Kultur

Rauschhafter Trip mit tollem Finale

28.10.2020 • 20:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kreativer Tausendsassa: Rolando Villazon. <span class="copyright">APA</span>
Kreativer Tausendsassa: Rolando Villazon. APA

„Amadeus auf dem Fahrrad“: eine liebenswerte Geschichte.

Er ist Sänger, Regisseur, Zeichner, Buchautor und Intendant der Salzburger Mozartwoche: Rolando Villazon, der mexikanische Tausendsassa, ist voller kreativer Ideen und, so scheint es, allgegenwärtig in der Kulturszene. Im Sommer legte er mit dem Buch „Amadeus auf dem Fahrrad“ eine besondere Liebeserklärung an Salzburg und den berühmtesten Sohn der Stadt, Wolfgang Amadeus Mozart, vor, fantasievoll, übersprudelnd, rauschhaft und mit einem tollen Finale. Sicherlich fließen viele autobiografische Züge in die Geschichte seines Helden Vian Maurer ein und natürlich taucht man tief in die Welt der Musik, der Kunst und des Theaters ein.

Rolando Villazon. Amadeus auf dem Fahrrad. Rowohlt, 416 Seiten, 26,90 Euro.

Vian, benannt nach dem französischen Autor Boris Vian (dessen „Der Schaum der Tage“ spielt ebenfalls eine Rolle), spielt seinem strengen Vater eine erfolgreiche Karriere als Opernsänger in Europa vor, hat allerdings nur eine Statistenrolle in einer schrägen Inszenierung des „Don Giovanni“. Immerhin hat ihm die eine Einladung zu den Salzburger Festspielen beschert und Vian tanzt selig durch die Festspielstadt. Liebenswert, skurril, tragikomisch sind seine Erlebnisse, etwa wenn sein Foto unverhofft immer wieder in der Lokalzeitung erscheint, er einen unsanften Zusammenstoß mit Cecilia Bartoli hat oder er sich des nachts mit Mozarts Denkmal unterhält. Seine Familiengeschichte vermischt sich mit der von Mozart und mit der des „Don Giovanni“, natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, und zwar mit einer Produktionsassistentin mit bunten Haarsträhnen und einen dämonisch wirkenden Gegenspieler.

Mit Perücke

Reale und fiktive Personen der Kulturwelt geben sich ein Stelldichein, die Hauptrolle aber spielt Mozart, der Bruder im Geiste für Vian ebenso wie für Villazon. Als der Vater ihn zurück nach Mexiko und in ein bürgerliches Beamtenleben holen will, kommt es zum Showdown: Im Transitbereich des Flughafens schnappt sich Vian ein Fahrrad und rast durch die Halle, angetan mit einer bunten Rokokoperücke. Wie Villazon hier auf wenigen Seiten die bewegte Biografie und den Geist Mozarts beschwört, gleicht einem sprudelnden Symphonie-Finale.  „Amadeus auf dem Fahrrad“ – natürlich kannte Mozart noch kein Rad – ist eine liebenswürdige Verbeugung vor einem Genie und seiner Geburtsstadt und bringt Festspielatmosphäre in eine für die Kultur höchst unsichere Zeit!

Katharina von Glasenapp

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