Kultur

Absagen durch Corona-Politik

25.09.2020 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dieses Wochenende gibt es kein SOV-Konzert im Montforthaus. <span class="copyright">David Mathiessen</span>
Dieses Wochenende gibt es kein SOV-Konzert im Montforthaus. David Mathiessen

SOV-Konzerte bis Sonntag und Schubertiade 2020 abgesagt.

Die aktuellen politischen Entscheidungen rund um die Corona-Pandemie haben erneut Konzertabsagen zur Folge. Am Freitag wurden sowohl die Abokonzerte des Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) abgesagt, die von gestern bis Sonntag geplant waren, als auch der letzte Schubertiade-Zyklus dieses Jahres. Den SOV-Konzerten in Feldkirch und Bregenz kam die Corona-Ampel in die Quere, die am Donnerstagabend im Rheintal und Walgau auf Orange geschalten wurde. Die Schubertiade-Konzerte von 1. bis 7. Oktober in Hohenems fielen der Reiswarnung zum Opfer, die Deutschland für Vorarlberg verhängte.

SOV-Konzert bei den "Festtagen im Festspielhaus". <span class="copyright">Dietmar Mathis/Bregenzer Festspiele</span>
SOV-Konzert bei den "Festtagen im Festspielhaus". Dietmar Mathis/Bregenzer Festspiele

Erst am Donnerstag erfuhr der Geschäftsführer des SOV Sebastian Hazod, dass eine Absage der Konzerte in dieser Woche unerlässlich ist. Im Laufe des Nachmittags erhielt er die Information, dass ihm durch einen Erlass der Gesundheitsbehörde die Bewilligung für die Veranstaltungen entzogen wird, wie Hazod im Gespräch erklärte. Die nun geltende Beschränkung der Besucherzahlen für Veranstaltungen im Innenraum von maximal 250 Zuschauern sei „für uns weder wirtschaftlich noch organisatorisch zu schaffen“, vermeldete der Geschäftsführer in einer Aussendung. Die vier Konzerte hätten jeweils zwischen 400 und 1000 Menschen besucht: „Wie sollten wir innerhalb eines Tages eine Auswahl unter 1000 Besucherinnen und Besuchern treffen und 750 von ihnen über eine Absage benachrichtigen?“, schilderte er die Problematik.

Gleichsetzung

Das SOV erarbeitete zuvor ein strenges Sicherheitskonzept, das bewilligt wurde, dem nun durch die Ampelfarbe aber die Gültigkeit entzogen wurde. Hazod ist überzeugt, dass damit die Sicherheit aller Anwesenden gewährleistet worden wäre. „Schwer nachvollziehbar“ ist für ihn die jüngste Verordnung, die Veranstaltungen aller Art gleichsetzt: „Dass ein Orchesterkonzert genauso behandelt wird wie ein Fußballspiel, ist für mich völlig unverständlich“. Der penibel geregelte Ablauf eines Konzerts, der genügend Abstand zwischen den Besuchern garantiere, sei damit nicht vergleichbar. Auch die „Festtage im Festspielhaus“ hätten den Erfolg derartiger Sicherheitskonzepte bewiesen. Genauso wenig nachzuvollziehen sei, dass das Land Vorarlberg im Vergleich zu Wien, das ebenfalls erhöhte Infektionszahlen aufweist, strengere Beschränkungen für alle Veranstaltungen verhängt.

Das Apollon Musagete Quartett bei der Schubertiade. <span class="copyright">Schubertiade</span>
Das Apollon Musagete Quartett bei der Schubertiade. Schubertiade

Trotz Absage bezahlt das SOV seine Musiker, unter anderem weil der allergrößte Teil ihrer Arbeit bereits in der Vorbereitung geleistet wurde. Hazods Team werde sich nun um eine rasche Rückabwicklung der Buchungen bemühen. Was die finanzielle Situation betreffe, werde man intern beraten, „wie es weitergeht“, sagte er. Er rechne mit einem „guten“ Jahresabschluss, die Situation im nächsten Jahr sei noch ungewiss. Auch darüber, ob die zweiten Abokonzerte Mitte Oktober stattfinden können, wagt der Geschäftsführer keine Prognose.

Sebastian Hazod. <span class="copyright">Dietmar Mathis</span>
Sebastian Hazod. Dietmar Mathis

Gerd Nachbauer, Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Schubertiade, spricht sich ebenfalls für eine differenziertere Betrachtung der Veranstaltungslandschaft aus. Das Konzertpublikum sei sehr diszipliniert, überhaupt seien die Sicherheitskonzepte von Kulturveranstaltungen bislang äußerst wirksam gewesen. Auch wenn die geplanten Schubertiadekonzerte im Hohenemser Markus-Sittikus-Saal die zugelassene Zahl von 250 Zuschauern nicht überschritten hätten, wünschte er sich im Gespräch, dass die Verantwortlichen allein jene Situationen unterbinden würden, die auch tatsächlich zu Infektionen geführt haben. Von einer pauschalen Regelung hält er wenig, diese schade der Region. 

Wachsende Verunsicherung

Ausschlaggebend für die Absage des letzten Zyklus 2020 war aber die Reisewarnung: Gut die Hälfte des Schubertiade-Publikums stammt laut Nachbauer aus Deutschland. Diesem ist es aktuell untersagt, für ein Konzert nach Vorarlberg zu reisen. Der Schubertiade-Leiter vernimmt darüber hinaus eine wachsende Verunsicherung des deutschen Publikums durch die Reisewarnung, besonders bei den Risikogruppen.

„Die Absage tut uns ausgesprochen weh, denn wir hatten gehofft, zumindest das Saisonende halbwegs versöhnlich und optimistisch gemeinsam mit Publikum und Künstlern begehen zu können“, heißt es in einer Aussendung. Der Wert bereits gekaufter Eintrittskarten wird in eine Gutschrift für die nächste Kartenbestellung umgewandelt. Diese soll im Laufe der nächsten Wochen zugesandt werden.