Kultur

Möbelhaus wird für Künstler aktiv

05.02.2021 • 19:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nici Wührer in venezianischem Ambiente im Showroom von Höttges – gelegen in Rhomberg’s Fabrik in Dornbirn. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Nici Wührer in venezianischem Ambiente im Showroom von Höttges – gelegen in Rhomberg’s Fabrik in Dornbirn. Klaus Hartinger

Höttges investiert in regionale Kunst und Kultur.

Jeden Abend verwandelt sich das Schaufenster im Showroom des Dornbirner Möbelhauses Höttges in eine kleine Bühne: Ein Ensemble aus Sitzmöbeln, Lampen sowie venezianischen Karnevalsmasken aus dem Tiroler Landestheater werden mit Bühnenlicht in Szene gesetzt. Klassische Musik ertönt im Außenbereich, wo auf einer Leinwand ein Schwarz-Weiß-Video mit maskierten Figuren zu sehen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass in dem Möbeldesign-Showroom Kunst und Kultur seinen Platz findet. Üblicherweise gibt es zwei Mal im Jahr einen Event mit rund 300 Gästen, unter anderem mit Livemusik. Höttges widmete sich Themen wie dem Bauhaus, 2017 wurde ein kleines Peter-Handke-Kino eingerichtet, wie die Geschäftsführerin Nici Wührer bei einem Besuch erzählt. Nun unterstützt das Unternehmen konkret die regionale Szene: Ein Teil des Verkaufserlöses von Dezember bis Februar geht an den Verein locart, der Investitionen in Vorarlberger Kunst und Kultur ermöglicht.

Kreativität

„Es geht uns gut, 2020 war ein konstantes Jahr ohne Einbruch“, erklärt Wührer die aktuelle Situation von Höttges. Viele Menschen hätten sich in den vergangenen Monaten verstärkt mit ihrem eigenen Heim beschäftigt, stellte sie fest. Der Innenausbau boomt, und auch hochwertige Möbel wären gefragt. Design ist ein Bestandteil der Kunst- und Kulturgeschichte, und so ist diese auch für die Arbeit der 38-jährigen Geschäftsführerin ein wichtiges Element. Sie wolle in den Beratungsgesprächen mit den Kunden in die Tiefe gehen. „Ich möchte zu den Möbelstücken eine Geschichte erzählen können“, sagt sie. Außerdem brauche sie die Inspiration durch Kunst, um ihre Kreativität weiterzuentwickeln, sagt die Architektin und Mediendesignerin.

Nici Wührer ist seit einem Jahr Geschäftsführerin von Höttges. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Nici Wührer ist seit einem Jahr Geschäftsführerin von Höttges. Klaus Hartinger

Privat hat die Bregenzerin ebenfalls eine Passion für Kultur. Ihre Eltern hätten auf vielen Städtereisen immer auch ein kulturelles Programm geplant, und heute noch widme sich Wührer gerne der bildenden Kunst und Musik – wenn die Geschäftsleiterin und dreifache Mutter Zeit dafür findet. Die Kreative studierte Architektur an der Technischen Universität in Wien, sowie berufsbegleitend Intermedia an der Fachhochschule Vorarlberg. Vor sieben Jahren begann sie ihre Karriere bei Höttges, seit einem Jahr ist sie Geschäftsführerin des Möbelhauses. Dass sie einmal in einem solchen arbeiten wird, hätte sie sich vor Höttges nicht gedacht, meint die Architektin. Die Planung und Beratung sowie der direkte Kontakt mit den österreichischen Herstellern sei jedoch sehr erfüllend.

„Macht Sinn“

„Es fühlt sich gut an, jenen etwas zu geben, die es brauchen“, meint Wührer. Sie denkt dabei etwa an freischaffende Künstler, denen durch die Pandemie die Einnahmen weggebrochen sind. Die locart-Vereinsobfrau Maria Simma-Keller kennt Wührer persönlich, auch in ihrem Team sind Mitarbeiter in der Szene verwurzelt – als die Geschäftsführerin von den Tätigkeiten von locart erfuhr, wollte auch sie etwas beisteuern. Die Investition sei „jetzt das, was Sinn macht“, sagt sie.

Investieren mit locart

Mit locart – Verein zur Investition in Kunst und Kultur gibt es die Möglichkeit, Vorarlberger Künstler und Kulturschaffende aus allen Sparten finanziell zu unterstützen. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen können investieren. Infos: www.locart.at.

Mit der Installation im Schaufenster möchte das Höttges-Team den Passanten, auch ohne einen derzeit nicht möglichen Event, ein sinnliches Gesamterlebnis bieten und Emotionen zum Ausdruck bringen, erklärt Wührer. Protagonisten im aktuellen venezianischen Setting sind die Möbel der Marke Wittmann, im Dezember war in einer ersten Version der Sofa-Klassiker Camaleonda von Mario Bellini der Star. Bis Ende Februar steht noch die Mini-Bühne im Schaufenster, im Frühjahr soll es in der nächsten Installation um Garten- und Outdoormöbel gehen. Die 50er-Jahre in Kalifornien sollen Thema sein, verrät Wührer. Und Jackson Pollock spiele auch eine Rolle.

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