Kultur

Schätze gelangen aus dem Archiv

10.07.2020 • 18:43 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
"Kunst des Sammelns" im Palais Thurm &amp; Taxis. <span class="copyright">Udo Mittelberger</span>
"Kunst des Sammelns" im Palais Thurm & Taxis. Udo Mittelberger

Die Stadt Bregenz öffnet ihr Archiv und zeigt ihre Kunstsammlung.

Wie viele Kunstschätze in den Archiven Vorarl­bergs schlummern, kann nur erahnt werden – ein Auszug aus der Kunstsammlung der Stadt Bregenz wird nun mit der Sommerausstellung im Palais Thurn & Taxis der Öffentlichkeit zugänglich. „Die Kunst des Sammelns“ bietet einen Querschnitt der Sammlungstätigkeit der Landeshauptstadt von den Anfängen bis heute. Kulturamtsleiterin Jutta Dieing, die Kuratorin der Schau, hatte im Vorfeld die Qual der Wahl: Von insgesamt rund 1500 Objekten wählte sie knapp 100 Werke von 45 Künstlern aus. Morgen wird die Ausstellung eröffnet – zusammen mit der Sonderschau „Kann denn Baden Sünde sein?“ im Martinsturm.

Werk von Hermann Nitsch im Foyer. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Werk von Hermann Nitsch im Foyer. Klaus Hartinger

Bürgermeister Markus Linhart klärte beim Pressegespräch über die Ursprünge der Bregenzer Sammlung auf. Im 17. Jahrhundert fiel den Ratsherren die Blutgerichtsbarkeit zu, die es möglich machte, etwa Todesstrafen auszusprechen. Zu diesem Anlass beauftragte die Stadt den Maler Matthäus Zehender (geboren 1641), um Gemälde zum Thema anzufertigen: „Susanna im Bade“ und „Das Jüngste Gericht“ sind nun im Erdgeschoss des Palais zu sehen. „So richtig los“ mit dem Sammeln ging es laut Linhart jedoch erst ab Mitte der 1950er-Jahre unter Bürgermeister Karl Tizian.

Hund als Herz

Als Dieing im Jahr 2016 erstmals mit Stadtarchivar Thomas Klagian das Archiv im Magazin 4 betrat, konnte sie kaum glauben, welche Werke sich darin verbergen, wie die Kulturamtsleiterin erzählte. Im Erdgeschoss des Palais sind nun die „großen Namen“ versammelt: Hermann Nitsch, Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Max Weiler und Alfred Klinkan (zwei wundervolle Werke), Martha Jungwirth, Bruno Gironcoli und Christian Ludwig Attersee gesellen sich hier zu lokalen Größen wie Richard Bösch, Ingo Springenschmid oder Angelika Kauffmann. In einem Seitenzimmer wird zudem der kürzlich verstorbene Oscar Sandner gewürdigt: Zu sehen sind Plakate mit Veranstaltungen, die der bedeutende Vorarlberger Kulturakteur ermöglichte.

Zeitgenössisches im Dachgeschoss. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Zeitgenössisches im Dachgeschoss. Klaus Hartinger

Rudolf Wacker fehlt selbstverständlich nicht in der städtischen Sammlung, seine Werke haben im oberen Geschoss zur Parkseite ihren Platz. (Selbst-)Bildnisse werden dabei mit Ölbildern, etwa mit dem Kasperl und anderen Puppen als Motiv, kombiniert. Erstmals zu sehen ist eine Wacker-Büste des Vorarlberger Bildhauers Albert Bechtold. Im Zwischenraum sind Porträts der Malerfamilie Boch (19. bis 20. Jahrhundert) zu sehen – über die Familie sei wenig bekannt, meinte Dieing beim Rundgang. Kurios: Ein Porträt von Kurt Regschek von 1964 zeigt Max Haller, mit seinem Hund als Herz.

Rudolf Wacker darf nicht fehlen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Rudolf Wacker darf nicht fehlen. Klaus Hartinger

Im linksseitigen Raum sind Kollegen Wackers versammelt, viele Landschaftsbilder sind hier zu sehen. Werke von Fritz Krcal mit pastellartigem Ton, Bilder von Leopold Fetz oder Heinz Greissing demonstrieren die Hochwertigkeit der Bregenzer Sammlung. Von Letzterem wird „Bregenz bei Nacht“ gezeigt – nach eigenen Angaben eines der Lieblingswerke Dieings. Die Radierung „Wozu“ von Paul Renner zeigt die Gräuel des Kriegs.

Öffentlichkeit

Im Dachgeschoss wurden „zeitgenössische Interventionen“ platziert. Internationales Highlight ist dabei Brigitte Kowanz, vertreten mit der Arbeit „Light ist what we see“. Weiters wurden Werke von Hubert Matt, Maria Anwander und Gerry Ammann ausgewählt. Von Gottfried Bechtold wurde die Skulptur „Eilige Diana“ ausgesucht, die üblicherweise bei Bernhard Fink in der Bauabteilung steht, wie Dieing informierte. Linhart hat aus seinem Büro zwei kleine Porsches von Bechtold „geliehen“. Im Park stehen wie berichtet neue Ankäufe für den öffentlichen Raum. Dauerhaft bleiben soll eine neue Stahlplastik von Ilse Aberer mit dem Titel „One Point“, die sich sehr gut in den Park einfügt. Ins Auge sticht zudem die rote Skulptur „Why“ des Duos Reiterer Weithas, bestehend aus Selina Reiterer und Lukas Weithas. Zwei Arbeiten von Maria Anwander und Ruben Aubrecht würden noch rechtzeitig vor der Eröffnung angeliefert werden, versicherte Dieing.

Bleibt im Park: "One Point" von Ilse Aberer. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Bleibt im Park: "One Point" von Ilse Aberer. Klaus Hartinger

Mit 10.000 Euro jährlich wurde das fixe Budget der Stadt für Kunstankäufe beziffert – ein niedriger Betrag, doch kämen Sonderankäufe wie auch heuer dazu, wie von den Verantwortlichen hinzugefügt wurde. Abgesehen von den Werken in den Amtsgebäuden liegt der Großteil der Sammlung üblicherweise im Archiv. Die Kulturamtsleiterin habe jedoch das Bestreben, die Sammlung auch in Zukunft regelmäßig der Öffentlichkeit zu präsentieren, wie sie meinte. Diese sehr empfehlenswerte Schau macht deutlich, welch eine Bereicherung dies für die Vorarlberger wäre.

Zur Ausstellung

„Die Kunst des Sammelns“. Eröffnung heute von 20 bis 22 Uhr (Eröffnung der Schau im Martinsturm heute von 18 bis 20 Uhr). Führungen gibt es erstmals am morgigen Sonntag um 14 Uhr mit Rudolf Sagmeister. Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr. Zu sehen bis 30. August.

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