Kultur

Gebaute Spuren im Kleinformat

15.10.2020 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Viele Keramikskulpturen sind im Künstlerhaus verteilt.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Viele Keramikskulpturen sind im Künstlerhaus verteilt. Klaus Hartinger

Tolle Skulpturen zeigt Ina Weber im Künstlerhaus Bregenz.

Mit ihrem Sinn für Architektur und urbane Räume und mit den Eindrücken von zahlreichen Reisen produziert Ina Weber (geboren 1964) ihre kleinen Keramikskulpturen, die derzeit im Palais Thurn & Taxis verteilt sind. „Stadt steht still“ heißt die Soloschau der in Berlin lebenden Künstlerin, die eine beachtliche Anzahl der spannenden und oft auch von Webers Humor zeugenden Objekte vereint. Aquarelle, die sich ebenfalls mit dem städtischen Raum befassen, sowie größere Installationen ergänzen die Ausstellung. Menschen sind keine abgebildet, Weber konzentriert sich stattdessen auf deren Spuren, die sie etwa mit ihren Bauten im öffentlichen Raum hinterlassen. Der Gang durch das Künstlerhaus ist eine unterhaltsame Entdeckungsreise, die auch die eigenen Wahrnehmungen in Erinnerung ruft.

"Bus Shelter". <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
"Bus Shelter". Klaus Hartinger

Weber möchte keine präzisen Architekturmodelle produzieren, wie sie bei einer Führung erklärt. Sie lässt sich zwar von realen Objekten inspirieren, ihre Keramikerzeugnisse sind jedoch weder maßstabgetreu noch halten sie sich genau an ihre großen Vorbilder. Ihre Werke sind also Skulpturen, so die Bildhauerin. Diese spezielle Eigenschaft, die aus einem Modell Kunst macht, zeigt sich bereits im Erdgeschoss: In der Mitte des Raums hat Weber Skulpturen aus Nutzbauten der Landwirtschaft versammelt, die ihr bei einer Reise nach Frankreich 2019 ins Auge gestochen waren. Silos, Wassertürme und Tanks sind zu sehen, sichtbar ist Webers Interesse an deren „großen hermetischen Formen“, sagt sie. Eine große Rampe ist jenen ähnlich, die an den Silos zum Verladen dienen.

Asia-Bar

Weltweit verbreitet ist der einfach hergestellte, weil in eine Form gespritzte billige „Monobloc“-Stuhl aus Kunststoff, der gerne als Gartenmobiliar dient. Drei Miniaturvarianten davon stehen im parkseitigen Raum des Obergeschosses. So putzig wie die kleinen Stühlchen auf den ersten Blick auch aussehen: So leicht wie ihre großen Geschwister sind die in Bronze gegossenen Skulpturen bei Weitem nicht. Ihre unebene lackierte Oberfläche verleihe den Objekten mehr Körperlichkeit, meint die Künstlerin.

"Hallo Imbiss".<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
"Hallo Imbiss". Klaus Hartinger

Offensichtlich wird in dieser Ausstellung auch die Vorliebe Webers für asiatisches Essen. Die Künstlerin war viel in China unterwegs, in Keramik fasst sie aber auch gerne die europäisierte Fast-Food-Version, also Asia-Imbissbuden in unseren Breitengraden. Die Black Box im Künstlerhaus hat sie genutzt, um dort eine schummrige Asia-Bar zu installieren, die – Stichwort Corona – leer ist und wohl gerade zusperrt, so Weber.
Einige Aquarelle der Künstlerin zeugen ebenfalls von ihren Reisen nach China. Hier führt sie den Betrachter oft zu den unschönen Ecken der Metropolen, in welchen die Armen sich eingerichtet haben. Der Arbeitsplatz eines Reifen-Reparateurs an der Straße Schanghais ist da zum Beispiel zu sehen.

Mobil-WC

Zwei größere „Bus Shelter“ bereichern die Balkonseite des Stockwerks. Sie sind Bushaltestellen im englischen Brighton nachempfunden. Die geschwungenen schmalen Häuschen dienen eigentlich dazu, sich zum Einstieg in den Bus anzustellen, sie werden aber auch zweckentfremdet, meint die Künstlerin: Ein Treffpunkt für Jugendliche, ein Schlafraum, oder eine Leinwand für Graffitis kann zum Beispiel daraus werden. Die Botschaft eines Schriftzuges aus Mosaiksteinchen („das langsamste Graffiti der Welt“) bleibt rätselhaft.

Ina Weber. „Stadt steht still.“

Bis 5. November im Künstlerhaus Bregenz. Dienstag bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, Sonntag, 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Während Weber aus dem Dachgeschoss ein Schwimmbecken gezaubert hat – natürlich auch nicht maßstabgetreu und ohne Wasser –, sind im Keller viele weitere Skulpturen platziert: Mobil-WCs, Altglascontainer oder abgewrackte Imbiss-Häuschen: Weber macht aus jedem Objekt ein tolles kleines Kunstwerk!

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