Kultur

Investition in Kunst und Kultur

12.06.2020 • 18:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Mitbegründerinnen des Vereins - im Bild fehlen Philipp Lingg und David Helbock. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Die Mitbegründerinnen des Vereins - im Bild fehlen Philipp Lingg und David Helbock. Philipp Steurer

Neuer Verein “locart” ermöglicht Spenden an Kulturszene.

Nach dem Lockdown kommen die Lockerungen, und nach und nach kehrt wieder etwas Leben in die Kulturszene ein. Doch viele Künstler haben weiterhin mit existenzbedrohenden Einnahmens-Einbußen zu kämpfen. Und das ganze Ausmaß des Schadens, der durch die Covid-19-Pandemie entstanden ist, wird sich erst im Laufe der kommenden Monate und Jahre zeigen. Darin waren sich jene Vertreter der Kulturszene einig, die sich am Freitag im Künstlerhaus Bregenz zu einem Pressetermin zusammengefunden haben. Der Anlass: die Gründung eines besonderen Vereins. Denn dieser deckt eine im Kulturbereich seltene Funktion ab. Mittels „locart“ kann die Vorarlberger Kulturszene unterstützt werden, und zwar mit steuerlich absetzbaren Spenden. Eine Kooperation mit der Stiftung Philanthropie Österreich – einer spendenbegünstigten Organisation – macht dies möglich.

Mirjam Steinbock (l.) und Maria Simma-Keller. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Mirjam Steinbock (l.) und Maria Simma-Keller. Philipp Steurer

Bei „locart“ handelt es sich um einen Fonds für Privat- und Firmenspenden. Zahlreiche Vertreter aus allen Branchen haben sich diesem Projekt angeschlossen, die Gründungsmitglieder sind Maria Simma-Keller, Präsidentin der Berufsvereinigung bildender Künstlerinnen und Künstler, Barbara Herold (IG freie Theater), Frauke Kühn (literatur:vorarlberg netzwerk), die Musiker David Helbock und Philipp Lingg, Alpinale-Leiterin Manuela Mylonas, Tänzerin Silvia Salzmann, Mirjam Steinbock (IG Kultur Vorarlberg), sowie die neue Geschäftsführerin des Amateurtheater-Verbandes, Nina Fritsch. Sie alle wollen mit dem Verein die Unterstützung der Kulturszene erleichtern, und verstehen das Projekt als eine Erweiterung bestehender Möglichkeiten.

Keine Bittsteller

Ein wichtiges Anliegen ist es den Verantwortlichen, Kunst- und Kulturschaffende aus ihrer Bittsteller-Position zu holen. Wer teilnehmen möchte, muss lediglich ein einfach gehaltenes Online-Formular ausfüllen. Dabei müssen Künstler weder ihren Bedarf belegen noch sich für ihre Anfrage rechtfertigen, wie Herold betonte. Die Spenden sind auch nicht projektgebunden. Das Angebot richtet sich an alle professionellen Künstler und selbstständige Kulturschaffende – das heißt, solche, die den Großteil ihres Lebensunterhaltes mit Kunst und Kultur bestreiten – mit Sitz in Vorarlberg. Die eingehenden Spenden werden zu gleichen Teilen an alle angemeldeten Personen verteilt, das Maximum beträgt 3000 Euro.

“Es kann aus der Überzeugung heraus gespendet werden, dass Kunst und Kultur ein Grundnahrungsmittel sind“

Frauke Kühn, Geschäftsführerin literatur:vorarlberg netzwerk

Von der Geberseite werden wiederum, wie bei Spenden üblich, keine Leistungen rückerwartet. Die Spenden können aus Solidarität erfolgen und aus der Überzeugung heraus, „dass Kunst und Kultur ein Grundnahrungsmittel sind“, so Kühn. Ein Bekenntnis zur vielbeschworenen Systemrelevanz der Kunst wurde hier mehrfach erwähnt. Manfred Keller (Keller Kranebitter Rechtsanwälte GmbH), der die Rechtsberatung von „locart“ übernimmt, spricht dezidiert von Investitionen anstatt von „Gebertum“. Er hofft wie viele, dass durch die Corona-Krise die Notwendigkeit von Kunst und Kultur mehr ins Bewusstsein rückt. Eine weitere Unterstützung erhält der Verein durch Johannes Faigle, der die Homepage realisierte, und durch die Agentur Great Design, die unter anderem das Logo entwarf.

Per Video dabei: Philipp Lingg (oben) und David Helbock. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Per Video dabei: Philipp Lingg (oben) und David Helbock. Philipp Steurer

Keine Aufträge

Dass Künstler weiterhin von der Corona-Krise betroffen sind, bestätigten David Helbock und Philipp Lingg, die per Video zugeschaltet waren. Bis Ende August wären alle Aufträge gecancelt, und auch viele Acts im Herbst seien gestrichen, so der Komponist und Pianist Helbock. Musiker wären bestimmt bis ins nächste Jahr „hart“ betroffen – wenn nicht noch länger. Der Bregenzerwälder Lingg hat sich ganz in das Studio zurückgezogen. Tänzerin Silvia Salzmann hat ebenfalls viele Aufträge verloren, die nächste Produktion wird im verschobenen „Bregenzer Frühling“ im Oktober zu sehen sein. Spontan organisierte Projekte bräuchten ebenfalls Zeit und Ressourcen, wie sie anmerkte.

Ein weiteres Problem bestehe darin, so Herold, dass bei vielen Kunstschaffenden bislang kaum Gelder aus Corona-Fonds angekommen wären. Ein Bedarf an Unterstützung ist also nach wie vor vorhanden.

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