Kultur

Bejubelter Abschied von Philippe Jordan

24.08.2020 • 20:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gab sich noch einmal die Ehre: Philippe Jordan. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis</span>
Gab sich noch einmal die Ehre: Philippe Jordan. Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis

Höhepunkt zum Abschluss der „Festtage“ mit Philippe Jordan.

„Es ist so schön, wieder hier zu sein“ – so wandte sich Philippe Jordan ans begeisterte Publikum, als er die Zugabe, eine fulminant prickelnde Polka von Johann Strauss, ankündigte. Und man kann ihm nur zustimmen: Die Wiener Symphoniker, Festspielorchester in Bregenz seit Anbeginn, setzten mit dem letzten Konzert ihres Chefdirigenten und einem ganz Richard Strauss gewidmeten Programm einen abschließenden Höhepunkt der „Festtage“. Ein solch groß besetztes Orchester mit allein fünf Schlagwerkern, zwei Harfen, Celesta, den facettenreichen Klangfarben der Holz- und Blechbläser über einer satten Streichergruppe hat man seit fünf Monaten nicht mehr auf der Bühne gesehen. Die charaktervollen Tondichtungen über Don Juan und Till Eulenspiegel entfalten ihr Potential im Live-Konzert viel mehr als jede Konserve, und mit der „Rosenkavalier“-Suite tauchte das Publikum ein in die Welt von einer der schönsten Opern.

Markante Körpersprache

Jordan, der Schweizer Dirigent, hat die Wiener Symphoniker seit der Saison 2014/15 geformt und war regelmäßig auch bei den Bregenzer Festspielen präsent: Nicht für die Opernproduktionen, sondern mit hochkarätigen Konzerten wie dem Brahmszyklus im vergangenen Jahr oder dem konzertant dargeboten ersten Akt von Wagners „Walküre“. Bevor er im Herbst als Musikdirektor an die Wiener Staatsoper wechselt (und damit von den Symphonikern zu den Philharmonikern), hatte er sein Orches­ter auf die Musik von Richard Strauss eingeschworen. Mit seiner differenzierten Detailarbeit, dem Sinn für straffe Dynamik und, als Gegenpol dazu, wunderbar ausgesungenen lyrischen Passagen begeisterte der Dirigent mit der markanten Körpersprache Orchester wie Publikum.

Schlusspunkt der "Festtage im Festspielhaus". <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis</span>
Schlusspunkt der "Festtage im Festspielhaus". Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis

Recht schneidig und knallig setzte er das Portrait des „Don Juan“ in Strauss’ früher Tondichtung nach Nikolaus Lenau an, um sogleich mit Harfenrauschen, Solovioline (den neuen Konzertmeister Dalibor Karvay konnten Musikfreunde der Bodenseeregion bereits vor Jahren als Meisterschüler von Boris Kuschnir erleben) oder den warmen Klängen der Solo-Oboe die Verführungskünste des spanischen Edelmanns zu skizzieren. Orchesterglanz und Zartheit, gleißendes Licht (mit der brillanten Horngruppe) und Entsetzen zum Schluss faszinierten bereits zum Auftakt des gut einstündigen Programms.

Freche Partitur

Keine Corona-Stoffmaske, sondern eine Narren-Schellenkappe setzte Till Eulenspiegel auf, um Bürgern, Adligen und Klerikern den Spiegel vorzuhalten und ihnen mit seinen Späßen eine lange Nase zu drehen. Für Strauss bot sich die Gelegenheit, eine seiner frechsten und aussagekräftigsten Partituren zu schreiben, die reich an pointierten Kommentaren oder höfischen Szenen ist, mit einem Hornmotiv, das immer wieder durch das Werk geistert und den Charakter seiner Hauptfigur spiegelt. Ein Fest für die Wiener Symphoniker!

„Wienerische Maskerad’“

Eine Oper im Kleinen erlebte das Publikum schließlich mit der „Rosenkavalier“-Suite op. 59: Jordan zeichnete das bunte Gewimmel ebenso wie die gro­ßen innigen Gefühle der „wienerischen Maskerad’“ mit einer Detailtreue und Farbigkeit nach, dass der Zuhörer jedes Wort hätte mitsingen können: Da sah man das lebhafte Treiben im ers­ten Akt vor sich, hörte die Melancholie der Marschallin und das zarte Gespinst zur „Überreichung der silbernen Rose“, genoss die seligen Bläserharmonien oder das zärtliche Träumen des Barons Ochs auf Lerchenau. Zwischen Eleganz, großem melodischem Fluss und Rausschmeißerderbheit spannten die blendend aufgelegten Wiener Symphoniker unter Jordan den Bogen – berauschend und bejubelt!

Katharina von Glasenapp

Bilanz und Ausblick

Insgesamt wurden an den neun Veranstaltungen der „Festtage im Festspielhaus“ 3422 Besucher gezählt. Mit jeweils 98 Prozent erzielten die „Musik & Poesie“-Abende sowie das Konzert im KUB die höchste Auslastung, gefolgt von den Orchesterkonzerten (62 Prozent) und „Impresario Dotcom“ (46 Prozent). Die gesamte Auslastung liegt bei 61 Prozent. Die Oper im Festspielhaus „Nero“ eröffnet am 21. Juli 2021 den Festspielsommer. Von den rund 203.000 aufgelegten „Rigoletto“-Tickets sind derzeit nahezu 130.000 gebucht. Für alle 28 Termine sind noch Karten vorhanden. Tickets: www.bregenzerfestspiele.com