Kultur

“Wir brauchen Entwicklungsszenarien”

21.10.2020 • 21:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefania Pitscheider Soraperra. <span class="copyright">Ines Agostinelli</span>
Stefania Pitscheider Soraperra. Ines Agostinelli

Frauenmuseum-Direktorin Stefania Pitscheider Soraperra im Interview.

Die Gründerin Elisabeth Stöckler hatte bestimmte Ziele, die sie mit der Einrichtung des Frauenhauses realisieren wollte. Welche dieser Ziele erfüllt das Haus heute noch?
Stefania Pitscheider Soraperra: Elisabeth Stöckler, die ich auch persönlich sehr schätze, hat von Anfang an darauf gesetzt, die Frauen aus dem Ort und der Region einzubinden, und das ist nach wie vor ein Punkt, zu dem wir stehen. Die Frage „Wer spricht?“ ist für uns eine ganz zentrale. Jede Frau, die bei uns tätig ist und sich intensiv mit den Themen auseinandersetzt, soll auch mit dem Publikum in Beziehung treten – unabhängig davon, was sie mitbringt, ob sie Bäuerin oder Künstlerin ist, ob sie 16 oder 70 Jahre alt ist. Wir haben Frauen aus Hittisau und der Umgebung, und aus verschiedenen Nationen im Team.

Wie hat sich das Frauenmuseum in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?
Pitscheider Soraperra: Das Haus hat sich entwickelt von einem sehr bemerkenswerten Kulturprojekt im ländlichen Raum zu einem Haus, das überregional und sogar international wahrgenommen wird. Das Frauenmuseum ist zu einem selbstverständlichen und wichtigen Teil der österreichischen Kulturlandschaft geworden. Da ist in den vergangenen Jahren viel gelungen, und das ist auch wichtig, denn wir sind das einzige bekannte Frauenmuseum im ländlichen Raum weltweit.

Die Jubiläumsausstellung ist sehr facettenreich. Haben Sie persönlich während der Arbeit am Projekt auch etwas Neues dazugelernt?
Pitscheider Soraperra: Selbstverständlich! Dieses Projekt hat so viele Ebenen. In Vorarlberg kooperieren wir intensiv mit der IG Geburtskultur a-z, Frauenmuseen weltweit wurden eingeladen einen Beitrag zu leisten. Wir haben Interviews mit Menschen aus Vorarlberg gemacht, die ganz unterschiedliche Aspekte beleuchten. Es ist ein sehr universelles Thema, das mit dem Tod ausnahmslos alle Menschen betrifft. Und es ist ein erfüllendes Thema mit vielen Dimensionen, das man von allen Seiten betrachten kann. Und unser Raum für Geburt und Sinne konnte durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne finanziert werden, an der sich hunderte Privatpersonen und Firmen beteiligt haben.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Frauenmuseums?
Pitscheider Soraperra: Wir wünschen uns, dass wir endlich finanziell halbwegs vernünftig aufgestellt sind, denn das sind wir derzeit nicht. Im Vorarlberger Regierungsprogramm im vergangenen Jahr wurde zwei Mal festgehalten, dass das Frauenmuseum auf bessere finanzielle Beine gestellt werden solle. Und dann kam die Corona-Pandemie. Es geht aber nicht nur darum, das zu sichern, was da ist, sondern wir brauchen auch Entwicklungsszenarien. Und dazu braucht es Mittel.

Stefania Pitscheider Soraperra ist seit 2009 Direktorin des Frauenmuseums. Die Kunst- und Architekturhistorikerin war zuvor als Kuratorin, Kulturmanagerin und Publizistin tätig, unter anderem arbeitete sie für das Kunsthistorische Museum in Wien.

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