Kultur

Die Geheimnisse des Meeres

02.12.2020 • 19:46 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Claudia Comte mit ihren Marmorskulpturen. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Claudia Comte mit ihren Marmorskulpturen. Oliver Lerch

Neue Ausstellung im Kunstraum Dornbirn ab heute zu sehen.

Eine Ausstellung in Vorarl­berg kann ab heute in jedem Fall besucht werden – alle weiteren Kunsträume, Museen und Galerien müssen sich bis 7. Dezember gedulden. Von einem „Schaufenster“ aus können nämlich Interessierte und Passanten in die aktuelle Schau im Kunstraum Dornbirn blicken. Eine Holztreppe wurde unter einem Fenster an der linken Seite des Eingangs angebracht, um einen guten Einblick zu gewähren: eine sympathische Idee. Das „Schaufenster“ habe sogar einen Vorteil, meint der Kunstraum-Leiter Thomas Häusle beim Pressetermin: Die Deckeninstallation und die Skulpturenserie am Boden, aus denen das Werk der Künstlerin Claudia Comte (geboren 1983) besteht, können vom Fenster aus besser gleichzeitig betrachtet werden als von innen. Dennoch ist es gut, dass die Schau begehbar wird. Dann kann der Besucher die 40 Skulpturen der Schweizerin näher begutachten.

Müll und Kunst

Die renommierte Künstlerin Comte arbeitet mit der Gegenüberstellung verschiedener Materialien, in ihrer Schau „The Sea of Darkness“ kommen zudem Handwerk und neue Technologien zusammen. Der Besucher ist auf den ersten Blick verblüfft: 40 Getränkedosen wurden in kostbarem Marmor nachgefertigt und auf einem Sockel aus Holz zum Kunstobjekt erhoben. Was zuerst – bereit zum Wegwerfen – zusammenquetscht wurde, präsentiert sich nun als wertvolle Kunst, als Gegenstand mit einer Ästhetik, die dem edlen Carrara-Marmor gerecht wird. Jede dieser Skulpturen ist einzigartig, sie sind alle einem realen Vorbild entsprungen. Die Dosen kommen von überall her, auch jamaikanisches Bier ist zum Beispiel dabei, wie Comte im Gespräch erzählt.

Dosen aus Marmor. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Dosen aus Marmor. Oliver Lerch

Ihre Schau behandelt das Thema Umweltverschmutzung: So wie die Dosen aus der ganzen Welt stammen, so weiß auch jeder Mensch auf dieser Erde, wie schädlich die Müllmassen für den Planeten sind, meint die Künstlerin. Zu ihren Skulpturen hat sie aber eine positive, beinahe innige Beziehung, wie sich im Gespräch mit Comte zeigt: Jedes Objekt hat einen individuellen Namen, der sich oft auf ihre Herkunft bezieht, erklärt sie. Die Dosen wurden von Comte mit Bedacht verformt, und dann mit dem 3D-Scanner gescannt. Die dreifach vergrößerte Vorlage wurde dann mit einer neuen Technologie aus dem Marmor gefräst. Das Finish und die aufwendige Politur wurde wiederum in Handarbeit von Comte erledigt.

Anfang und Ende

Nun stehen die verschiedenen Objekte auf einem genau bemessenen Raster von weiß bemalten Holzsockeln. Diese sind, wellenförmig angerichtet, unterschiedlich hoch: Jeder Besucher, ob groß oder klein, soll eine geeignete Perspektive finden können, so Comte. Die Wellenform findet sich wieder auf einem großen weißen Segel, das über die Decke gespannt wurde. Darauf zu lesen ist ein Text, der auch beim „Schaufens­ter“ aufliegt. Er stammt aus einem 1951 erschienenen Buch von Rachel L. Carson, einer US-Pionierin des Umweltschutzes. Sie schreibt darin über die letzten Mysterien des Meeres, die die Menschheit womöglich nie entdecken wird – trotz aller technologischen Möglichkeiten. Die Schrift auf dem Segel beginnt klein und stark wellenförmig, ebnet und vergrößert sich dann bis zum letzten Satz, der auf Deutsch übersetzt heißt: „Denn alles kehrt ins Meer zurück – in den Okeanos, den Ozean-Strom, der gleich dem ewig fließenden Strome der Zeit Anfang und Ende ist“. Das weckt die Faszination und Demut vor der Natur.

Die Installation an der Decke. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Die Installation an der Decke. Oliver Lerch

Comte ist keine Künstlerin, die mit grellen Installationen auf sich aufmerksam macht. Vielmehr besitzt sie eine große Hingabe zu den Materialien, die sie sorgfältig bearbeitet, und in künstlichen Landschaften inszeniert. Genau das Richtige für die aktuelle Zeit.

Zur Ausstellung

Claudia Comte. „The Sea of Darkness“. Das Schaufens­ter ist ab heute geöffnet. Die Ausstellung ist ab kommendem Montag, den 7. Dezember begehbar. Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr. Die Schau läuft bis zum 28. Februar.