Kultur

Berge und Architektur im Fokus

15.12.2020 • 19:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lichtinstallation von Miriam Prantl im Stiegenhaus des vorarlberg museums. <span class="copyright">Petra Rainer</span>
Lichtinstallation von Miriam Prantl im Stiegenhaus des vorarlberg museums. Petra Rainer

Programm 2021 des vorarlberg museums präsentiert.

Es sind schwierige Zeiten für die Museen, meint Andreas Rudigier. Der Direktor des vorarlberg museums präsentierte am Dienstag das Programm für das Jahr 2021 – und dieses ist beeinflusst von einem gekürzten Budget, sowie den Nachwirkungen der Corona-Krise. Denn mit 25.000 Personen wurden in diesem Jahr rund die Hälfte der üblichen Besucher gezählt, was auch geringere Einnahmen mit sich brachte. Die Situation erfordert offenbar Abstriche im Programm. Dabei werden die Vorhaben aber lediglich auf 2022 verschoben, wie etwa das Gastspiel der „Beauty“-Ausstellung von Stefan Sagmeister. Auch eine Ausstellung in Gedenken an den Lyriker Kundeyt Surdum ist dann geplant – man nutze die Zeit um sich noch tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen, so Rudigier.

Depot

Ungeachtet des knappen Budgets wird im Frühjahr auf jeden Fall die erste Etappe des Umzugs in das neue Depot in Hard vollzogen werden, sagte der Museumsdirektor. Rund 3000 Quadratmeter an Depotfläche für die Sammlung stehen dort zur Verfügung – wobei 20 Prozent davon an das Kunsthaus Bregenz gehen, wie Werner Döring von der Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mbH (Kuges) erklärte. Für die Übersiedelung würden demnach Eigenmittel aufgewendet werden, man sei „gut gerüstet“. Bis Ostern soll die Lagertechnik stehen, dann starte der Umzug, so Rudigier. Einzelne Sammlungsgruppen wie Möbel, Skulpturen und Waffen aus dem Völkerkunde-Ressort sollen dem Publikum voraussichtlich ab Oktober in einem Schaudepot zugänglich gemacht werden.

Werk von Gerhard Klocker aus der Serie „Nova“. <span class="copyright">Gerhard Klocker</span>
Werk von Gerhard Klocker aus der Serie „Nova“. Gerhard Klocker

Insgesamt werden im Landesbudget 3.955.000 Euro für das vorarlberg museum zur Verfügung gestellt – ein Minus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Werden die reduzierten Eigenerlöse einberechnet, ergebe sich laut Döring ein Minus von fünf Prozent. Dennoch dankte der Geschäftsführer dem Land Vorarlberg – es sei mit rund 85 Prozent der Mittel größter Subventionsgeber des Hauses.

Alpiner Raum im Blick

Die Kernaufgaben Sammeln und Forschen stehen im nächsten Jahr im Mittelpunkt des Programms. Dabei sollen die vor einigen Jahren neu formulierten Sammlungsschwerpunkte präsentiert werden. Einerseits geht es um die Berge: Im Atrium sind von 27. März bis 27. Juni ausgewählte Werke zu sehen, die während des SivrettAtelier Montafon 2020 des Kunstforum Montafon entstanden sind. Der alpine Raum wird dabei aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet – der Berg als Sehnsuchtsort, oder Natureingriffe durch die Tourismuswirtschaft spielen eine Rolle. Am 17. Juli sind Arbeiten des Tiroler Künstlers Nino Malfatti zu sehen. Er widmet sich bereits seit 35 Jahren den Bergen, und stellt auch Ikonen der Vorarlberger Bergwelt, wie Zimba, Piz Buin und Kanisfluh, dar.

Gemälde von Johannes Kaufmann, zu sehen in der Schau "Auf eigene Gefahr".<span class="copyright"> Johannes Kaufmann</span>
Gemälde von Johannes Kaufmann, zu sehen in der Schau "Auf eigene Gefahr". Johannes Kaufmann

Eine Sonderausstellung widmet sich wiederum der Architektur. Am Beispiel der Arbeitsgruppe C4 Architekten mit Karl Sillaber wird das „Neue Bauen in Tirol und Vorarlberg“ in den 1960er- und 70er-Jahren beleuchtet. Die Schau startet am 26. Juni und wird in Zusammenarbeit mit dem Architekturzentrum Wien realisiert. Am 29. Mai wird die Corona-bedingt verschobene Schau „Auf eigene Gefahr“ anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Vorarlberger Landes-Versicherung eröffnet. Im Atrium widmet sich das Museum ab 23. Oktober dem Spätwerk des Vorarlberger Malers Heinz Greissing, der im Mai 2020 im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Der Atlantik Südspaniens war eines der Hauptmotive seiner „Letzten Bilder“, so der Untertitel der Ausstellung. 

Barockbaumeister

Ein Forschungsprojekt gibt Einblicke in die jüngere Vergangenheit: Kulturwissenschafterin Edith Hessenberger erarbeitete 70 Zeitzeugeninterviews mit Tourismuspionieren. Eine „Nicht-Besucherforschung“ in Kooperation mit der FH Vorarlberg und dem Land Vorarlberg wird zudem im nächsten Jahr die Gründe von Menschen, nicht ins Museum zu gehen, erforschen. Das Projekt soll wertvolle Impulse für die Museumsarbeit liefern.

Infos zu laufenden Ausstellungen und zum Programm 2021 gibt es unter www.vorarlbergmuseum.at

Neben weiteren Kooperationen ist das vorarlberg museum übrigens auch stellenweise in die geplanten Präsentationen Vorarlberger Barockbaumeister im Bregenzerwald eingebunden: In Au sollen in Kürze neue Ausstellungsflächen zu diesem Zweck entstehen, Bezau erweitert dafür das Heimatmuseum, die Regio Bregenzerwald bearbeitet das Thema zudem wissenschaftlich.

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