Kultur

Zum doppelten Jubiläum

27.10.2020 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sopranistin Theodora Raftis bei den Proben zu "Entführung aus dem Serail". <span class="copyright">Christian Flemming</span>
Sopranistin Theodora Raftis bei den Proben zu "Entführung aus dem Serail". Christian Flemming

Mit einem Stück werden gleich zwei Geburtstage gefeiert.

Die Absagewelle während der Corona-Pandemie machte heuer auch nicht vor zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen Halt – man denke an das Beethoven-Jahr –, doch zumindest ein musikalisches Jubiläumsprojekt wird demnächst über die Bühne gehen: Mit „Die Entführung aus dem Serail“ feiern gleich zwei regionale Institutionen Geburtstag: Das Vorarlberger Barockorchester Concerto Stella Matutina (CSM) ist mittlerweile 15 und die Lindauer Marionettenoper 20 Jahre alt. Als Koproduktion kommt Mozarts Singspiel auf die Bühne, in Vorarlberg am kommenden Freitag und Samstag in der Kulturbühne Ambach in Götzis.

Sänger und Puppen

Unkompliziert waren die Vorbereitungen für das Stück aber nicht, wie CSM-Leiter Bernhard Lampert im Gespräch erzählt. Die Musiker der deutsch-österreichischen Kooperation brauchten zum Beispiel Pendlerbescheinigungen, um in Lindau proben zu können. In deutschen Orches­tergräben muss eineinhalb statt hierzulande ein Meter Abstand gehalten werden, in Lindau werden deshalb Trompeter und Schlagzeuger an einem anderen Ort musizieren. Für die geplanten Auftritte im bayerischen Aschaffenburg müssen zudem Unabkömmlichkeitsbescheinigungen eingeholt werden. Doch für die Teilnehmer würde sich der bürokratische Aufwand lohnen, so Lampert: Die Freude sei groß, dass dieses spezielle Projekt realisiert werden kann.

Die Sänger stehen mit den Puppen auf der Bühne.<span class="copyright"> Christian Flemming</span>
Die Sänger stehen mit den Puppen auf der Bühne. Christian Flemming

Speziell ist die Produktion zum Beispiel, weil die Lindauer Marionettenoper üblicherweise nicht mit Live-Musik arbeitet. Nun gesellen sich auch Sänger zu den Puppen, welche der künstlerische Leiter Bernhard Leismüller übrigens alle selbst baut. Leismüller wird das Singspiel inszenieren.

Jeder Sänger habe seine eigene Puppe, mit welcher er interagiert, erklärt Lampert. Daraus würden sich auch lustige Szenen ergeben. Der Vorarlberger Martin Summer, der seit 2019/20 im Ensemble der Staatsoper Hamburg engagiert ist, wird den Osmin singen, weiters werden Gloria Rehm (Konstanze), Theodora Raftis (Blonde), Daniel Johannsen (Belmonte) sowie Michael Feyfar (Pedrillo) zu erleben sein. Die Sprechrolle des Bassa Selim hat Hubert Dragaschnig, Schauspieler und Co-Leiter des Theaters Kosmos, inne. Die musikalische Leitung verantwortet Thomas Platzgummer.

Uraufführung

Warum wurde aber gerade „Die Entführung aus dem Serail“ als Jubiläumsstück ausgewählt? Es war das erste Werk, das die Lindauer Marionetten­oper vor 20 Jahren auf die Bühne brachte, wie der CSM-Manager informiert. Lampert zeigt sich begeistert von dem Stück, das zudem durch den deutschen Text dem Publikum entgegenkommen werde. Im „authentischen Klanggewand“ wird der Zuhörer das Mozart-Werk erfahren, wie im Programmheft steht. Dort ist auch ein historisches, interessantes Detail zu erfahren: Im Juni 1782, als in Wien die Uraufführung des Stücks vorbereitet wurde, mussten die Proben wegen einer Grippe-Epidemie für eine Woche unterbrochen werden.

Aufführungen

„Die Entführung aus dem Serail“.

Premiere heute, 19.30 Uhr, im Stadttheater Lindau. Weitere Termine: Morgen, 19.30 Uhr, Lindau. Fr., 30. Oktober, Sa., 31. Oktober, jeweils um 20 Uhr in der Kulturbühne Ambach, Götzis. Karten für Götzis gibt es unter www.v-ticket.at, Reservierungen unter kulturbuehne@ambach.at