Kultur

Schweizer Songs und ein “Bella Ciao”

15.06.2020 • 18:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Luzian Hirzel. <span class="copyright">Anja Koehler</span>
Luzian Hirzel. Anja Koehler

Letzter “Hausmusik”-Abend im Juni am Landestheater.

Als „kulturell ausgehungert“ bezeichnete Schauspieler Luzian Hirzel beim letzten „Hausmusik“-Abend im Juni das Publikum – wohl zurecht, denn am vergangenen Samstag zeigten sich die Zuschauer sehr erfreut darüber, nach der Corona-Pause ein Programm am Vorarlberger Landestheater erleben zu können. Und auch den Akteuren auf der Vorbühne des Großen Hauses war anzumerken, dass die Freude am Performen nach wie vor vorhanden ist. Schweizer Bands standen im Zentrum an diesem Liederabend. Einen Vorgeschmack auf den „Woyzeck“ gab es obendrein: Der Theaterklassiker feiert als Version von Robert Wilson, Tom Waits und Kathleen Brennan am 19. September Premiere.

Die Musik von Tom Waits kehrt im Herbst ans Landestheater zurück.<span class="copyright"> DAPD</span>
Die Musik von Tom Waits kehrt im Herbst ans Landestheater zurück. DAPD

Drei Songs von drei Bands – das ist das Prinzip des „3×3“-Liederabends. Ein paar „Extras“ gab es nicht nur in Form von Tom-Waits-Songs, sondern auch mit zusätzlichen Einlagen mit Vivienne Causemann und Rahel Jankowski. Letztere verlässt bekanntlich das Ensemble im Herbst, genauso wie Tobias Krüger, der sich ebenfalls noch einmal vom Publikum verabschiedete.

Untypisch

Hirzel, selbst Schweizer, zeigte sich als Kenner der gegenwärtigen Musikszene der benachbarten Eidgenossenschaft. Begleitet von Oliver Rath an der Akustik-Gitarre, brachte er dem Publikum zuerst das Werk von Sophie Hunger nahe. Die 1983 geborene Schweizer Diplomatentochter hat ihr erstes Album im Wohnzimmer aufgenommen, erzählte der Darsteller – nun ist die Singer-Songwriterin international bekannt. Die Songs „My Oh My“, „Das Neue“ und „D’Red“ gingen teilweise ziemlich unter die Haut. Der Höhepunkt dieses Abschnitts war das Duett „Spiegelbild“, das Hirzel mit Jankowski sang.

Hat das Ensemble verlassen: Rahel Jankowski.  <span class="copyright">Roland Paulitsch</span>
Hat das Ensemble verlassen: Rahel Jankowski. Roland Paulitsch

Die Mundart-Band Patent Ochsner ist hierzulande wohl etwas weniger bekannt. 1990 gegründet und nach einer Mülleimer-Marke benannt, spielen die Berner politische Songs im Dialekt. Hirzel und Rath konnten den Humor der Band gut transportieren und kompensierten so Verständnis-Probleme. Zu hören waren „Sunnechünig“, „Vohinger & Vovor“ – sehr schön dabei Hirzels Trompetensound – und das Trennungslied „Seemanns Wärmuet“. Faber war die letzte Säule der Triade. Für Hirzel ist dieser ein untypischer Schweizer, und zwar wegen der direkten und provokanten Art des Sängers.

Causemann heizte mit „All The World Is Green“ die Neugierde auf „Woyzeck“ an, Waits‘ Song „Make It Rain“ wurde von Hirzel interpretiert – doch der Stimme der US-Legende ist schwer nachzukommen. Waits soll im Herbst übrigens ein weiterer Liederabend gewidmet werden. Zum Schluss noch ein beherztes „Bella Ciao“ und das im Zuschauerraum verteilte Publikum applaudierte dankbar.