Kultur

Dem roten Faden folgen

04.09.2020 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Chiharu Shiota bei ihrer Arbeit in Markus Gells Druckwerkstatt. <span class="copyright">Museum für Druckgrafik Rankweil</span>
Chiharu Shiota bei ihrer Arbeit in Markus Gells Druckwerkstatt. Museum für Druckgrafik Rankweil

Empfehlenswerte Ausstellung von Chiharu Shiota in Rankweil.

Zarte rote Fäden breiten sich dicht gesponnen im Raum aus, sie verbinden zwei Menschen wie eine Nabelschnur miteinander, sie vernetzen oder verhüllen wie ein Kokon. Chiharu Shiotas Werke beschreiben Beziehungen, die bis zu unserer Verbindung mit dem Kosmos führen, sie behandeln existentielle Themen, und strahlen dabei eine in sich ruhende Stille aus. Nun sind einige ihrer Werke in Rankweil zu sehen, denn Shiota ist eine jener renommierten Künstler, die für ihre druckgrafischen Arbeiten in die Werkstatt von Markus Gell kommen. Seit etwa sechs Jahren widmet sich die Künstlerin, die vor allem durch ihre großen Installationen international bekannt wurde, auch dem Druck. Rund drei Viertel dieser Arbeiten entstanden laut Gell in Rankweil, wo Shiota nun eine beachtliche Schau gestaltet hat. Sie versammelt Originalzeichnungen, Lithografien und eine Installation. Dazu ist auch ein schöner Katalog in limitierter Auflage entstanden.

Die Installation in der Schau. <span class="copyright">Museum für Druckgrafik Rankweil.</span>
Die Installation in der Schau. Museum für Druckgrafik Rankweil.

Shiota wurde 1972 in Osaka geboren und lebt seit 1997 in Berlin, wo sie unter anderem bei Marina Abramovic und Rebecca Horn studierte. 2015 erlangte sie internationale Aufmerksamkeit, als sie bei der Biennale in Venedig den japanischen Pavillon mit der Installation „The Key in the Hand“ bespielte. In ein Gewebe aus rotem Garn hat sie dabei 50.000 Schlüssel verwoben. Eine Miniaturausgabe dieser Web-Arbeiten hat die Künstlerin auch in Rankweil realisiert: Die Druckmaschine „Original Heidelberg“ wurde von der Künstlerin mit feinem roten Garn dicht umsponnen. Die verflochtenen Fäden sind Symbol für die „Ausdehnung des Lebens über den Körper hinaus, wie in Schlaf und Traum, Gedanken und Imagination“, schreibt Peter Niedermair im Katalog.

Kleid und Körper

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und der eigenen Geschichte lassen Werke über Leben, Erinnerung und Tod entstehen. In einigen Lithografien („Bed“, 2015) beschäftigte sich Shiota mit der schweren Krankheit, die sie mittlerweile überwunden hat. Auf der großen Druckmaschine bei Gell wurden die Werke gedruckt, die direkt auf einen Kalkstein gezeichnet wurden. „Es ist ein besonderer Tanz zwischen dem Wasser, der Tinte und der Luft, der sehr feine Linien erzeugt, die man nur auf den Stein zeichnen kann“, sagt die Wahl-Berlinerin laut Katalog über ihre Lieblingsdrucktechnik. Auch ein beliebtes Motiv ist das Kleid, das laut einem Interview mit Shiota den abwesenden Körper repräsentiert.

Chiharu Shiota, "Dress in the Red", 2015. <span class="copyright">Museum für Druckgrafik Rankweil</span>
Chiharu Shiota, "Dress in the Red", 2015. Museum für Druckgrafik Rankweil

Die Künstlerin hat Malerei studiert, sich aber einige Jahre von der Kunstform abgewandt – Shiota erarbeitet unter anderem auch Performances. Jahre später begann sie wieder zu zeichnen, erst dieses Jahr entstanden ist die Serie „Connected to the Universe“, die den einzelnen Menschen, ebenfalls durch rote Fäden, mit blasenartigen Gebilden verbindet, die sowohl den Makrokosmos (das „All“) als auch den Mikrokosmos (Zellen) darstellen können. Für Gell sind dies Werke, die eine bleibende Wirkung haben – dem kann der Betrachter nur beipflichten. 

Chiharu Shiota. „Works on Paper“. Bis 26. September im Museum für Druckgrafik, Rankweil. Do. und Fr., 18 bis 20, Sa. 10 bis 12 Uhr geöffnet.