Kultur

Kosmos zwischen Weiß und Schwarz

22.10.2020 • 19:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Drago Persic zeigt aktuelle Werke in Hard. <span class="copyright">Drago Persic</span>
Drago Persic zeigt aktuelle Werke in Hard. Drago Persic

Kleinformatiges des Kulturpreis-Gewinners in der Galerie.Z.

Ein kurzer Film ist der Startpunkt für die Ausstellung von Drago Persic, der in der Galerie.Z neben dieser Ausnahme kleinformatige Bilder zeigt. Nach Sebastian Koch, der beim Vorarlberger Kulturpreis 2019 einen Anerkennungspreis erhielt und nach der Corona-Pause die erste Schau in der Harder Galerie gestaltete, kommt nun der Hauptgewinner der Auszeichnung zum Zug. Der Besucher kann dabei nicht nur das präzis ausgeführte Handwerk der Malerei und das raffinierte Spiel von Licht und Schatten in einem schier unendlichen Kosmos zwischen Schwarz und Weiß erleben. Persics Arbeiten in Hard zeugen darüber hinaus von einer intelligenten Motivwahl und Komposition, die gelegentlich auch eine Spur Humor erkennen lässt.

Flaggen

Diese Spur findet sich zuerst beim Super-8-Film, der nach Angaben von Persic eben den Anfang der Schau markiert. In einer Ecke steht der ratternde Projektor, der den collage-artigen Spot einer fiktiven Filmproduktionsfirma names „Jugo Film“ an die Wand wirft – Persic wurde 1981 in Banja Luka in Bosnien und Herzegowina geboren. Dann kann die Entdeckung der Bilder beginnen: Bewusst hat er daneben das Werk „Turiner Horse (Athens)“ platziert, erklärt der Wahl-Wiener im Gespräch. Zwei als Büsten zugeschnittene Pferde sind von wehendem Stoff umgeben. Hier verhält es sich wie bei vielen Werken des Künstlers: Die punktgenaue Ausführung und das so nuancenreiche Schattenspiel durch den Faltenwurf, das eine enorme Bildtiefe erzeugt, lassen den Betrachter staunen und setzen die Machart in den Vordergrund.

Links das einzige durchgehend farbige Bild in der Schau. <span class="copyright">Drago Persic</span>
Links das einzige durchgehend farbige Bild in der Schau. Drago Persic

Doch auch das Motiv selbst wird mit Persics Technik wie auf einer Bühne in Szene gesetzt und beschäftigt den Besucher – etwa durch die Freistellung des Objekts. Die Flaggen-Serie, die der Künstler für die Schau erschaffen hat, lässt die ebenfalls wehenden Stoffe in einem leeren Raum hängen, wodurch die Bewegung des fließenden Gegenstandes betont wird. Die drei Flaggen wurden auf Papier gemalt, alle anderen Werke sind mit Öl auf Leinwand gefertigt.

„crash“ und „splash“

Die Bewegung des Objekts drängt sich auch in den „splash“-Bildern auf. Turmspringerinnen werden während des Sprungs quasi eingefroren, „eine Zehntelsekunde später würden sie wieder anders aussehen“, gibt Persic zu Bedenken. In einem Bild vor weißem Hintergrund, wo nur der Schatten der Frau darauf geworfen wird, diente eine mit dem Teleobjektiv aufgenommene Fotografie als Vorlage. Damit wirke die Figur durch die verkürzten Arme wie eine Grabfigur aus der Renaissance, meint Persic.

Drago Persic.

„Mysterious Pair of Hands Hypnotize a Siamese Cat & Crashes“.

Bis 14. November in der Galerie.Z, Hard. Geöffnet Dienstag und Donnerstag, 18 bis 20 Uhr, Samstag, 10 bis 12 Uhr.

Wenn der Künstler nicht gerade Stoffe als Vorlage für seine Bilder inszeniert und dann selbst fotografiert, bedient er sich gerne Fotos, die er aus verschiedenen Quellen bezieht. Während des Lockdowns stieß er auf das Bild einer Katze, wie er erzählt. Über der Katze, die im dunklen Raum auf einem Pols­ter sitzt, schweben zwei Arme: Da will einer offensichtlich das Tier hypnotisieren. Auch der Titel der Schau „Mysterious Pair of Hands Hypnotize a Siamese Cat & Crashes“ wurde davon inspiriert. Später kam noch ein Werk mit einem Hund, ein Afghane mit glasigen Augen, dazu. Die „crashes“ wiederum zeigen das Ergebnis von Autokollisionen, aufgenommen von einem Fotografen im Kalifornien der 60er-Jahre, wie Persic informiert. Dazu hat der Künstler horizontale Kontrollstreifen hinzugefügt, die wieder an das Medium Film erinnern.

Schwarz

Nachdem Persic im Rahmen des Kulturpreises Vorarlberg einen Ausflug in die Welt der Farben gemacht hat, widmet er sich nun vornehmlich wieder der monochromen Malerei, gerade mal ein farbiges Bild zeigt er in Hard. Aktuell arbeite er an einem Buch, für das er unter anderem mit einem speziellen Schwarz experimentiert, so der Künstler. Zudem will er sich wieder verstärkt dem großen Format widmen. Doch auch im Kleinen überzeugt sein Werk.

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