Kultur

Liebe auf Italienisch

20.08.2020 • 19:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sopranistin Anna El-Khashem und Bariton Johannes Kammler. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Sopranistin Anna El-Khashem und Bariton Johannes Kammler. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Italienische Liebesgedichte beim zweiten “Musik & Poesie”-Abend.

Sehnsucht, Liebe, aber auch der Tod wurden am vergangenen Mittwoch beim zweiten „Musik & Poesie“-Abend im Seestudio besungen. Sopranistin Anna El-Khashem und Bariton Johannes Kammler präsentierten im Rahmen der „Festtage im Festspielhaus“ eine Auswahl aus Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“, begleitet wurden sie am Klavier von Rita Kaufmann. Dabei wechselten sich die beiden Sänger weitgehend ab, und auch die Stimmungen wechselten zwischen Herzschmerz, inniger Liebe, verspielten Neckereien, Heiterkeit und Melancholie hin und her. Italienische Liebesgedichte sind die Basis dieser gefühlsbetonten musikalischen Werke – der damalige Lyrik-Star Paul Heyse hat in seinem Band aus dem 19. Jahrhundert über 100 dieser meist sehr kompakten Werke versammelt. Wolf vertonte 46 der Monologe, die in zwei Bänden 1890/91 und 1896 erschienen.

Am Klavier: Rita Kaufmann. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Am Klavier: Rita Kaufmann. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Die aus St. Petersburg stammende El-Khashem, die unter anderem beim Gesangswettbewerb „Neue Stimmen“ 2019 ausgezeichnet wurde, war bereits bei den Bregenzer Festspielen 2016 als Bastienne zu erleben. Am Mittwoch fächerte die junge Sängerin das ganze Spektrum von Liebeslust bis zu Liebesfrust auf. Ob mit großer Sehnsucht („O wär dein Haus durchsichtig wie ein Glas“), dramatisch („Wenn du, mein Liebster, steigst zum Himmel auf“), flehend („Mir ward gesagt, du reisest in die Ferne“) oder keck und selbstbewusst („Ich hab’ in Penna einen Liebsten wohnen“) – El-Khashem schafft es, mit ihrer Stimme das Gefühl zu transportieren und den Zuhörer zu vereinnahmen.

Zusammenspiel

Nicht weniger Facetten zeigte Kammler, ebenfalls „Neue Stimmen“-Preisträger und Mitglied der Staatsoper Stuttgart. Schwärmerisch und ebenso voller Sehnsucht gibt sich Kammler den Liedern der Liebe hin, die bis zur Selbstaufopferung reichen (Sterb’ ich, so hüllt in Blumen meine Glieder“) – wobei bei seinem Part oft auch christlich-religiöse Inhalte mitschwingen („Gesegnet sei, durch den die Welt entstund“). Auch hier reicht das Spektrum von feierlicher Ruhe bis zu emotionalen Extremen.

Liebeslieder im Seestudio. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Liebeslieder im Seestudio. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Beide Sänger interagierten mehrmals miteinander – und mit Pianistin Kaufmann, was mal mehr und mal weniger reibungslos funktionierte. Die perfekte Harmonie herrschte besonders im zweiten Teil, als von Richard Strauss vertonte Gedichte erklangen: ein wunderschönes Zusammenspiel. Nachdem Hermann von Gilms „Nichts“ dem Publikum vor Augen geführt hat, wie wenig wir von der Welt wissen, gab es noch eine Zugabe: Schuberts „Licht und Liebe“ war der Höhepunkt der wärmenden Liebesgefühle – ein sehr schönes Duett, das sogar mit einem Kuss der Sänger besiegelt wurde. Um den Abschied wohl noch ein wenig aufzulockern, folgte Johannes Brahms’ „Vergebliches Ständchen“. An diesem Abend wurden eben alle Gesichter der Liebe gezeigt – die Zuschauer dankten mit langem und kräftigem Applaus.

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