Kultur

Mit Mut in die nächste Saison

17.06.2020 • 17:57 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Symphonieorchester Vorarlberg. <span class="copyright">Thomas Schrott</span>
Das Symphonieorchester Vorarlberg. Thomas Schrott

Symphonieorchester Vorarlberg: Vielversprechendes Programm.

Trotz aller Ungewissheiten aufgrund der Corona-Pandemie startet das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) „mit Mut“ in die Saison 2020/21, wie Geschäftsführer Sebastian Hazod am Mittwoch bei der Programmpräsentation sagte. Mit dabei war auch SOV-Präsident Manfred Schnetzer, der neue Chefdirigent Leo McFall fehlte allerdings. Aufgrund der aktuellen Bestimmungen wäre eine Anreise aus England zu kompliziert gewesen, hieß es. Der Brite übermittelte allerdings ein Statement, in dem er unter anderem von einer „reichen und inspirierenden Saison“ sprach. Drei Abo-Konzerte, sowie das Silvester- und Neujahrskonzert wird McFall dabei leiten.

Programmpräsentation im Hotel Schwärzler.<span class="copyright"> Oliver Lerch</span>
Programmpräsentation im Hotel Schwärzler. Oliver Lerch

Schnetzer kommentierte die aktuellen Budget- und Abo-Zahlen, wobei sich ein erfreuliches Ergebnis abzeichnete. 2019 wurden erstmals über 2000 Abonnenten gezählt, genau sind es 2020. Die Auslastung der Abo-Konzerte stieg auf 95,3 Prozent, 27.500 Besucher kamen in der vergangenen Saison zu 13 SOV-Produktionen. Die Eigenfinanzierung liegt bei 62,81 Prozent: ein für den Kulturbereich sehr hoher Anteil. Die Subventionen von Bund und Land lagen 2019 bei 594.000 Euro, während das SOV über eine Million Euro erwirtschaftete.

Leo McFall dirigiert erstmals im dritten Abo-Konzert als Chefdirigent. <span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Leo McFall dirigiert erstmals im dritten Abo-Konzert als Chefdirigent. Philipp Steurer

Der hohe Eigendeckungsgrad bedeute einen beträchtlichen wirtschaftlichen Druck in Zeiten der Corona-Krise, erklärte Schnetzer. Denn nun müsste wieder für ein großes Publikum gespielt werden. Die ersten beiden Abo-Konzerte im Herbst kommen deshalb – und weil man die zahlreichen Abonnenten als „Auftrag“ verstehe – doppelt, mit jeweils der Hälfte des Zuschauerkontingentes, zur Aufführung. Der große Rückhalt des Publikums, das großteils keine Rückforderung der Ticketpreise beantragte, habe dies ermöglicht – und zudem eine Abschlagszahlung an die Musiker für die abgesagten Veranstaltungen. Nachgeholt wird das sechste Konzert der vergangenen Saison: Am 15. und 16. Mai 2021 steht dafür Nicholas Milton am Pult.

Vollendung

Eine Mixtur aus bedeutenden und beliebten Werken der Orchesterliteratur, ergänzt mit weniger gespielten Kompositionen, sei der „rote Faden“ des Programms, meinte Hazod. Ende September startet die Spielzeit mit Werken von Samuel Barber, Joseph Haydn und Leonard Bernstein. Kolja Blacher, Sohn des deutschen Komponisten Boris Blacher, wird sowohl dirigieren als auch an der Violine zu erleben sein. Bernsteins außergewöhnlich besetzte Serenade nach Platons „Gastmahl“ sei „das“ Stück für Blacher, so Hazod. Im zweiten Konzert im Oktober wird ein wichtiges Anliegen des SOV erfüllt: Kirill Petrenko vollendet mit der neunten Symphonie den Mahler-Zyklus. Was ein Corona-gerechtes Konzept für die Bühne betrifft, so orientiere man sich an die Strategie der Wiener Symphoniker. Dies werde aber noch genau ausgearbeitet, meinte der Geschäftsführer.

Mezzosopranistin Paula Murrihy. <span class="copyright">Barbara Aumüller</span>
Mezzosopranistin Paula Murrihy. Barbara Aumüller

Im dritten Abo-Konzert Ende November steht die Gegenüberstellung des zeitgenössischen britischen Komponisten Thomas Adès mit Wolfgang Amadeus Mozart im Zentrum. Dazu gesellen sich die beiden ersten Symphonien von Sergej Prokofjew und Franz Schubert. Es ist der erste Fall für McFall: Er könne sich keinen besseren Start als SOV-Chefdirigent vorstellen, ließ der Brite wissen. Märchenhaft geht es beim vierten Abo-Konzert im Jänner weiter. Eine Konzertfassung von Bela Bartoks Oper „Herzog Blaubarts Burg“, sowie das Märchen „Pohádka“ von Josef Suk stehen auf dem Programm. Bariton Gábor Bretz und Mezzosopranistin Paula Murrihy werden singen

Neujahr in Salzburg

Ehrendirigent Gérard Korsten kehrt im April zum fünften Abo-Konzert wieder. Mit Pieter Schoeman (Violine) und Xandi van Dijk (Viola) ist das Konzert von südafrikanischen Solisten geprägt. Die Abo-Saison wird am 8. und 9. Mai unter anderem mit Anton Bruckner beschlossen. Mit dem nachgeholten Konzert steht somit zweimal Bruckner auf dem Programm. Mindestens ein großes Werk des Komponisten wolle man pro Saison spielen, informierte Hazod.

Violinist Kolja Blacher. <span class="copyright">Bernd Buehmann</span>
Violinist Kolja Blacher. Bernd Buehmann

Ab 10. März gelangt in Kooperation mit dem Vorarlberger Landestheater Georg Friedrich Händels szenisches Oratorium „Jephtha“ zur Aufführung. Auch bei den „Bregenzer Festtagen“ im August ist das SOV vertreten. Zum ersten Mal spielt das Orchester auf Einladung von Ex-SOV-Geschäftsführer Thomas Heißbauer im Festspielhaus Salzburg ein Neujahrskonzert. Zuvor wird im Montforthaus Silvester gefeiert – unter anderem mit Cellist Kian Soltani.

Auch heuer hat Künstler Harald Gfader das Programmheft mitgestaltet, eine neue Homepage gibt es auch.

Infos: www.sov.at