Kultur

Symbol, Form, “Wegzeichen”

10.08.2020 • 20:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Franz Gassners "Zeichenfeld" Triptychon in der Galerie Arthouse.<span class="copyright"> Lisa Kammann</span>
Franz Gassners "Zeichenfeld" Triptychon in der Galerie Arthouse. Lisa Kammann

Werke des Künstlers Franz Gassner sind in Bregenz zu sehen.

Die weit zurückreichende Geschichte Armeniens, seine Topografie und seine kollektiven Wunden beeinflussen das Schaffen von Franz Gassner. Bereits 1983 reiste der 1941 in Frastanz geborene Künstler in das Land, als er an einem Kulturaustauschprogramm zwischen dem Land Vorarlberg und Armenien teilnahm. Es folgte eine weitere Reise, und noch heute setzt sich Gassner mit dem Staat, gelegen am Schnittpunkt zwischen Orient und Okzident, künstlerisch auseinander. In der Bregenzer Galerie Arthouse kann sich der Besucher derzeit in der Schau „Wegzeichen“ ein Bild davon machen, auf welche einzigartige und typische Weise dies geschieht.

Reduktion

„Konzentration und Reduktion“ sind die wesentlichen Instrumente seines Schaffensprozesses, wie der Künstler selbst in einem Begleittext schreibt. Unter diesem Zeichen stehen einerseits Öl- und Acrylmalereien, bestimmt durch Blau- und Weißtöne. Neben einigen Kreide-Bildern sind hauptsächlich Linolschnitte auf Japanpapier zu sehen. Flankiert ist der Ausstellungsraum von zwei großformatigen „Zeichenfeld“-Werken aus dem Jahr 2001. Auch hier ist die Malerei auf Grundstrukturen reduziert, schreibt Gassner: Striche als Zeichen auf einem monochronen Hintergrund sind die Basis für Kompositionen mit horizontalen und vertikalen Formen.

Neues Werk "Ararat" in Blautönen. <span class="copyright">Lisa Kammann</span>
Neues Werk "Ararat" in Blautönen. Lisa Kammann

Der in der Galerie aufliegende Text Gassners hatte der Künstler ergänzt durch eine Art Legende jener Symbole, die sich in den Linolschnitten wiederfinden. Auf die geometrischen Grundformen herunterge­brochen stehen diese im Text in Beziehung zu der Geografie und der komplexen und schmerzhaften Geschichte Armeniens – und, darüber hinaus, mit dem eigenen, individuellen Trauma: Im Alter von 14 Jahren erlitt der Künstler einen schweren Unfall. Die Grundformen symbolisieren Existenzielles, so wie das Quadrat für das Vergängliche und menschliche Dasein steht.

Ararat

Gassner beschreibt das armenische Hochland, wo sich in Richtung Süden, knapp über der Grenze zur Türkei, „das mächtige Massiv des mythischen Berges Ararat“ erhebt, so der Künstler. Der Vulkanberg mit seiner schneebedeckten, pyramidischen Spitze kehrt bei Gassner wiederholt als reduzierte Form wieder, wie in den beiden, 2020 geschaffenen Diptychen „Ararat“.

Franz Gassner. „Wegzeichen“. Bis 12. September in der Galerie Arthouse, Bregenz. Mo. bis Fr., 14 bis 18 Uhr, Sa., 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Mit dem grausamen Völkermord, dem im Jahr 1915 rund eineinhalb Millionen Armenier zum Opfer fielen, setzt sich der Künstler in dem Linolschnitt „Musa Dagh“ auseinander, das zu diesem Anlass in einem schwarzen Trauer-Rahmen gefasst ist, wie der Galerist Herbert Alber erklärt. Der Titel steht in Verbindung zu Franz Werfels historischem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“. Auch die armenischen Lautzeichen der eigenständigen armenischen Sprache können in einem Druck Gassners entdeckt werden.

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