Kultur

Begegnung in einer Farbe

28.09.2020 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Blick in die Schau in Dornbirn. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Blick in die Schau in Dornbirn. Wolfgang Ölz

Werke von Jus Juchtmans sind in der Galerie c.art zu sehen.

Jus Juchtmans gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der monochromen Malerei in Europa. Die Galerie c.art zeigt eine Serie von zum Teil großformatigen Arbeiten, die in ihrem hohen Abstraktionsgrad verzaubern und zur Begegnung mit sich selbst einladen.

Johannes und Belinda Boch haben es sich am neuen Standort der Galerie c.art im Dornbirner Rohrbach schon heimisch gemacht. Das Galeristenpaar stellt Juchtmans unter dem Titel „Through your eyes only“ (Deutsch: Nur durch deine Augen) aus. Der Künstler bezeichnet im Gespräch seine Bilder als Vorschläge, die schon immer da waren und auf eine selbstverständliche Begegnung des Kunstkonsumenten mit sich selbst einladen. Juchtmans (geboren 1952 in Belgien, lebt und arbeitet in Antwerpen) arbeitet mit zehn verschiedenen Galerien zusammen und stellt regelmäßig weltweit aus. Kurt Prantl hatte auf einer Madrider Kunstmesse vor zehn Jahren ein Werk von Juchtmans gekauft und ihn eingeladen, in der Galerie am Lindenplatz in Vaduz und jetzt eben auch in der Galerie c.art auszustellen.

“Unkontrollierte Kontrolle”

Die monochrome Malerei bezeichnet eine Art zu malen, bei der nur eine Farbe in ihren Nuancen Verwendung findet. Juchtmans erweitert diese rigide Definition, indem er seine Bilder auch mit mehreren Farben, zum Beispiel Gelb und Blau und in Folge Grün malt. Das Urbild der Monochromie hat Kasimir Malewitsch mit der Serie „Das schwarze Quadrat“ (ab 1915) geschaffen. Zu den wichtigsten Vertretern der deutschen monochromen Malerei gehört Raimund Girke, der sich ab 1957 auf die Farbe Weiß beschränkte. Berühmt sind auch die Blau-Bilder von Yves Klein oder die großflächigen, oft einfarbigen Gemälde von Mark Rothko. Während Rothko den Betrachter zu einer mediativ-mystischen Überprüfung seiner Bildfindungen einlädt, betont Juchtmans das Fleischliche, das Sinnliche, das Weltliche seiner Arbeiten. In manchen Bildern spiegelt sich der Betrachter bruchstückhaft, einer könnte an den Apostel Paulus erinnert sein, der im Hohen Lied der Liebe sagt: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse.“

Künstler Jus Juchtmans. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Künstler Jus Juchtmans. Wolfgang Ölz

Juchtmans arbeitet mit der Rakel auf der horizontal aufgelegten Leinwand und trägt die Acrylfarbe wie ein Stierkämpfer um das Bild tanzend auf. In „unkontrollierter Kontrolle“ trägt er täglich eine Schicht auf sein Bild auf, das er, wenn es für ihn fertig ist, mit dem Datum des Tages als Titel versieht.

Jus Juchtmans. „Through your eyes only“. Bis 14. November in der Galerie c.art, Dornbirn (Dr. Anton Schneiderstraße 28b). Mi. bis Fr., 10 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Zwei weitere Positionen sind derzeit im Rohrbach ausgestellt: Markus Hofer mit seinen witzigen Arbeiten, die durch seine bildhauerischen Eingriffe eine neue Bedeutungsebene erhalten. Da kann schon mal ein Topf in der Luft hängen, nur vom Wasserstrahl, der aus ihm fließt, in der Luft gehalten. Außerdem sind Arbeiten von Liddy Scheffknecht zu sehen. Die Künstlerin spielt in ihren „Bubblegums“ (2011), runde Teile, die wie bunte kleine Luftballons scheinen, mit dem Verständnis dessen, was eine Skulptur sein kann. Außerdem liegt der Galerie eine Liste mit erwerbbaren Kunstwerken von Gottfried Bechtold über Alexandra Wacker bis Walter Salzmann und Silvio Santini auf.

Wolfgang Ölz