Kultur

Frischer Blick auf Bekanntes

11.12.2020 • 20:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Franui und Florian Boesch bei den Festtagen im Festspielhaus. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Franui und Florian Boesch bei den Festtagen im Festspielhaus. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Franui und Florian Boesch haben eine CD herausgebracht.

Als die Osttiroler Musicbanda „Franui“ im vergangenen August die Bregenzer Festtage mit ihrem Programm „Alles wieder gut“ eröffnete, passte das wunderbar zur aufkeimenden Hoffnung, dass ein Kulturleben trotz und mit Corona möglich sein könnte. Das Programm mit Liedern von Schubert, Schumann, Brahms und Mahler rundete sich im Zusammenspiel von Bariton Florian Boesch und der seit vielen Jahren aufeinander eingeschworenen Musikgruppe zu einem klug aufgebauten Liederabend rund um die Themen Abschied, Liebe und Trauer. Inzwischen ist die gleichnamige CD mit einem nur wenig veränderten Programm beim österreichischen Label Col legno erschienen und was im Konzert flüchtiger erschien, kann jetzt konzentriert nachgehört werden.

Volksmusik-Wurzeln

Florian Boesch mit seinem manchmal samtig verführerischen, manchmal drohend, zornig oder verzweifelt melancholisch tönenden Bariton taucht zusammen mit Franui tief hinein in die Liederwelt der Romantik. Andreas Schett, der Trompete spielende „Kopf“ der Truppe, und Markus Kraler, der zwischen Kontrabass und Akkordeon wechselt, haben die Liedsätze auf ihre Art verwandelt, indem sie die volksmusikalischen Wurzeln aufspüren und mit den Farben von Klarinetten, Harfe, Hackbrett, Geige, Tuba, Posaune und Saxofonen mischen.

Die Gesangslinie ist fast original geblieben, durch den liebevollen, manchmal auch frechen Blick von Franui auf die Lieder erscheint Bekanntes in erfrischend neuem Gewand. Schicksalston und Trauermarsch stoßen auf Tanz und witzige Kommentare, das Motto des Ensembles „Wenn man einen Trauermarsch viermal so schnell spielt, wird er zur Polka“ wird auch hier auf fantasievolle Weise verwirklicht. Aufgenommen ist die CD übrigens schon im August 2019, als die Welt noch kein Corona kannte – und immer noch kann man ein Fragezeichen hinter den Titel setzen!

Katharina von Glasenapp