Kultur

Der Betonporsche feiert Jubiläum

12.01.2021 • 19:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Von Gottfried Bechtold werden wir 2021 noch hören. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Von Gottfried Bechtold werden wir 2021 noch hören. Wolfgang Ölz

Künstler Gottfried Bechtold blieb auch im Corona-Jahr tätig.

Im Jahr 1971 parkte vor der damaligen Galerie Krinzinger in Bregenz ein Porsche 911 aus Beton. Kunstkritiker sprechen davon, dass damit das Zeitalter der zeitgenössischen Kunst nach Vorarlberg gekommen sei. Kulturbeobachter dichteten damals: „Die Kunst flieht entsetzt, wenn Beton das Gehirn ersetzt.“ So wie der Hut zu Beuys, so wie der Faust zu Goethe, so gehört der Porsche zu Gottfried Bechtold. Im neuen Jahr, 2021, zum 50er des Betonporsche, entsteht eine neue Serie von Porsches, nämlich exakt 911 gleiche Miniplastiken des Porsches 911. Bechtold hält sich dabei an die Chronologie des Jahres 1971. Die Ausstellungseröffnung bei Krinzinger fand damals im Oktober statt und so soll die Edition der 911 Miniplastiken auch bis Oktober 2021 fertig sein.

Lkw-Maut

Momentan läuft auch ein Wettbewerb der Gemeinde Burg Mauterndorf im Salzburger Lungau, an dem sich Bechtold beteiligt hat. Bechtolds Vorschlag war ein 1:1 großer Lkw aus Beton, der den Burghügel von Mauterndorf herabfährt. Mauterndorf in den südlichen Obertauern lebte –wie der Name schon sagt – von der Maut. In der Renaissance setzte ein reger Handel entlang der alten Römerstraße zwischen dem Handelshafen in Venedig und der Fuggerstadt Augsburg über diese Route ein. Bechtold sieht den Lkw als heutiges Pferdefuhrwerk, der den Reichtum der Mauterndorfer symbolisieren könnte.

Ein Betonporsche wurde im vergangenen Sommer in Schruns platziert. <span class="copyright">Frederick Sams</span>
Ein Betonporsche wurde im vergangenen Sommer in Schruns platziert. Frederick Sams

Der Vorarlberger Künstler zeichnet und malt jeden Tag. Allerdings zeichnet er nach eigenen Angaben nie nach der Natur, sondern immer Ideen aus dem Kopf. Die Gemälde von Flugzeugabstürzen, die Bechtold in späteren Jahren zu gestalten begonnen hat, sind auch Teil des Werkes. In der Corona-Zeit hat er sich einen Intensivmalkurs auferlegt und bis zu zwölf Stunden am Tag vor der Leinwand verbracht. Das Format 20 mal 20 Zentimeter ist gemäß seinem Konzept eine Anspielung auf das Jahr 2020. Vergangenen Juli hatte er bei „Hor(s)t der Kunst“ in der Adlerwarte am Pfänder einen Flugzeugabsturz gezeigt, der einen Zeppelin zerstört. Auch heute noch ist er immer wieder auf Flohmärkten und Auktionen auf der Suche nach Bildern von alten Landschaften, die eigentlich für das künstlerische Interesse tot sind, aber schon durch einen kleinen Flugzeugabsturz wieder zu kreativen Leben erweckt werden. Tod und Leben – hier zeigt sich ein typischer Paradoxie-Begriff, wie er für Bechtolds Denken so charakteristisch ist.

Wolfgang Ölz

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