Kultur

Trübe Aussichten für Landestheater

03.12.2020 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Vorarlberger Landestheater ist in Krisenzeiten mit einer Budgetkürzung konfrontiert. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Das Vorarlberger Landestheater ist in Krisenzeiten mit einer Budgetkürzung konfrontiert. Anja Köhler

Nicht nur die Corona-Krise macht dem Haus zu schaffen.

Bis auf Weiteres geschlossen bleiben auch nach den jüngsten Lockerungen die Theater, die nun wieder mit Ungewissheit konfrontiert sind. Denn wann die Häuser wieder geöffnet werden können, soll erst Mitte des Monats bekanntgegeben werden. Neben der erneuten Planugsunsicherheit greifen die Hilfsmaßnahmen nicht überall, wie Gespräche mit Verantwortlichen zeigen. Betroffen ist diesbezüglich das Vorarlberger Landestheater, das ohnehin zu kämpfen hat: Das Budget des Dachunternehmens Kuges wurde für 2021 gekürzt, auch die weiterhin desolate technische Einrichtung des Theaters trübt die Hoffnung auf einen Aufschwung im nächsten Jahr.

Intendantin Stephanie Gräve. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Intendantin Stephanie Gräve. Anja Köhler

Im Theater Kosmos in Bregenz steht immer noch die Produktion „Wunschloses Unglück“ bereit, die für Anfang November geplante Premiere musste wie berichtet kurzfristig abgesagt werden. Sobald wieder gespielt werden könne, sei das Stück nach dem Text von Peter Handke zu sehen – mit nur wenigen Tagen Vorlaufzeit, erklärt Co-Leiter Augustin Jagg im Gespräch. Zum Glück für das Team gibt es bereits eine fertige Inszenierung, was die Planungsunsicherheit abfedert. Doch auch Jagg hofft, dass das Haus bald wieder öffnen kann, sonst bilde sich ein größerer Rückstau an Produktionen. Wie für den November wurde vom Theater auch für den Dezember ein Umsatzersatz eingereicht – „nicht unwichtig“ sei diese Hilfe, sagt der Theaterleiter.

Bescheiden

Problematischer scheint die Lage für das Vorarlberger Landestheater zu sein. Da der Umsatzersatz – einfach formuliert – nach dem Umsatz desselben Monats im Vorjahr berechnet wird, sieht es für das Haus am Kornmarktplatz nicht gut aus. Denn die Zahlung der Abonnements erfolgte 2019 im September und werde deshalb nicht berücksichtigt, wie Intendantin Stephanie Gräve auf Nachfrage erklärte. Gerade in den folgenden Wochen war im vergangenen Jahr durch gewisse Umstände (etwa durch das Arbeiterkammer-Abo) der Freiverkauf niedrig. Wie es Kuges-Geschäftsführer Werner Döring ausdrückte: Der zu erhaltende Betrag durch den Umsatzersatz sei „relativ bescheiden“.

“Es schmerzt”

Werner Döring über die Budgetkürzung und den Einnahmenverlust

Bescheiden ist auch das Landesbudget für die Kuges (Kulturhäuser Betriebsgesellschaft), der das Kunsthaus Bregenz, das vorarlberg museum und das Landestheater unterstehen. 2021 soll die Gesellschaft drei Prozent weniger Landessubventionen bekommen als heuer, laut Döring bleiben insgesamt 11,05 Millionen Euro. Vier Millionen Euro davon gehen nächstes Jahr an das Landestheater – um über 100.000 Euro weniger als 2020. Würde man die Verluste aufgrund der durch die Corona-Beschränkungen verlorengegangenen Eigenerlöse dazurechnen – das seien minus 25 bis 30 Prozent – habe das Theater im nächsten Jahr acht Prozent weniger Budget zur Verfügung, rechnet Döring vor. „Das schmerzt“, sagt er, auch wenn er die Situation des Landes verstehen könne. Da bei Personal und Infrastruktur nicht gespart werden wolle und könne, werde im nächsten Jahr, ab Herbst, das Programm gekürzt werden müssen, sagt Döring. Die traditionelle Opernproduktion bleibe aber erhalten.

Gastspiel

Intendantin Gräve zeigt sich im Gespräch wenig zuversichtlich. „Wir befinden uns in einer extremen Notsituation“, sagt sie im Hinblick auf die verlorenen Einnahmen und die Budgetkürzung. Die Technik könne so jedenfalls nicht erneuert werden. Gräve merkt an, dass das Tiroler Landestheater drei Millionen Euro zusätzlich erhalte, während das Vorarlberger Landestheater sogar weniger Mittel als im Vorjahr bekomme.

Auch die Planungsunsicherheit macht der Intendantin zu schaffen. Am 7. Jänner steht die Premiere von „King Size“ an – ob der Termin erhalten bleibt, ist ungewiss, dabei sollte dringend geplant werden: eine Belastung auch für die Regie-Teams. Der Theatererhalterverband würde sich diesbezüglich zusammen mit anderen Interessensgruppen um Gespräche mit der Regierung bemühen.

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