Kultur

Alte Musik im besonderen Konzert

19.08.2020 • 18:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Reinigungszeremonie im KUB Konzert. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Reinigungszeremonie im KUB Konzert. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

„Vocal Distancing“ hieß es am Dienstag im Kunsthaus Bregenz.

Der Sprung vom 16. ins 21. Jahrhundert gelingt mit Vokalmusik vielleicht besonders gut, vor allem wenn sich Sänger zum Ensemble finden, die in beiden Epochen zuhause sind. Im Kunsthaus Bregenz erlebte das Publikum die spannende Gegenüberstellung von italienischen und englischen Madrigalen mit zeitgenössischer Musik. Hanna Herfurtner hatte das Programm „Vocal Distancing – jetzt live!“ konzipiert. Sie musste ihre Mitwirkung zwar absagen, doch mit Johanna Zimmer kam eine Sopranistin der Neuen Vocalsolisten Stuttgart, die das wahrlich ungewöhnliche Programm innerhalb kurzer Zeit übernehmen konnte – chapeau!

Die "Festtage im Festspielhaus" waren im KUB zu Gast. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Die "Festtage im Festspielhaus" waren im KUB zu Gast. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Olivia Stahn mit der schlank geführten Sopranstimme, die französische Mezzosopranistin Amélie Saadia mit ihren charaktervollen Farben, der flexible Tenor Tim Karweick und der kernige Bariton Martin Gerke sind dazu im Ensemble The Present vereint, Lee Santana hat zu seiner Renaissance-Laute auch eine (etwas irritierende) E-Gitarre mitgebracht.

Spiel von Schmerz und Freude

Passend zur Corona-Zeit wurde das Konzert auch mit einer „Reinigung“ eingeleitet: intensives Händewaschen, dazu „Happy Birthday“ in einem feinen sechsstimmigen Satz und ein tiefernster Abgang – so lässt sich ein Konzertbeginn auflockern! Verschiedene Sätze aus Luciano Berios Zyklus „a-ronne“ zogen sich als roter Faden durch das Konzert – der Italiener, der zeitweise mit der Sängerin und Komponistin Cathy Berberian verheiratet war, setzt Sprache und Stimme und musikalische Zitate ein. In einem Solostück von Cathy Berberian setzte Bariton Martin Gerke diesen spielerisch-virtuosen Umgang mit der Stimme fort. Die so filigran aufeinander abgestimmten Chorsätze von Orlando di Lasso und Luca Marenzio, das virtuose Vogelkonzert von Clément Janequin oder das von Tim Karweick und Lee Santana sensibel vorgetragene Lautenlied von John Dowland wurden freilich ein wenig erdrückt von Berios Stücken. 

Im  Konzert. <span style="color: rgb(111, 111, 111); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;"><span class="copyright">Kunsthaus Bregenz/Anja Köhler</span></span>
Im Konzert. Kunsthaus Bregenz/Anja Köhler

Der amerikanische, in Deutschland lebende Komponist Sidney Corbett schickt die Sopranistin in seinem „Gebet“ auf einen mystischen Text in stratosphärische Höhen und verlangt einen großen Ambitus auch ins tiefere Register: Zimmer meisterte das schwere Solostück souverän. In Catherin Lambs „Pulse/Shade“ wurde man mit behutsam pulsierenden Reibeklängen in einen Raumklang hineingezogen. Höhepunkte für die Freunde der Alten Musik waren sicherlich die beiden Stücke von Monteverdi: „Lamento della Ninfa“ als Klagesang der Sopranistin Stahn im Dialog mit den kommentierenden Unterstimmen, und das virtuose Duett „Zefiro torna“, in dem die beiden Sopranistinnen das Spiel von Wind und Wellen, Echo, Schmerz und Freude nachzeichnen. Das Publikum im Kunsthaus war begeistert von diesem besonderen Programm!

Katharina von Glasenapp

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