Kultur

Zurück zum Stillstand

03.11.2020 • 10:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Nichts los in der Remise Bludenz. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Nichts los in der Remise Bludenz. Klaus Hartinger

Zweiter Lockdown betrifft Museen, Theater und Kinos.

Und abermals steht die Kultur weitgehend still. Sämtliche Theater, Kinos und auch Museen bleiben aufgrund des gerade in Kraft getretenen zweiten Lockdowns geschlossen.  Die Maßnahmen tangieren kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungshäuser, besonders hart sind zudem die freien Kulturschaffenden durch die neuerlichen Einnahmensausfälle betroffen. Viele Akteure zeigen in ersten Reaktionen Verständnis für die aktuellen Verordnungen, sprechen aber auch von der Notwendigkeit einer langfristigen politischen Strategie – was Hilfsmaßnahmen, aber auch was die generelle Ein- und Wertschätzung des kulturellen Lebens betrifft.

Theater und Wettbüros

Am Bregenzer Theater Kosmos ruht nun ein fixfertiges Stück „quasi abholbereit“ in den Startlöchern, wie der Co-Leiter des Hauses Augustin Jagg auf Nachfrage sagt. Er inszenierte „Wunschloses Unglück“, das Stück von Peter Handke hätte diesen Donnerstag Premiere feiern sollen, nun soll es zu einem späteren Termin zu sehen sein.  Auch wenn die Schließung gerade in dieser Situation schmerze: „Wir tragen solidarisch den Lockdown mit“, sagt der Theatermacher, der auch die Wichtigkeit der Maßnahmen betont. Auf der anderen Seite bereite die Situation Jagg Sorgen, speziell was die Zukunft freier Kunstschaffender betrifft. Der Kosmos-Co-Leiter zeigte sich erfreut ob der Unterstützung von privaten Sponsoren, und auch die Jahressubvention des Landes würde dem Haus helfen – selbstständige Schauspieler, Musiker oder Bühnenarbeiter, die pro Engagement bezahlt werden, könnten auf diese Hilfe aber nicht zurückgreifen. Diese hätten schon vor der Corona-Pandemie Schwierigkeiten gehabt, die nun akuter werden würden.

“Wir tragen den Lockdown solidarisch mit”

Augustin Jagg

Mit der Kritik von Burgtheater-Direktor Martin Kusej, dass mit dem Lockdown etwa Theater- und Konzerthäuser mit anderen Mitteln der Freizeitgestaltung wie Wettbüros quasi gleichgesetzt werden würden, kann auch Jagg etwas anfangen. Für ihn hat das Theater als Ort des gesellschaftlichen Diskurses eine demokratische Relevanz. Die Kultur gelte es, als Teil der Gesellschaft wertzuschätzen.

Familienstück im Dezember

Sie sei traurig über den zweiten Lockdown, sagt die Intendantin des Landestheaters Stephanie Gräve – aber noch trauriger sei sie über die aktuelle Situation bezüglich der Corona-Pandemie. Angesichts der hohen Infektionszahlen hofft sie auf eine baldige Entspannung der Lage. Das Gute für die Theater sei, dass weiter geprobt werden kann und die Grenzen nicht geschlossen sind, meint Gräve. Sie plädiert im Gespräch für eine Unterstützung der Politik für freie Kulturschaffende. Das Familienstück „Pünktchen und Anton“ soll Anfang Dezember zu sehen sein. Auch „Tasso!“ ist für heuer weiter geplant.

Spontan

Kritik gibt es auch an der Schließung der Museen, denn lediglich noch die Verkaufsgalerien dürfen im November öffnen. Die gebürtige Bregenzerin Sabine Haag etwa, Direktorin des Kunsthistorischen Museums in Wien, sei „natürlich nicht“ mit der Schließung der Museen im Zuge des November-Lockdowns einverstanden, wie sie gegenüber der Austria Presse Agentur sagte.

“Die Kunst hat weiterhin etwas zu sagen”

Thomas D. Trummer

Thomas D. Trummer, Direktor des Kunsthauses Bregenz, empfindet die Schließung des KUB zwar als bedauerlich, zumal die Ausstellung von Peter Fischli damit nicht mehr zu sehen sein wird. Doch sehe er die Teilnahme am Lockdown als solidarischen Akt und als „richtig und wichtig“ an, so der Direktor im Gespräch. Während der Zeit des Lockdowns sei lediglich ein Teil der Mitarbeiter, etwa die Aufsichtspersonen, in Kurzarbeit, die Vorbereitungen auf die nächste Schau würden bereits laufen. Diese wird planmäßig ab 12. Dezember jene von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl sein. Für das KUB gelte es bis dahin, weiterhin sichtbar zu sein und spontan auf die Zeit zu reagieren. „Die Kunst hat weiterhin etwas zu sagen“, meint Trummer und verweist dabei auf eine aktuelle Aktion des Hauses.

Motivation

Hochbetrieb herrscht bei den Interessenvertretungen wie der IG Kultur Vorarlberg. Man sei gerade damit beschäftigt, alle Unterstützungsmaßnahmen des Bundes zusammenzutragen und darüber zu informieren, meint Geschäftsführerin Mirjam Steinbock auf Nachfrage. So sollen etwa auch gemeinnützige Organisationen von dem neuen Fonds, der 80 Prozent der Einnahmensausfälle kompensiert, profitieren. Doch sei bei der Errechnung zu bedenken, dass die Einnahmen von Kultureinrichtungen monatlich stark schwanken könnten, so Steinbock. Die IG Kultur sei auch eine Anlaufstelle für Einzelpersonen, betonte sie.

“Es braucht langfristige, nicht nur krisenbedingte Lösungen”

Mirjam Steinbock

Kulturpolitisch sollen nun langfristige, nicht nur krisenbedingte Lösungen für den Kulturbereich geschaffen werden, sagt Steinbock. Es müsse berücksichtigt werden, „wie die Kultur arbeitet“. Gespräche mit den Verantwortlichen seien laut der Interessenvertreterin bislang „sehr gut“. Schlussendlich gehe es auch darum, die Motivation der Kulturschaffenden zu bewahren und Perspektiven aufzuzeigen. Die Frustration mancher Akteure, die in den vergangenen Wochen viel Energie und Ressourcen in ein Präventionskonzept gesteckt haben und nun wieder Termine absagen müssen, könne sie verstehen.

Krisenarbeit in der Kulturabteilung

„Auch bei uns ist die Krise präsent“, sagt Winfried Nußbaummüller, Leiter der Kulturabteilung des Landes Vorarlberg. Anfragen betroffener Kulturschaffender würden erneut eingehen. Seine Botschaft: Jahresbeiträge würden auch bei Nichterfüllung des Programms weiterhin ausbezahlt. Außerdem sei die Kulturabteilung offen, was die Finanzierung alternativer Formate betrifft, welche im Lockdown Kultur möglich machen. Die bereits bestehenden Arbeitsstipendien wurden laut Nußbaummüller erneut um 50.000 Euro auf insgesamt 550.000 Euro aufgestockt. Die Initiative „Kultur im Jetzt“ würde im Dezember weiterlaufen. Was eine längerfristige Lösung betrifft, so soll das Budget im nächsten Jahr für die freie Szene „zumindest gehalten“ werden. Gespräche mit der IG Kultur seien noch diese Woche geplant.

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