Kultur

Optimistisch in Richtung Jubiläum

26.11.2020 • 18:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Seebühne von oben. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Seebühne von oben. Klaus Hartinger

Die Bregenzer Festspiele präsentierten das Programm 2021.

Die Zuversicht im Team der Bregenzer Festspiele, die kommende Spielzeit in gewohntem Umfang realisieren zu können, wächst stetig an. Nach der corona-bedingten Absage der diesjährigen Saison gab es im Sommer mit den Bregenzer Festtagen ein erstes positives Zeichen, gestern wurde in einer Aussendung das Programm für 2021 präsentiert. Für die 75. Ausgabe wurde aus den Vollen geschöpft, wie Intendantin Elisabeth Sobotka im NEUE-Gespräch bestätigte: Das Spektakel am See, eine opulente Hausoper, Konzerte, Uraufführungen und neues Musiktheater, Schauspiel und ein Kinderprogramm stehen auf dem Spielplan, der einige Besonderheiten bereithält. Zum Jubiläum und nach den diesjährigen Entbehrungen, so scheint es, soll es noch ein Quäntchen mehr Vielfalt und Reichhaltigkeit geben wie üblich.

„Wir finden in jedem Fall eine Lösung, um spielen zu können.“

Elisabeth Sobotka, Intendantin der Bregenzer Festspiele

Möglich wurde das Programm unter anderem dadurch, dass knapp die Hälfte der für 2020 gekauften Karten auf das nächste Jahr umgebucht wurden. Zwischen 16 und 17 Millionen Euro wurden durch Ticketkäufe bereits eingenommen, die gesamte Summe auszuzahlen wäre nicht einfach gewesen, so Sobotka. Wichtig sei die Unterstützung von Partnern, Bund, Land und Stadt gewesen. Auch die Kurzarbeit habe geholfen, meint die Intendantin: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Sobotka und zeigt sich dem treuen Publikum dankbar. Für 2021 sind insgesamt 230.000 Karten aufgelegt, allein für „Rigoletto“ gibt es 203.000 Karten an 28 Terminen. 135.000 Tickets davon sind schon gebucht. Die tatsächliche Platzkapazität aller Spielorte wird von den dann geltenden Covid-19-Bestimmungen abhängen. „Ich glaube, wir finden in jedem Fall eine Lösung zu spielen“, ist die Intendantin überzeugt.

Opulente Inszenierung

Es wird also optimistisch in die Zukunft geblickt – und davon ausgegangen, dass „Rigoletto“ im nächs­ten Jahr wieder den See belebt. Dirigieren wird diesmal erstmals eine Frau auf der Seebühne: Die britische Dirigentin Julia Jones wird die Wiener Symphoniker musikalisch durch die Verdi-Oper leiten. Die restliche Besetzung und die Inszenierung bleiben weitgehend gleich. Bis auf eine „Sequenz, mit der wir nicht ganz happy sind“, werde man nur Kleinigkeiten verändern, informierte Regisseur Philipp Stölzl.

Intendantin Elisabeth Sobotka gab der NEUE Auskunft. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Intendantin Elisabeth Sobotka gab der NEUE Auskunft. Anja Köhler

Auch „Nero“ bleibt als Haus­oper erhalten und eröffnet am 21. Juli die Saison. Unter der Regie von Olivier Tambosi wird eine opulente Inszenierung erwartet, was auch dem Stück geschuldet ist: Arrigo Boito habe mit seiner 1924 posthum uraufgeführten Oper versucht, Wagners Idee des Gesamtkunstwerks in italienischer Manier zu verwirklichen, wie die Festspiel-Intendantin erklärt. Wohl sei er deshalb nicht mit dem Werk fertig geworden, so Sobotka schmunzelnd. Dirk Kaftan hat die musikalische Leitung bei diesem „verrückten Riesenstück“ inne.

Regionale Verbundenheit

Von Beginn an begleiten die Wiener Symphoniker die Bregenzer Festspiele. Zum Jubiläum gibt es zwei besondere Aufführungen mit dem neuen Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada: Wagners „Das Rheingold“ kommt in einer halbszenischen Fassung von Regisseur Johannes Erath zur Aufführung. Mit dem thematisch regionalen Bezug sei das Stück genau richtig für die Ausgabe, meint Sobotka. Die Situationskomik in dem „witzigsten Werk Wagners“ sei genau zudem sehr geeignet für das halbszenische Format. Weiters steht das epochale Werk „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn auf dem Programm – mit dem Bregenzer Festspielchor und dem Kornmarktchor. Auch die Schöpfung der Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein kraftvoller Schöpfungsakt gewesen, auf den die Vorarlberger auch stolz sein könnten, meint Sobotka. Sie möchte die regio­nale ­Verbundenheit des Festivals betonen.

„Upload“

Die Intendantin freut sich, dass Brigitte Fassbaender wiedergewonnen werden konnte – unter anderem für das Opernstudio. Rossinis „Die Italienerin in Algier“ wird von jungen Sängern mit Unterstützung der erfahrenen Kammersängerin erarbeitet. Schauspiele gibt es gleich zwei: Mit Kleists „Michael Kohlhaas“ inszeniert von Regisseur Andreas Kriegenburg, kommt Hochkarätiges vom Deutschen Theater Berlin auf die Bühne – mit Darsteller Max Simonischek. In einer erstmaligen Kooperation mit dem Theater Kosmos wird zudem Bernhard Studlars „Lohn der Nacht“ uraufgeführt.

Unter anderem wird Alexander Moosbruggers "Wind" uraufgeführt. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Unter anderem wird Alexander Moosbruggers "Wind" uraufgeführt. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Uraufgeführt wird die neue Oper „Wind“ von Alexander Moosbrugger, den nächsten Opernatelier-Einblick gibt es bereits am 12. Jänner im Kunsthaus Bregenz. „Beethoven goes Africa“ mit dem Bochabela String Orchestra & Friends wird zu sehen sein, Neues gibt es mit „Upload“ auf der Werkstattbühne: Die interdisziplinäre Filmoper von Michel van der Aa geht der Frage nach, inwieweit ein Leben nach dem Tod durch Hochladen des Bewusstseins möglich sein könnte. „Ihr seid bereits eingeschifft“, die Kreation von Silvia Costa, wird uraufgeführt. Weiters geplant: Das SOV mit Leo McFall spielt Thomas Larchers neues Orchesterwerk, die Familienoper „Die Zeitreisemaschine“ sowie ein Wiedersehen mit Franui und Nikolaus Habjan. Die Vorfreude kann beginnen!

Termine (Auswahl)

„Nero“: Premiere am 21. Juli 2021, 19.30 Uhr, Festspielhaus.

„Rigoletto“: Premiere am 22. Juli, 21.15 Uhr, Seebühne.

„Michael Kohlhaas“: ab 23. Juli, 19.30 Uhr, Theater am Kornmarkt.

„Upload“: ab 29. Juli, 20 Uhr, Werkstattbühne.

„Lohn der Nacht“: 5. August, 20 Uhr, Theater Kosmos.

„Die Italienerin in Algier“: ab 16. August, 19.30 Uhr, Theater am Kornmarkt.

„Wind“: UA 19. August, 20 Uhr, Werkstattbühne.

„Ihr seid bereits eingeschifft“: ab 4. Juni, Seestudio.

Konzerte: „Die Schöpfung“: 26. Juli, 19.30 Uhr, Festspielhaus. „Das Rheingold“: 1. August, 11 Uhr, Festspielhaus.

Infos und Karten: www.bregenzerfestspiele.com.