Kommentar

Jeder ihre Chance

01.12.2020 • 21:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Neubesetzung der Bregenzer Kulturamtsleitung ging eine wochenlange Aufregung voraus. Die Frage der Zukunft dieses bedeutenden Amtes wird seit Tagen überschattet von der Kritik am Vorgehen des neuen Bürgermeisters Michael Ritsch. Dessen vielfach als radikal empfundene Umstrukturierung der Stadtregierung und -verwaltung stieß auf starken Unmut, die Volkspartei zeigt sich geradezu entsetzt. Der Wirbel um das Treiben des Bürgermeisters lenkt ab von der Frage: Braucht es eine neue Kulturamtsleiterin?

Stimmen aus der Opposition meinen, die Neubesetzung sei überflüssig, Jutta Dieing habe einen guten Job gemacht, Gründe für einen Wechsel gebe es keine. Dieing hat eine solide Kulturarbeit geleistet, die aber nicht ohne Kritik blieb. Viele sahen etwa Mängel im Sommerprogramm 2020, denkwürdige Momente bleiben wenige. Vielleicht fand die Deutsche nicht zu jedem Bregenzer Kulturschaffenden einen Draht. Umgekehrt hinterlässt Dieing nicht gerade einen kulturpolitischen Scherbenhaufen.

Ob Reichart mit dem Kulturservice einen besseren Job machen wird, wird die Zeit zeigen. Der Aufruhr um Ritschs Pläne färbt womöglich bereits vor ihrem Start auf die neue Leiterin ab. Eine Chance hat sie jedenfalls verdient – genauso wie damals ihre Vorgängerin.

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