Kultur

Harter Kampf ums Überleben

06.07.2020 • 18:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
"Die Wand". <span class="copyright">Laurenz Feinig/Cafe Fuerte</span>
"Die Wand". Laurenz Feinig/Cafe Fuerte

Café Fuerte bringt den Roman „Die Wand“ auf die Bühne.

Ein kleines Holzpodest vor einer Stadelbrücke neben einem geschindelten Bregenzerwälder Bauernhaus, zwei größere Holzstapel und zwei große Fichten: In dieser Umgebung spielt die Theatergruppe Café Fuerte derzeit in Hittisau ihre aktuelle Produktion, Marlen Haushofers „Die Wand“. Um an den Spielort zu gelangen, ist zuvor noch ein rund viertelstündiger Fußmarsch nötig, weil es vor Ort keine Parkplätze gibt. Eine nicht ganz unpassende Einstimmung auf ein Stück, in dem nicht zuletzt die Naturgewalten ein wichtiger Aspekt sind.

Konsequent

Der 1963 erschienene Roman der oberösterreichischen Autorin handelt von einer Frau mittleren Alters, die plötzlich bei einem Ausflug auf eine Jagdhütte durch eine unsichtbare Wand, von der Welt abgeschnitten, auf sich allein gestellt ist und gemeinsam mit einigen Tieren den Kampf ums Überleben aufnehmen muss. Dabei lernt sie immer mehr, mit den Naturgewalten zu leben.

Zerbrechliche Klänge. <span class="copyright">LAURENZ FEINIG/CAFE FUERTE</span>
Zerbrechliche Klänge. LAURENZ FEINIG/CAFE FUERTE

Die Frau tritt im Buch als Ich-Erzählerin auf. Eine Form, die auch im Stück beibehalten wird. In Danielle Fend-Strahms Inszenierung wird die Erzählerin, die Schauspielerin Kris­tine Walther, allerdings noch durch eine Tänzerin (Eve Ganneau) und einen Musiker (Florian Wagner), der Glasharfe spielt, unterstützt und das funktioniert wunderbar. Agiert wird auf engstem Raum, eben auf dem eingangs erwähnten Holzpodest, das gerade mal einen Quadratmeter Spielfläche bietet. Eine konsequente Umsetzung der im Inhalt vorhandenen Begrenztheit. Und während die Schauspielerin nüchtern, klar und unsentimental ihre Geschichte dem Publikum erzählt, fungiert die gleich gekleidete Tänzerin sozusagen als deren körperlicher Part, sodass die beiden in gewisser Weise zu einer Figur werden.

Verdichtet

Den Auftakt bilden aber die Klänge der Glasharfe, Töne, die an einigen Stellen so zerbrechlich wirken wie das Material, auf dem sie gespielt werden. Mit der Musik werden die einzelnen Szenen immer wieder atmosphärisch verdichtet und verstärkt, eine mehr als stimmige Ergänzung dessen, was auf der kleinen Bühne passiert. Tobias Fend ergänzt das Ensemble auf der Bühne als „Allrounder“ – als Darsteller von zwei männlichen Figuren etwa, die kurz auftreten und als Unterstützung für Bilderwechsel.

Die je nach Ausgabe weit über 200 Seiten des Buches wurden von Café Fuerte auf eine rund eineinviertel Stunde Spielzeit reduzierte Fassung gekürzt, die alles Wesentliche beinhaltet und die Geschichte, die anfangs und bei einer Schlüsselszene gegen Ende aus Lautsprechern ertönt, schlüssig erzählt. Eine packende und spannende Umsetzung, die überzeugt, und einen bis zum Schluss im Bann hält.

Weitere Termine und Infos: www.cafefuerte.at.

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