Kultur

Höhenflüge mit einem Meisterduo

16.07.2020 • 19:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wieder auf der Bühne:  Aaron Pilsan und Kian Soltani. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Wieder auf der Bühne: Aaron Pilsan und Kian Soltani. Schubertiade

Erstes Schubertiade-Konzert nach Corona-Pause in Hohenems.

Endlich wieder Live-Konzerte, endlich wieder Schubertiade: Nachdem die Konzertzyklen in Schwarzenberg Corona-bedingt abgesagt wurden, finden die Julikonzerte mit jungen Künstlern im Markus-Sittikus-Saal statt. Da das stets ausverkaufte „Heimspiel“ des Cellisten Kian Soltani und des Pianisten Aaron Pilsan auch unter den geltenden Abstandsregeln stattfinden sollte, musizierte das Vorarlberger Dream-Team sein Programm an zwei Tagen: Große Kammermusik voller Energie und in symbiotischer Verbindung, die Freude der Musiker, wieder auf einer Bühne zu spielen, war mindes­tens ebenso groß wie die Freude des Publikums, diese wieder direkt zu erleben.

"Heimspiel" für den Cellisten Soltani. <span class="copyright">Juventino Mateo</span>
"Heimspiel" für den Cellisten Soltani. Juventino Mateo

Musik ist Energie, ist Kommunikation unter den Musikern und mit dem Publikum. Musik braucht Publikum, das ist nach diesen langen Wochen der Stille und der Streamingangebote deutlich geworden. Mit Maskenpflicht im Foyer und Abstand in den Reihen ist auch hier alles geregelt – wobei sich die deutsche Rezensentin wundert, was in Österreich möglich ist.

Duftige Klänge

Masken hat sich der russische Komponist Igor Strawinsky in seiner „Suite italienne“, ursprünglich für Violine und Klavier aus dem Ballett „Pulcinella“ zusammengestellt, auch aufgesetzt: Der Geist der Commedia dell’arte schwebt durch diese Sommermusik im alten Stil, in der „Serenata“ lauscht man dank Soltanis prächtigem Celloton der schwärmerisch sehnsüchtigen Ballade eines Baritons, während die duftigen Klänge der Gitarre im Klavier eingefangen sind. Mit Witz und Biss machen die Künstler, die seit acht Jahren zusammen musizieren und deren erstaunliche Entwicklung man über die Jahre verfolgen durfte, sich diese teils archaische Musik zu eigen.

Auch 2018 ein "Dreamteam" bei der Schubertiade. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Auch 2018 ein "Dreamteam" bei der Schubertiade. Schubertiade

Die Selbstverständlichkeit und Gleichberechtigung in ihrem Zusammenspiel zeigen sich noch mehr in Beethovens fünfter und letzter Sonate op. 102/2, im Umgang mit den Motiven, im stets neu belebten Dialog der Stimmen. Kernstück ist der so ausdrucksreiche Mittelsatz, in den sie sich mit großer Ruhe und Innigkeit versenken, in dem sie still werden, bevor sie das klingende Gebäude der Schlussfuge errichten: Was manchmal spröde klingt, verwandeln sie in spielerisch akzentuierte Leichtigkeit, die freilich auf den bezwingend verdichteten Schluss zielt: Großer Jubel bereits zur Pause.

Die Liederabende im Markus-Sittikus-Saal starten am 17. Juli. <span class="copyright">NEUE</span>
Die Liederabende im Markus-Sittikus-Saal starten am 17. Juli. NEUE

Kurz und treffend moderieren die beiden Musiker auch ihr Programm, schaffen Verbindungen zwischen Strawinsky und Beethoven oder zwischen Schostakowitsch und Piazzolla: greifen die einen auf alte Kompositionstechniken zurück, so eint die anderen die künstlerische Energie in schwierigen Zeiten – auch „vor Corona“. Auf diese Weise eingestimmt, taucht das Publikum in die so kontrastreiche und intensive Cello-Sonate von Schostakowitsch aus den 1930er Jahren ein, erlebt große Emotionen zwischen romantischem Aufschwung, fahler Elegie und bissigem Rundtanz.

Wühlen im Schmerz

Pilsan und Soltani sind Meister der Farben, der warmen Fülle und grellen Tonwiederholungen, wühlen im Schmerz und scheinbarer Naivität. Und in Astor Piazzollas „Le Grand Tango“ lassen sie sich davontragen vom unendlichen Flow des Rhythmus‘ und dieser konzertanten und virtuosen Verwandlung argentinischer Volksmusik.

Zum Ausatmen nach diesem süffigen Stück verabschieden sich die Künstler mit Schuberts Lied „Du bist die Ruh“: Mancher Sänger, manche Sängerin dürfte Soltani um sein bruchloses, strömendes Legato beneiden!

Katharina von Glasenapp

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