Kultur

Stühle zwischen Kunst und Design

12.06.2020 • 18:21 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Uta Belina Waeger im Bildraum Bodensee. <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Uta Belina Waeger im Bildraum Bodensee. Petra Rainer

Uta Belina Waeger zeigt ihre Werke im Bildraum Bodensee.

Wer Uta Belina Waegers Objekte betrachtet, der erkennt gleich die große Gestaltungsfreude und Fantasie der Vorarlberger Künstlerin – und ihre Textil-Ausbildung als Hintergrund. Seit rund fünf Jahren widmet sie sich ­verstärkt gebrauchten Stühlen und anderen Fundstücken, die sie kunstvoll und oft mit einem gewissen Witz zu Skulpturen transformiert. Dabei arbeitet Waeger bewusst an der Schnittstelle von Kunst und Design, wie sie bei einem Rundgang durch den Bildraum in Bregenz erklärt. Dort sind gerade ihre installativen Arbeiten in der Schau „Zwischen den Stühlen“ zu erleben.

Stühle an der Wand oder am Boden. <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Stühle an der Wand oder am Boden. Petra Rainer

In Empfang genommen wird der Ausstellungsbesucher von einer Installation im Hauptraum: Von einer Durchgangstür zur nächsten spannt sich ein Band aus einem roten Netz durch die Länge des Raums, dessen Längsachse so betont werde, meint die Künstlerin. In der Senke in der Mitte steht unter dem Band der Hocker „Mondrian reloaded“ mit den typischen Farben. Ist es ein Gebrauchsgegenstand, ein Kunstwerk, oder beides? Spielerisch geht Waeger mit diesen Attributen um. Die Platzierung spielt hierbei eine Rolle: Werden die Stühle an die Wand gehängt, nähern sie sich dem Zweidimensionalen und verlieren ihren praktischen Nutzen.

"La Fan". <span class="copyright">Petra Rainer</span>
"La Fan". Petra Rainer

Dieser Effekt lässt sich besonders im stadtseitigen Raum beobachten. Auch hier teilt die Künstlerin den Raum mit Netzen als Teppich oder Wandbehang ein, mehrere Stuhl-Paare erwecken den Eindruck, als würden sich die Objekte quasi gegenübersitzen. Mit verschiedenen Materialien und Designs hat Waeger die Stühle verziert, und verleiht ihnen unterschiedlichste – reale und gedankliche – Funktionen. Da ist etwa der Stuhl „Puzzle“, der mit abnehmbaren Elementen bestückt werden kann. Mit Bregenzerwälder Häkelspitzen arbeitete sie an „Prinzesseria“, wodurch der Stuhl beinahe wie eine Frau erscheint. Angebrachte Täschchen oder dazugehörige Elemente an der Wand machen die installativen Skulpturen komplett.

Gouvernante

Auch in den anderen Räumen gibt es einiges zu entdecken: Im seeseitigen Raum dominieren Arbeiten mit Lampen, besonders stechen dabei die mit Fächern versehene Hocker-Lampe „La Fan“ hervor, sowie die „Gouvernante auf allen Vieren“ mit ihrem besonderen Lampenschirm. Im Videoraum sind zwei weitere Werke zu sehen, und ein Video zu ihrer Schau im Atrium des vorarlberg museums 2017.

Die Ausstellung ist noch jeweils am Freitag und Samstag bis 20. Juni zu sehen. Es empfiehlt sich eine Führung mit der Künstlerin – immer samstags um 11, 13 und 15 Uhr.