Kultur

Kunst erfrischend neu erleben

20.10.2020 • 22:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ensemble mit Werken von Harald Gfader und Harry Marte. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Ensemble mit Werken von Harald Gfader und Harry Marte. Wolfgang Ölz

Harald Gfader kombiniert seine Malerei mit Werken von Kollegen.

Zum Geburtstag von Harald Gfader gibt es bei der KunstVorarlberg in der Villa Claudia in Feldkirch wirklich gute Kunst mit erstaunlichen Wechselwirkungen zu sehen. Das Konzept ist einfach: Zum 60er lud Gfader seine Freunde ein, ein Werk zu schicken. Die so zusammengefundenen Arbeiten stellte der Künstler aus Göfis in Zusammenhang zu seiner Malerei. Ein erfrischender Gedanke: So werden die zum Teil bereits eingefahrenen Kunstverfahren bekannter Vorarlberger Künstler wieder neu erfahrbar.

Kopfüber

Erstaunlich, was die parallele Hängung für Gemeinsamkeiten zu Tage bringt. Inhaltlich zum Beispiel, wenn das Lied „Moonchild“ des Bluesmusikers Harry Marte auf einer Vinylplatte seine Runden dreht, während das Gesicht von Marte von der Wand starrt und Gfaders „Moonman“ von 2008 sein Antlitz hinter einer Maske verbirgt. Die Arbeit „Demokratie“ lässt nur noch rechts unten eine schwache Lampe im Bild leuchten, während auf einer dunklen Fläche das Wort „Demokratie“ auf den Kopf gestellt ist, genauso wie die weibliche Figur von Albrecht Zauner, die kopfüber auf dem Sockel steht. Dazu stellt Gfader ein weißgemaltes Bild von Daisy Hoch, der 78-jährigen Hotelierin der Sonnenburg in Oberlech, die in München Malerei studiert hat.

Harald Gfader in der Ausstellung. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Harald Gfader in der Ausstellung. Wolfgang Ölz

Günter Bucher ist mit einer an seinem Lehrer Gunter Damisch geschulten gestachelten Einzeller-Struktur vertreten, die bestens zu den zwar in der Kontur weicheren, aber dafür umso ähnlicheren langen Flächen Gfaders passt. Emi Denk arbeitet mit zarten Rosatönen drei steckdosenartige Elemente aus, die mit einem ebenfalls in zartrosa Farbtönen gehaltenen Blumenstrauß bestechen. Gerold Hirn ist durch eine Leihgabe aus dem Nachlass vertreten, die ein dekoratives Muster in Spannung zu einem verschwindenden Jüngling bei Gfader stellt.

Scheintür

Marbod Fritsch setzt ein Rechteck in den Bildraum, das mit einer Scheintür von Gfader korrespondiert. Im Gespräch verweist Letzterer auf die kulturhistorische Tatsache, dass bereits die Etrusker in ihren Tempeln Richtung Osten Scheintüren angebracht haben, durch die die Seele nach dem Tod nach Osten, und damit in Richtung Paradies ins ewige Leben entschwinden würde. Im Bild „Die Verlorenen“ wird ein Bezug zu Lampedusa hergestellt: Köpfe ertrinken in tiefem Blau. Es handelt sich um ein gestisches Landschaftsbild, dessen Wellenbewegung mit einem hellen Schein versehen ist. Dieser Schein erinnert an die großen abstrakten Landschaftsbilder von Gerhard Richter, die zur Zeit im Bank Austria Kunstforum in Wien ausgestellt sind und ebenfalls Meerwasser und Wolkenbänke zum Thema haben. Dieser helle Schein ist das Prinzip Hoffnung, das bei allem Fatalismus und Weltschmerz der Kunst eigen sein kann.

Ehrlich

Gfader war einer der Gründer des Vereins KunstVorarlberg in Feldkirch, als er seinerzeit in Zorn aus der Bregenzer Künstlervereinigung ausgezogen war. Die Gründung der Kunstmesse Art Bodensee, an welcher er beteiligt war, und deren 17-jährige Entwicklung sieht er auch als persönlichen Erfolg. Gute Kunst ist absolut ehrlich, so ist der Malerkünstler überzeugt. So wie ein vier­eckiges Schnitzel aus der Lebensmittelfabrik unehrlich ist, so ist ein gutes Bild so ehrlich wie ein echtes Wienerschnitzel. Alles andere ist für Gfader „Marketing und Verkaufsstrategie“. 

Wolfgang Ölz

Colaterale Colaboration. Harald Gfader 2020 und Freunde. Bis 8. November in der Villa Claudia, Feldkirch. Fr., 16 bis 18 Uhr, Sa., 15 bis 18 Uhr, So., 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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