Kultur

Die Stille ohne Kultur-Events

20.11.2020 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch im Löwensaal in Hohenems ist derzeit nichts los. <span class="copyright">Michael Gunz</span>
Auch im Löwensaal in Hohenems ist derzeit nichts los. Michael Gunz

Dieter Heidegger über die Situation der Kulturveranstalter.

Zwei Lockdowns mit Veranstaltungsverbot, dazwischen Einschränkungen und mehrmals wechselnde Verordnungen: Es ist beileibe kein einfaches Jahr für Vorarlbergs Kulturveranstalter, und die Aussichten bis zum kommenden Frühjahr sind ebenso trüb. Dieter Heidegger kann aus zwei Perspektiven Auskunft geben über die Lage der Veranstalter – und jener der verschiedenen Akteure, die in diesem Bereich zusammenarbeiten. Der Hohenemser Marketing-Fachmann ist einerseits Geschäftsführer des Homunculus Figurentheaterfestivals, an dem er seit über zehn Jahren mitarbeitet, und er organisiert andere Events mit. Außerdem ist Heidegger stellvertretender Fachvertretungsvorsitzender der Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe bei der Wirtschaftskammer Vorarl­berg. In dieser Funktion setzt er sich für die Interessen der Kulturveranstalter ein, sagt er in einem Gespräch. Dabei gibt er auch Auskunft über die Probleme der Branche in der Corona-Krise.

Dieter Heidegger (l.) mit Homunculus-Gastro-Chef Ortwin Peter. <span class="copyright">Dieter Heidegger</span>
Dieter Heidegger (l.) mit Homunculus-Gastro-Chef Ortwin Peter. Dieter Heidegger

Heidegger hat aber auch Positives zu berichten: So würde die Unterstützung des Bundes durch den NPO-Fonds ohne großen bürokratischen Aufwand greifen und somit den gemeinnützigen Vereinen helfen. Andere Veranstalter könnten etwa auf Fixkostenzuschüsse zugreifen. Zu Beginn der Krise im Frühjahr war Heidegger froh über die Zusage des Landes Vorarlberg, die Jahressubventionen trotz abgesagtem Programm auszuzahlen. Das sei „eine wichtige Botschaft“ gewesen, so Heidegger. Auch die Unterstützung des Landes bei der Ausbildung der Covid-19-Beauftragten begrüßt der Veranstalter. Die erstellten Sicherheitskonzepte der Kulturevents seien sehr schlüssig.

Zulieferer

Die Miteinbeziehung der Kulturveranstalter in die Corona-Hilfe ist auch notwendig, nicht zuletzt da in diesem Wirtschaftszweig zahlreiche Menschen arbeiten. Der Hohenemser verweist im Gespräch außerdem auf die vielen Zulieferer, die an einer Veranstaltung mitarbeiten und -verdienen: Designer und Grafiker, Ton-, Licht- und Bühnentechniker, Dekorateure und Caterer: Eine „lange Schlange“ an Unternehmen, Institutionen und Facharbeitern hängt an der Branche. Dem Homunculus-Geschäftsführer wäre dies persönlich noch einmal bewusst geworden, als er die Mitwirkenden kontaktierte, nachdem die diesjährige Ausgabe abgesagt werden musste. Nun hoffe das Team auf eine Durchführung des Festivals im Mai.

Know-how

Da nun aber die Branche in diesem Jahr weitgehend stillsteht und Veranstaltungen nur und unter strengen Auflagen realisiert wurden, hatten und haben viele Techniker – in Kurzarbeit oder selbstständig tätig – nichts oder nur geringfügig etwas zu tun. Heidegger befürchtet, dass einige dieser Bühnen-Experten nicht länger untätig bleiben wollen oder können und in andere Bereiche abwandern, und dass in der Sparte zukünftig dieses Know-how fehlen werde. Als Beispiel nennt er den Lichttechniker: Dessen Expertise und das Fingerspitzengefühl für die richtige Lichtstimmung seien sehr wichtig für Veranstaltungen.

Hoffen auf Frühjahr

Für den Dezember sieht Heidegger keine wesentliche Entschärfung der Lage, er rechnet mit weiteren großen Einschränkungen des Betriebs. Die Sparte hoffe vielmehr auf das Frühjahr oder den Frühsommer. Der Fachvertreter wünscht sich bis dahin weiterhin Unterstützung von Bund, Land und Gemeinden. Und er hofft, dass es sich bei den Statements der Politiker, dass Kultur wichtig sei, nicht nur um Lippenbekenntnisse handle. Das Bewusstsein um die Bedeutung der Kultur sei im Laufe des Jahres zwar gewachsen, doch Heid­egger betont trotzdem: „Ohne Kultur ist es ziemlich leise.“

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