Kultur

Tor zu einer anderen Dimension

30.10.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Stefan Kainbacher und das "Portal". <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Stefan Kainbacher und das "Portal". Klaus Hartinger

Kollektiv Neon Golden beim Lichtstadt Feldkirch „Spotlight“.

Ein außergewöhnlicher Turm in der Feldkircher Neustadt erregt seit einigen Tagen die Aufmerksamkeit der Passanten: 1,2 Meter breit und 4,8 Meter hoch ist das „Portal“, welches – bestückt mit insgesamt 400 LED-Lichtern – vor der Alten Dogana steht. Die Installation des Künstlerkollektivs Neon Golden ist Teil der absolut Corona-sicheren Mini-Version der Lichtstadt Feldkirch, „Spotlight“ genannt. Zwei weitere Stationen können dabei ab heute im Freien besucht werden: Künstlerin Miriam Prantl füllt den gläsernen Korpus der Kunstbox am Jahnplatz in ihrer neuen Installation „Aquamarin“ mit Meerwasser. In der James-Joyce-Passage zeigt David Reumüller abstrakte Bilder, die realen Situationen entspringen.

Spotlight

„Spotlight“ von Lichtstadt Feldkirch. An drei Stationen in der Innenstadt. Mit Neon Golden bei der Neustadt 37, Alte Dogana. Miriam Prantl bespielt die Kunstbox, neben dem Parkplatz am Jahnplatz. David Reumüller zeigt seine Werke in der James-Joyce-Passage. Ab heute, 30. Oktober, bis 22. November, immer Montag bis Samstag, 17.30 bis 22.30 Uhr.

Der aus Vorarlberg stammende Künstler Stefan Kainbacher gründete im Jahr 2005 das in Wien ansässige Kollektiv Neon Golden, das sich der visuellen Kunst verschrieben hat. Zuerst lag der Fokus dabei auf Visuals, die bei Konzerten und Fes­tivals zu elektronischer Musik gestaltet wurden, nun stehen komplexe Lichtskulpturen und Installationen im Mittelpunkt der Arbeit, wie auf der Homepage steht. Neon Golden ist ein Begleiter der Lichtstadt Feldkirch: Bei der ersten Ausgabe vor zwei Jahren war der „Tower“ am Palais Liechtenstein zu erleben, vor fast genau einem Jahr gab es einen „Vorboten“ zur für 2020 geplanten Ausgabe mit der Installation „Circle“ im kleinen Gymnasiumhof.

Kommunikation

Nun gibt es eben statt dem großen Lichtkunstfestival das „Spotlight“, und auch inhaltlich spiegelt sich die Corona-Pandemie in dem Werk von Neon Golden wieder – tragischerweise. Denn wie Kainbacher bei einem Gespräch erzählte, starb vor etwa einer Woche sein Mentor und Freund an den Folgen einer Covid-19-Infektion. In Gedanken fließt dieses Ereignis in die Arbeit mit ein, sie ist dem Verstorbenen gewidmet.

Lichtinstallation mit Morsezeichen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Lichtinstallation mit Morsezeichen. Klaus Hartinger

Im Wesentlichen geht es um Kommunikation, um die Vermittlung einer Botschaft: Das „Portal“ soll wie ein Tor zu einer anderen Dimension sein, durch welches Gedanken fließen, erklärt Kainbacher. Das klinge etwas nach Science Fiction, wie der Künstler zugibt, und die Installation wurde auch davon inspiriert. Die „Golden Record“ der Nasa, die potenziellen Außerirdischen im All Informationen zur Menschheit bereithält, hatte Kainbacher zum Beispiel dabei im Sinn. Nach dem Tod seines Freundes geht es ihm auch darum, eine letzte Botschaft zu übermitteln, gleich einem Ritual um abschließen zu können, sagt der Künstler.

Offene Partitur

Die Kommunikation mit dem „Portal“ funktioniert über Morsezeichen, die mittels Licht und Ton sichtbar werden. Die zwei Elemente sind eng miteinander verbunden, erklärt Kainbacher: Zusammen mit Sounddesigner Lucas Dietrich entwickelte er eine Interaktion der beiden Ebenen: Sound und Licht arbeiten hier zusammen. Ein Programm steuert das Ganze, aber nur bedingt, sagt der Wahl-Wiener: Wie eine offene Partitur ändere sich das Ergebnis im Lauf der Zeit. Theoretisch könne der Betrachter auch die Botschaft entziffern, nur müsse er dafür womöglich viel Zeit einplanen. Die Übertragungsgeschwindigkeit werde nämlich mal langsamer und verdichte sich dann wieder, so Kainbacher.

Interaktiv

Ein wenig interaktiv ist die Installation auch: Wenn das „Portal“ einen Betrachter aus einer gewissen Distanz registriert, „lockt“ er den Neugierigen zu sich, erklärt der Künstler. Dann geht es richtig los, mit Kunstnebel am Boden wird das Erlebnis noch verstärkt. Das warmweiße Licht soll zudem ein wärmendes Gefühl erzeugen, meint Kainbacher. Das „Portal“ soll der erste Teil einer Serie ähnlicher Objekte werden. Das Kollektiv stellt etwa Überlegungen an, im nächsten Jahr in Feldkirch eine Installation zu präsentieren, mit welcher die Besucher selbst Nachrichten eingeben können, die sich dann in ein Spiel aus Licht und Ton verwandeln. Man kann gespannt sein.