Kultur

Theater-Festival in der Römerzeit

07.01.2021 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rot gekennzeichnet ist die Lage des damaligen Theaters. <span class="copyright">Karl Oberhofer</span>
Rot gekennzeichnet ist die Lage des damaligen Theaters. Karl Oberhofer

In Brigantium gab es ein Theater, wie archäologische Funde zeigen.

Es ist ein kleiner Sensationsfund, über den am vergangenen Mittwoch in ORF Vorarlberg berichtet wurde: Nach mehrmaligen Ausgrabungen am Fuße der Bregenzer Oberstadt – zuletzt 2019 – lassen Mauerfunde den eindeutigen Schluss zu, dass dort zu Zeiten der römischen Siedlung Brigantium ein Theater gestanden hat. Schon 1944 wurden Mauerzüge von Verantwortlichen des damaligen Landesmuseums, also des heutigen vorarlberg museums, beobachtet, wie der zuständige Archäologe und Brigantium-Experte Karl Oberhofer von der Universität zu Köln im Gespräch mit der NEUE erklärt. Die Ergebnisse der Forschungen werden dokumentiert und sollen in der Ausstellung „Weltstadt oder so“ im vorarlberg museum öffentlich zugänglich gemacht werden.

Den Fund vor Ort zu präsentieren ist nicht geplant, bestätigt Oberhofer. Die Mauerfunde liegen auf einem Privatgrundstück. Diese freizulegen, zu konservieren, und das Theater dann zu rekonstruieren, wäre außerdem sehr kostspielig.

Puzzlestücke

Während den vom damaligen Landesmuseumsleiter Adolf Hild durchgeführten Grabungen wurden bereits 1944 erste Mauerzüge an der Stelle entdeckt. Dieser Fund geriet aber wieder in Vergessenheit, erzählt Oberhofer. 2013 gab es weitere Grabungen, die von dem Archäologie-Unternehmen Context KG unter Beaufsichtigung des Denkmalamtes durchgeführt wurden. Damals wurde ein abgerundetes Mauersegment freigelegt – wobei die Archäologen damals noch nicht wussten, zu welcher Art Bau diese Mauer gehörte.

Ein Mauersegment des Theaters. <span class="copyright">Context KG</span>
Ein Mauersegment des Theaters. Context KG

Auch im Zuge der Erstellung eines digitalen Stadtplans von Brigantium wurde das Gebiet untersucht. Bei einer 2014 durchgeführten sogenannten geophysikalischen Prospektion erregte die Stelle die Aufmerksamkeit der Forscher. Doch erst 2019, als zu einem anderen Zweck dort gegraben wurde, traten dann weitere Mauerstücke hervor. Nun konnten alle Puzzlestücke zusammengesetzt werden, so der Archäologe: Die Mauerreste gehörten einst zu einem halbkreisförmigen Theater.

Kleine Sensation

Die Grundmauern des recht einfach gebauten Theaters bestehen aus Stein, die Zuschauerbänke waren aus Holz gefertigt. Die Zuschauerränge waren ansteigend und konnten rund 2000 Zuschauern Platz bieten – mehr als die Einwohnerzahl der Siedlung, die in der Zeit um 100 nach Christus rund 1600 Bewohner zählte, wie Oberhofer schätzt. Das Theater besitze demnach eine für diese Zeit übliche Größe. Während es weiter westlich gelegen ähnliche Funde gibt, zum Beispiel in Deutschland, der Schweiz und Frankreich, sind in Österreich Theaterbauten aus der römischen Zeit eine Rarität: Allein auf dem Kärntner Zollfeld wurde hierzulande ein Theater aus dieser Zeit freigelegt, erklärt der Archäologe. Diese Tatsache, sowie der Umstand, dass die Mauerfunde 2019 eigentlich durch Zufall gefunden wurden, machen die Entdeckung zu einer kleinen Sensation.

Festspiele

Eine weitere spannende Erkenntnis ist, dass das Theater in Brigantium nicht, wie heute üblich, fast ganzjährig in Betrieb war, sondern mehrmals im Jahr ein vermutlich mehrere Tage andauerndes Spektakel bot. Von nah und fern kamen Schaulustige angereist, um den Aufführungen beizuwohnen, so die Annahme Oberhofers. Es gab also damals schon so etwas wie „Bregenzer Festspiele“ – wohl aber nicht in der heute gewohnten Form.

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