Kultur

Projekt-Vielfalt zur Pflanzenwelt

17.07.2020 • 18:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Projektraum zur Schau "Parlament der Pflanzen". <span class="copyright">Sandra Maier</span>
Im Projektraum zur Schau "Parlament der Pflanzen". Sandra Maier

Spannender Projektraum im Kunstmuseum Liechtenstein.

Unterschiedliche Akteure und Ansätze zu einem spannenden Thema kommen in den nächsten Wochen im Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz zusammen. Die für Juni geplante Ausstellung „Parlament der Pflanzen“ musste aufgrund der Corona-Pandemie zwar auf Anfang September verschoben werden, doch im Seitenlichtsaal ist bereits ein frei zugänglicher Projektraum zu besuchen. Künstler, Vereine und Initiativen aus der Region, sowie Berufstätige, deren Arbeit mit der Welt der Pflanzen verbunden ist, bespielen in wechselnden Konstellationen den Raum.

Im Seitenlichtsaal des Kunstmuseums. <span class="copyright">Sandra Maier</span>
Im Seitenlichtsaal des Kunstmuseums. Sandra Maier

Dieser Projektraum soll sich wandeln, die unterschiedlichen Bereiche sollen – wie es etwa die Bäume im Wald tun – Netzwerke und Kooperationen bilden. So formulierte es Kuratorin Christiane Meyer-Stoll beim Pressetermin. Mit dabei war auch Karl-Heinz Seger vom Obst- und Gartenbauverein Vaduz, der Fotografien aus dem Archiv des Wettbewerbs „Blumen in Vaduz“ präsentiert. Anna Ospelt, Autorin und Projektmit­arbeiterin des Literaturhauses Liechtenstein, informierte über die Schreibwerkstatt „Natur schreiben“.

„Wichtigste Universität“

In verschiedene „Zonen“, die nicht klar voneinander getrennt sind, sei der Raum eingeteilt, so Ko-Kuratorin Annett Höland. Einblicke in die lehrreiche und faszinierende Pflanzenwelt gibt es unter anderem in einer kleinen Bibliothek mit Publikationen zum Thema. Der österreichische Forst- und Betriebswirt Erwin Thoma beschreibt etwa in dem Buch „Die geheime Sprache der Bäume“ die Kooperationen, die Bäume bilden, welche im Wald eine artenübergreifende Gemeinschaft bilden. Diese Strategien „werden zur wichtigsten Universität unserer Gesellschaft“, ist der Experte überzeugt. Was wir von den Pflanzen lernen können, ist ein Aspekt dieses Projekts.

Fotos vom Blumen-Wettbewerb. <span class="copyright">Sandra Maier</span>
Fotos vom Blumen-Wettbewerb. Sandra Maier

Die Liechtensteiner Künstlerin Helena Becker zeigt in einer Vitrine eine bildliche Darstellung der Geschichte des Berufkrauts. Als Zierpflanze vor Hunderten von Jahren von Nord­amerika nach Europa gebracht, verdrängte es im weiteren Verlauf heimische Arten. Seit 2000 steht es als invasiver Neophyt auf der „Schwarzen Liste“. Aus verschiedenen Materialen und mit einer Art Herbarium stellt die Künstlerin diese Entwicklung dar.

Update auf dem "Kalenderblatt". <span class="copyright">Sandra Maier</span>
Update auf dem "Kalenderblatt". Sandra Maier

An einer Wand wurde ein „Kalenderblatt“ installiert, das aktuelle Informationen aus verschiedenen Quellen vereint. Da gibt es etwa aktuelle Dokumente der Gemeinde Vaduz, Instagram-Posts, einen Mondkalender und Bauernregeln sowie aktuelle Wetterdaten, die täglich aktualisiert werden. Ein Blick auf die im Raum platzierten Jahrringe lohnt sich ebenfalls, denn auf den Baumscheiben wurden einzelne Ringe markiert, und zu den Jahreszahlen historische Ereignisse von globaler Bedeutung notiert – oder eben „nur“ von regionaler Relevanz: eine witzige Mischung.

Malaria-Mittel

Ein temporäres Herzstück des Projektraums ist die Foto-Schau des Vaduzer Obst- und Gartenbauvereins. Wie Vorstandsmitglied Seger erklärte, gab es von den 1990er-Jahren bis 2018 den Wettbewerb „Vaduz in Blumen“. Seit rund fünf Jahren gab es immer weniger Beiträge: Zum einen, weil alte Bausubstanz abgerissen wurde, und neue Gebäude weniger Platz für Blumen boten. Zudem vermutet Seger, dass der hohe zeitliche Aufwand der Blumenpflege für einen Rückgang sorgte. Am Ende gewannen immer dieselben Personen, und so wurde der Wettbewerb eingestellt. Ein umso wertvolleres und schönes Zeitdokument sind die Fotografien. Bis zum 16. August sind die Fotografien zu sehen, bevor Schüler des Liechtensteinischen Gymnasiums ihr Projekt präsentieren.

Beitrag von Uriel Orlow.<span class="copyright"> Sandra Maier</span>
Beitrag von Uriel Orlow. Sandra Maier

Zum Verweilen lädt der hintere Bereich des Raums ein: Künstler Uriel Orlow beschäftigt sich mit der Beifuß-Art „Artemisia Afra“, die etwa im Kongo als Mittel zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria verwendet wird. Die WHO rät aber von der Einnahme ab. Der Besucher kann in einer Tee-Ecke Platz nehmen und ein Video zum Thema anschauen, und dazu einen Beifuß-Tee – völlig ungefährlich und wohlschmeckend! – trinken.

Spannend klingt auch die Schreibwerkstatt von Anna Ospelt, in dessen Rahmen bei Exkursionen auch das genaue Beobachten geschult wird. Am 29. August geht es mit dem Vaduzer Förster ins Freie. Im Rahmen der Ausstellung Anfang September wird übrigens der Vorarlberger Sebastian Geiger von Blumen Kopf Frastanz mit Künstlerin Anna Jermolaewa über die Kornblume sprechen.

Der Projektraum ist bis 17. Jänner 2021 kostenlos zugänglich. Programm: www.kunstmuseum.li.

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