Kultur

Bis zum Ende wird gespielt

16.10.2020 • 19:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein gut eingespieltes Duo: Wolfgang Pevestorf (l.) und Robert Kahr. Auf der Bühne werden sie ohne Schminke stehen. <span class="copyright">Caro Stark</span>
Ein gut eingespieltes Duo: Wolfgang Pevestorf (l.) und Robert Kahr. Auf der Bühne werden sie ohne Schminke stehen. Caro Stark

Theater Wagabunt und Ensemble unpop zeigen Becketts “Endspiel”.

Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende.“ – Mit diesen Worten beginnt das „Endspiel“ von Samuel Beckett. Ob denn das Ende nun bald da ist oder nicht, der Meister des Absurden Theaters gewährt uns mit diesem Werk jedenfalls eine Gewissheit: Bevor es zu Ende ist, wird gespielt! Das Ensemble unpop und das Theater Wagabunt haben sich dies zur Aufgabe gemacht, gemeinsam bringen sie das Stück auf die Bühne des TIK in der alten Dornbirner Stadthalle. Nach „Warten auf Godot“ im Frühjahr 2017 ist es die zweite Kooperation mit Regisseur Stephan Kasimir und Ausstatterin Caro Stark, die sich einem Beckett-Klassiker annimmt.

Stephan Kasimir und Caro Stark. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Stephan Kasimir und Caro Stark. Klaus Hartinger

Und wie schon vor über drei Jahren sind es die Darsteller Wolfgang Pevestorf und Robert Kahr, die als versiertes Schauspielduo im Zentrum des Geschehens stehen. Es sind hier sogar die einzigen Darsteller auf der Bühne, wie Kasimir und Stark im Vorgespräch verraten. Pevestorf ist dabei besonders gefordert: Er wird nicht nur als Diener Clov hin- und hergeschickt, sondern schlüpft auch noch in die Rollen von Nagg und Nell. Kahr kann es sich als Hamm auf seinem Stuhl dagegen schon gemütlicher machen.

Kammerspiel

Bewusst wurde das von Beckett gezeichnete Herr-Knecht-Gefüge mit dieser Besetzungsschieflage forciert, meint der Regisseur. Zu Beginn des Stücks werde diese Ebene kurz betont, doch diese sei ohnehin bereits im Text enthalten. Der irische Schriftsteller habe „Endspiel“ als Kammerstück konzipiert, das die zwei Hauptdarsteller, eben die „Spieler“, in den Mittelpunkt stellt. Und jener Schauspieler mit dem höheren Status sitzt nun mal auf dem Stuhl, „und der steht auch nicht mehr auf“, sagt Kasimir amüsiert.
Für den Regisseur gibt es zwei Arten, sich diesem Stück zu widmen: Einerseits könne man die Metaphysik ausgiebig beleuchten – es gibt ja unzählige philosophische Abhandlungen zu dem Werk. Man könne sich aber auch auf die Komik konzentrieren, die durch die Makel und Abhängigkeiten der Figuren entstehen. Das Team entschied sich für Letzteres. „Zum Totlachen“ sei dieses Setting, meint Stark. In der rührenden Tragödie werde die große Komik dahinter erscheinen, ergänzt der Regisseur.

„Endspiel“ von Samuel Beckett. Premiere: Donnerstag, 22. Oktober, 20 Uhr im TIK in Dornbirn. Termine und Karten: www.unpop.at

Die vier Personen im „Endspiel“ haben sich in einem kleinen Innenraum verschanzt, während die Welt draußen bereits in Schutt und Asche liegt. Den Ort verlassen kann ohnehin keiner: Hamm ist blind und kann nicht gehen, auch Clovs Beine funktionieren nicht mehr richtig. Wenn Clov gehen würde, wäre Hamm dem Tode geweiht – und nur er weiß, wie man den Speiseschrank öffnet. Und dann sind da ja noch Hamms Eltern Nagg und Nell, die bei einem Tandemunfall ihre Beine verloren haben.

Was nun zu dem dystopischen, apokalyptischen Zustand der Welt geführt hat, und welche Katastrophe zum Ende führen wird, lässt Beckett offen, beziehungsweise lässt er es hinter den zwei Fenstern des Raumes zurück. Stark hat die beengenden Verhältnisse im Inneren mit einer nach hinten zulaufenden Schräge nochmals verdichtet. Katastrophe hin oder her: „Das“ Ende ist ohnehin – existenziell betrachtet – der Tod eines jeden. Und trotzdem wird zuvor gespielt und gelacht, wie Stark anmerkt. Damit geht es auch um die Absurdität des Lebens, die uns als Menschen ausmacht.

Kafkaesk

Das Ensemble unpop wird im nächsten Jahr wieder zwei Produktionen realisieren, es wurde vom Land Vorarlberg eine geringe Fördererhöhung zugesagt, so Kasimir – wie berichtet, sei das Budget für zwei Stücke zu knapp gewesen. Im Februar wird es unter anderem kafkaesk: In Thomas Köcks „dritte republik (eine vermessung)“ bereist eine Landvermesserin das Europa im Winter 1918/19.

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