geboren. Von 1969 bis 1976 studierte er an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien Bildhauerei bei Hans Knesl und Wander Bertoni, bis 1980 Metallgestaltung bei Carl Auböck. Seit 1987 arbeitet Kölbl als freischaffender Bildhauer, sein Atelier ist eines der Wiener Praterateliers. Die Ausstellung wird heute um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 26. August zu sehen. Führungen gibt es jeweils sonntags um 16.30 Uhr.

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