Kultur

Fragen rund um das Bühnenspiel

25.08.2020 • 20:04 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ab Freitag wieder zu sehen: "Hollenstein, ein Heimatbild". <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Ab Freitag wieder zu sehen: "Hollenstein, ein Heimatbild". Anja Köhler

Stephanie Gräve spricht über die aktuellen Bedingungen am Theater.

s ist keine einfache Zeit“, sagt Stephanie Gräve, und meint damit die Theaterarbeit in Zeiten von Corona. Die Vorfreude auf das Programm sei aber groß, ergänzt die Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, die Aufführungen noch vor Saisonbeginn organisierte. Denn das Stück „Hollenstein, ein Heimatbild“ hatte im März gerade noch seine Uraufführung gefeiert, bevor der Lockdown das kulturelle Leben zum Stillstand brachte. Ab diesem Freitag wird die Inszenierung von Tobias Wellemeyer nach dem Text von Thomas Arzt wieder auf die Bühne im Großen Haus kommen – mit Corona-bedingten Adaptierungen.

Landestheater-Intendantin Stephanie Gräve. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Landestheater-Intendantin Stephanie Gräve. Anja Köhler

Eine Wiederaufnahme des Stücks war ein Anliegen der Intendantin, wäre ein Ausbleiben weiterer Termine doch eine „Vergeudung von künstlerischer Arbeit“. Besetzungsänderungen gibt es keine, die Gastschauspieler können anreisen. Adaptierungen gibt es trotzdem, denn das Stück muss gekürzt werden: Es sei zwar erlaubt, Pausen innerhalb der Aufführungen einzulegen, doch der Sicherheitsbeauftragte des Landestheaters habe davon abgeraten – es könne dabei nicht für eine sichere Bewirtung der Gäste im Theatercafé garantiert werden. Mit Unterbrechung hat das Stück zwei Stunden und 45 Minuten gedauert, nun wurde das Werk auf weniger als zwei Stunden gekürzt: ein großer Einschnitt mit Auswirkungen auf den Inhalt dieser komplexen Inszenierung, erklärt Gräve.

Körperliche Nähe

Nicht nur sind die Bedingungen für Theaterbesucher andere, auch hinter der Bühne zeigt die Corona-Pandemie Auswirkungen. Die Darsteller sollen sich etwa nach Möglichkeit selbst schminken, jede unnötige Berührung wird vermieden. Theaterproduktionen sind präzise getaktet, gerade, wenn durch Mehrfachbesetzungen schnelle Umzüge vonnöten sind, sind praktische Lösungen gefordert. Das könne eine Innovation bei der Requisite sein oder ein veränderter Einsatz von Musik, so Gräve.

Wie viel Nähe soll es auf der Bühne geben? <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Wie viel Nähe soll es auf der Bühne geben? Anja Köhler

Für die Theater gibt es einen gewissen Spielraum, was das Spiel auf der Bühne betrifft. Bei „Hollenstein, ein Heimatbild“ gebe es wenige Stellen, in denen eine körperliche Nähe auf der Bühne besteht, meint die Intendantin. Sie habe jedoch zur Vorsicht gemahnt: „Es ist gut, dass wir relativ frei entscheiden können“, so Gräve, „aber das erhöht auch die Eigenverantwortlichkeit“. Regisseure und Schauspieler sollten kein unnötiges Risiko eingehen, zumal die Darsteller nur ein Mal vor den Proben auf Covid-19 getestet wurden. Mehr Tests seien finanziell nicht machbar. Die Intendantin merkt die unterschiedliche Herangehensweise an den Häusern an: Während bei den Salzburger Festspielen Nähe auf der Bühne kein Problem darstellte, war man bei den „Festtagen im Festspielhaus“ vorsichtiger. Im Vier-Länder-Eck würden sich auch die nationalen Unterschiede zeigen: In Deutschland müssten ganze Stücke komplett uminszeniert werden, in der Schweiz nicht. In St. Gallen geht es ohne zusätzlichen Abstand im Publikum, dafür gilt auch am Platz die Maskenpflicht.

Zwei Drittel

Die Verordnungen, die Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer im Frühjahr verkündete, werden wohl in naher Zukunft bestehen bleiben, so zitierte Gräve die Politikerin. Und so kalkulierte die Intendantin die gesamte kommende Spielzeit mit einer Reduktion der Zuschauerplätze auf zwei Drittel – das sind nur noch rund 330 Sitze. Das Ausmaß der finanziellen Einbußen werde sich erst später zeigen, sagt Gräve. Viele ältere Menschen würden sich zudem nicht mehr ins Theater trauen, andere wiederum würden die finanziellen Folgen der Pandemie spüren. Die Premiere von „Woyzeck“ sei zumindest schon ausverkauft.

„Hollenstein, ein Heimatbild“ von Thomas Arzt. Termine: 28., 29., 30. August, sowie am 5. September, jeweils um 19.30 Uhr im Landestheater in Bregenz. Tickets: www.landestheater.org

Viele weitere Fragen machen der Intendantin zu schaffen: Was ist zum Beispiel zu tun bei Ausfällen, wenn ein Ensemblemitglied Erkältungssymptome zeigt? Zuvor wurde bei kleinen Infekten weitergespielt. Die Folgen von Corona werden das Haus noch weiter beschäftigen.

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