Kultur

Mehr als Schall und Rauch

13.07.2020 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Werk von Sabine Lingenhöle-Rainer.<span class="copyright"> Lisa Kammann</span>
Werk von Sabine Lingenhöle-Rainer. Lisa Kammann

Beim “Hor(s)t der Kunst” gibt es wieder einiges zu sehen.

Der fünften Ausstellung  im „Hor(s)t der Kunst“ am Pfänder ging ein Inserat von Kurator Gregor Koller voraus, der im „Daily Telegraph“ den weltbekannten Graffiti-Künstler Banksy einlud, sich an der Schau zu beteiligen. Der PR-Gag, wie Koller die Aktion selbst bei der Eröffnung nannte, sorgte für mediale Aufmerksamkeit – doch den Street-Art-Star selbst brauchte es gar nicht. Die zahlreichen Beiträge in den Käfigen der ehemaligen Adlerwarte zeigen eine künstlerische Vielfalt aus Vorarlberg – manchmal schräg, manchmal mit Humor, manchmal tiefgründig-ernst. Das spezielle Ambiente und der unprätentiöse Rahmen tun ihr Übriges: Bei schönem Wetter ist die Ausstellung mit Ausblick allemal einen Besuch wert.

Der Beitrag von Tone Fink.<span class="copyright"> Lisa Kammann</span>
Der Beitrag von Tone Fink. Lisa Kammann

„Schall und Rauch“ ist das Motto der heurigen Ausgabe, und auch wenn sich einige Künstler an das Thema hielten, gibt es doch weit mehr als das zu sehen und zu hören. Etwas zu riechen bietet zudem Gironcoli-Schüler Christoph Lissy, der den Ort mit gesegnetem Weihrauch umhüllte. In seiner Parzelle präsentiert er eine mehrteilige Installation. Neben dem Weihrauch-Gefäß zeigt er etwa die modellierte Büste einer Frau. 1978 mit 20 Jahren gefertigt, schaffte er mit dem Werk die Aufnahme in die Akademie der Bildenden Künste in Wien, wie er erzählte. Auf seinen Bildern ist mehrmals der Skarabäus als Fruchtbarkeitssymbol zu entdecken, sowie ein Foto des damals 20-Jährigen auf der „carte orange“ der Pariser Metro.

Bunt und monochrom

Nicht minder spirituell ist die Arbeit von Sabine Lingenhöle-Rainer, die in Lech und Bregenz lebt und arbeitet. Von einem Kloster bekam sie drei Skulpturen geschenkt. Dem blassen Jesus am Kreuz und zwei Heiligen verpasste sie strahlende Farben: Jesus wäre heute auch keine farblose Erscheinung, ist die Künstlerin überzeugt. Sie wollte den Skulpturen mehr Kraft verleihen. Künstlerin Ona B. tünchte ihren Bereich in ein intensives Rot, und widmet sich in einem Video Gesichtsmasken.

Alexandra Wacker zeigt Flakturm-Bilder. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Alexandra Wacker zeigt Flakturm-Bilder. Lisa Kammann

Barbara Anna Husar – sie hat am Montag übrigens wieder ihren Euter steigen lassen – steuert  flache Zigarettenpackungen bei, die sie bunt bestempelte und bemalte. Daneben ist Alexandra Wacker mit monochromen Bildern der Flaktürme im Wiener Augarten vertreten: ein schöner Kontrast. Von Josef Wurm ist ein brandneues Werk zu sehen, dem heuer in Bregenz verstorbenen Künstler Heinz Greissing gebührt ein Platz mit einem seiner berühmten in Streifen geordneten Landschaftsbilder. Jedes Jahr steuerte er ein Bild für die Ausstellung bei, wie Kurator Koller informierte.

Rauchendes Bild

Zwei weitere Kunstgrößen sind am Pfänder vertreten: Gottfried Bechtold lässt in einem Gemälde ein Flugzeug in einen Zeppelin über dem See krachen, die Absturzbahn lässt das Wrack auf ein Segelboot zusteuern. Tone Fink zeigt in seiner Abteilung Bilder, auf denen der Besucher Rauch erspüren kann – ungewohnt pas­tose Werke für Fink. An der Wand stehen Begriffe, die auf die Werkstatt des Vaters Bezug nehmen, der Huf- und Wagenschmied war. Außerdem ließ der Künstler bei der Eröffnung eines seiner Werke in Rauch aufgehen – ganz abgebrannt ist es glücklicherweise nicht.

Bild von Gottfried Bechtold.<span class="copyright"> Lisa Kammann</span>
Bild von Gottfried Bechtold. Lisa Kammann

Lorenz Helfer zeigt einige Werke, die auf Festivalkonzerte Bezug nehmen, Arno Egger präsentiert eine „schräge Stütze für Kunst“, wie er seine Installation selbst beschreibt. Auch dabei: Vater und Sohn Edgar und Philipp Leissing, sowie Werner Geiger, der uns eindrückliche Porträts von stillenden, notleidenden Frauen zeigt. Kombiniert sind die Arbeiten mit Formalstudien und dem Porträt einer Comanchen-Familie. Koller selbst lässt in einem Bild die abgerissene Bregenzer „Gulaschbrücke“ wiederaufleben.

“Hor(s)t der Kunst” ist bis 31. August am Pfänder in Bregenz zu sehen. Bei gutem Wetter täglich von 10.30 bis 15 Uhr geöffnet.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.