Kultur

Heitere Musik fürs Wohnzimmer

18.01.2021 • 20:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Wiener Symphoniker mit Manfred Honeck im leeren Konzerthaus. <span class="copyright">Lukas Beck</span>
Die Wiener Symphoniker mit Manfred Honeck im leeren Konzerthaus. Lukas Beck

Das jüngste Konzert mit den Wiener Symphonikern begeisterte.

Dieser Tage wären die Wiener Symphoniker im Rahmen ihrer alljährlichen Bundesländertournee auch bei den Bregenzer Meisterkonzerten zu Gast gewesen – aus bekannten Gründen musste das Konzert ausfallen. Doch bietet das Orchester auf seiner Homepage www.wienersymphoniker.at und über andere Kanäle auch „Wohnzimmerkonzerte“ aus dem leeren Wiener Konzerthaus an, die live gespielte Werke auf den Bildschirm im heimischen Wohnzimmer bringen, verbunden mit kurzen Interviews und Moderation durch den Musikjournalisten Axel Brüggemann. Die Konzerte sind alle noch nachzuhören.

Dirigent Manfred Honeck. <span class="copyright">George Lange</span>
Dirigent Manfred Honeck. George Lange

Im jüngsten Konzert steht Manfred Honeck am Pult: Wie alle Kulturschaffenden ist auch er ausgebremst durch die Corona-Maßnahmen, ist getrennt von seinem Pittsburgh Symphony Orchestra und genießt sichtlich die Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern. Zum Jahresauftakt beginnt der Vorarlberger Dirigent mit der Polka française „Heiterer Muth“ von Josef Strauss, betont im Gespräch die Möglichkeit der Musik, in schwierigen Zeiten wie diesen wie ein heilendes Elixier zu wirken: Heiter ist die Musik, fein und wunderbar selbstverständlich musiziert in ihrer Balance von Spannung und Lösung.

Frischer Blick

Als Solist darf Peter Dorfmayr den ersten Satz des vierten Hornkonzerts KV 495 von Mozart interpretieren: souverän und blitzsauber in den langen Solopassagen, aufmerksam und lebendig begleitet von Honeck und den Orchesterkollegen. Höhepunkt ist natürlich die Kadenz, in die auch die beiden Hornisten aus dem Orchester einstimmen dürfen und die Dorfmayr mit einem zweistimmigen Klang „würzt“. Der Dreiklang der Wiener Musik wird mit der ersten Symphonie von Ludwig van Beethoven abgerundet: Wieder überzeugt Honeck mit stimmigen Tempi (die Metronomzahlen hatte Beethoven selbst eingetragen), mit seinem frischen Blick auf die Details und die herrlichen Dialoge zwischen den Orchestergruppen. Ein Genuss, der hoffentlich bald wieder mit Publikum und in großer Besetzung zu erleben ist!

Katharina von Glasenapp