Kultur

Der richtige Raum für Kunst

05.06.2020 • 17:49 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Lorenz Helfer freut sich auch über viel Licht in seinem Atelier. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Lorenz Helfer freut sich auch über viel Licht in seinem Atelier. Klaus Hartinger

Seit Jänner arbeitet Lorenz Helfer im neuen Kosmos-Atelier.

Lorenz Helfer ist sehr glücklich mit seinem neuen Studio. Der junge Vorarlberger Künstler ist Mitte Jänner in das sogenannte Kosmos-Atelier gezogen: In Mariahilf, hinter dem Theater Kosmos und dem Gastlokal gelegen, stellt die Firma Rhomberg auf Initiative des Bregenzer Theaters einen Raum für bildende Künstler zur Verfügung. Hell und einladend ist der schlauchförmige Arbeitsplatz im oberen Geschoss, wo sich Helfer eingerichtet hat. Hier hat er viel Platz zum Arbeiten, sagt er erfreut bei einem Besuch – und das Unternehmen würde ihm bei der Miete entgegenkommen. Der Vertrag läuft über drei Jahre, Helfer hat also genug Zeit, die produktive Phase auszunutzen, in der er sich gerade befindet.

Holzmöbel stellt der Künstler auch her - bis jetzt als "Hobby". <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Holzmöbel stellt der Künstler auch her - bis jetzt als "Hobby". Klaus Hartinger

Der gebürtige Hohenemser hat nämlich gerade „einen Lauf“, wie er sagt. Seit zwei Monaten male er „richtig“, davor konnte er sich ein Lager einrichten, in dem alle seine unverkauften Werke versammelt sind. Der Kreative malt hauptsächlich, stellt aber nebenbei auch Holzmöbel her: Auch dafür sei hier genug Platz, zeigt sich Helfer begeistert. Sitzgelegenheiten gibt es etwa auf einem selbstgemachten Sofa mit Tisch. Es ist sein erstes Atelier in dieser Größe, das er alleine nutzen kann.

Übermalen

Die Corona-Krise habe Helfer bislang gut überstanden, wie er meint. Zwar sei es schon schade, dass durch die Absage der Bregenzer Festspiele, wo der Künstler in der Bühnenbild-Abteilung mitarbeitet, ein Job wegfällt. Doch durch den „guten“ vergangenen Herbst und auch durch die Atelierförderung des Landes komme er über die Runden. In den vergangenen Wochen konnte er sich zudem ganz auf seine Arbeit konzentrieren. Helfer arbeitet gerne zurückgezogen, wie er sagt.

Die Werke werden nun im Kosmos Atelier gelagert.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Die Werke werden nun im Kosmos Atelier gelagert. Klaus Hartinger

Der in Bregenz lebende Künstler verfolgt derzeit verschiedene Ansätze in seiner Arbeit. Einer davon ist eine Serie, die er „Remastered“ nennt. Dabei holt Helfer 10 bis 15 Jahre alte unvollendete Bilder hervor, die er dann weiterführt. Da ist zum Beispiel ein großformatiges Werk mit Kühen – fast wirkt es so, als würden sie einen Abhang hinunterstürzen. Das Übermalen der eigenen Gemälde ist überhaupt eine zentrale Methode des Künstlers. Die Motive seiner Bilder entstehen während des Malprozesses, und diese Entwicklung bleibe auch für ihn selbst rätselhaft, sagt Helfer. Ein paar leere Leinwände hat er im Atelier auch zur Hand, falls er ein ganz neues Werk beginnen möchte.

Ein Bild von Lorenz Helfer. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Ein Bild von Lorenz Helfer. Klaus Hartinger

Der Künstler verleihe seinen Bildern eigentlich nur Titel, um sie besser zuordenbar zu machen. Diese bleiben aber sehr allgemein, denn Helfer möchte dem Betrachter einen großen Interpretationsspielraum lassen, ihm nichts vorgeben. Einen Teil der Bilder, die er beim Atelierbesuch präsentiert, lassen aber eine thematische Richtung erkennen: Ein Mann sitzt an einem Tisch, geblendet von einem Scheinwerfer. Andere Werke zeigen ein Konzertpublikum – der Betrachter denkt dabei an ein großes Festival, auf einem Bild werden zahlreiche Arme in die Höhe gestreckt. Dieses Bild könne zum Beispiel einmal „Arme“ heißen, erklärt Helfer. Das Spannende dabei ist, wie er anmerkt: Die Zuschauer-Masse lässt sich am besten aus der Entfernung erkennen. Je näher der Betrachter dem Bild kommt, desto abstrakter wirkt es. Von diesem Effekt, der sich etwa auch in Diego Velázquez’ Spätwerk zeige, ist der Vorarlberger Künstler fasziniert.

Arme und Beine

Ebenso fasziniert ist Helfer von Armen und Beinen. Hatte er früher vermehrt Landschaften gemalt, wandte er sich mit der Zeit mehr Tieren und Menschen, beziehungsweise Mischwesen zu – ein solches hat er auch in der Corona-Zeit erschaffen. Diese Wesen haben „Fehler“: Bei einer mysteriösen Figur gibt es zum Beispiel ein Bein zu viel, bei einem Jungen, der einen Vorhang hält, ist der Arm zu lang. Doch eigentlich seien diese vermeintlichen Makel positiv zu sehen, erklärt Helfer. Die Überlänge des Arms betone etwa die Bewegung des Jungen. Dynamik, Bewegung und Tiefe im Bild ist enorm wichtig für den Künstler. Außerdem würden dem Betrachter diese unrealistischen Elemente gar nicht störend auffallen, ist er überzeugt. Jedenfalls erzeugen seine Gemälde meist eine tieferliegende emotionale Wirkung.

Zur Person

Lorenz Helfer, geboren 1984 in Hohenems. 2002 bis 2007 Malereistudium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Residences führten ihn nach Italien, Portugal und zuletzt nach Bilbao, Spanien. 2015 erhielt er den Förderpreis des Landes Vorarlberg. Seit drei Jahren wohnt Helfer wieder in Vorarlberg.

Verschiedene Schaffensphasen hat der Wahl-Bregenzer bereits durchlaufen. Seit acht Jahren arbeite er ohne Vorlage, wie er erzählt. Für solche Schritte brauche es jedoch Mut. In der nächsten Zeit hat Helfer vor, mehr auf großformatige Werke umzustellen, ja sogar auf dem Boden, stehend mit einem verlängerten Pinsel zu malen. Platz genug dafür hat er ja jetzt.