Kultur

Auswirkungen einer unsäglichen Tat

10.07.2020 • 18:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
"Infantizid, Femizid, Suizid" von Amos Postner und Felix Kalaivanan. <span class="copyright">Caro Stark</span>
"Infantizid, Femizid, Suizid" von Amos Postner und Felix Kalaivanan. Caro Stark

Uraufführung von “Infantizid, Femizid, Suizid” beim Kosmodrom.

Der Begriff „Familientragödie“ ist eine bekannte Bezeichnung, mit welcher in den Medien des Öfteren Bluttaten im engsten Kreis benannt werden. Im fiktiven Fall des im Rahmen des Kosmodrom uraufgeführten Stücks handelt es sich um das, was auch der Titel verrät: „Infantizid, Femizid, Suizid“ beschreibt die Auswirkungen eines „unsäglichen Verbrechens“, das bereits in der Vergangenheit liegt, doch immer noch in einer kleinen österreichischen Stadt nachhallt. Amos Postner und Felix Kalaivanan schrieben das Kurzdrama, das wie gewohnt nach der Aufführung von Kosmodrom-Kurator Stephan Kasimir und ORF-Journalistin Ingrid Bertel mit den Autoren diskutiert wurde. Corona-bedingt findet das Format diesmal auf der großen Bühne des Theater Kosmos statt, um genug Abstand im Publikum zu gewähren.

Regie führte Stephan Kasimir. <span class="copyright">Caro Stark</span>
Regie führte Stephan Kasimir. Caro Stark

Buchstäblich am Tatort haften geblieben ist das „Ereignis“, das nunmehr ein Jahr zurückliegt: Blutbeschmiert ist das Orts-Café, in dem ein Mann seine Frau und die gemeinsame Tochter, dann sich selbst richtete. Ein TV-Team kommt für einen Nachbericht, der Café-Besitzer Hans-Peter (Johannes Rhomberg) ist sichtlich nervös, das Interview reibt alte Wunden auf und offenbart die schweren Traumata, die das Verbrechen nach sich ziehen. Die Reporterin (Sabine Lorenz) zeigt kein Verständnis, sie will nur ihre Reportage im Kasten haben. Simon Alois Huber spielt den Kameramann, der das „Außergewöhnliche im Gewöhnlichen“ sucht. Die Schemata der Berichterstattung eines Gewaltverbrechens stehen hier zur Debatte. Witzig ist die Figur des Immobilienmaklers (Wini Gropper), der ein wenig mehr Leichtigkeit in die Sache bringt.

Blutgetränkt

 Die Regieanweisung, dass das Café blutgetränkt sein soll und die Charaktere dies ignorieren, kritisierte Kasimir im anschließenden Gespräch: Es sei, als ob die Autoren der Kraft der Figuren nicht genug vertraut hätten – was auch Kalaivanan im Nachhinein bestätigte. Bertel hob die Stärken des Stücks hervor, so bestätigte sie etwa die Realitätsnähe der dargestellten Medienvertreter. Mit einer Länge von gut 30 Minuten wäre das Stück noch ausbaufähig. Der Text ist aber gelungen: ein schönes kurzes Stück.

Das Stück ist heute um 20 Uhr im Theater Kosmos in Bregenz zu sehen: www.theaterkosmos.at

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